Die Fahrradfahrer-Tragödie von Neukölln

Tod im Halteverbot

Immer wieder fallen Diplomaten im Verkehr auf. Jetzt musste ein Radler sterben.

Peter Neumann Lutz Schnedelbach
Lesezeit 2 Min
Die Unfallstelle an der Hermannstraße. Die Ziffern und Zeichen stammen von der Polizei.

Die Unfallstelle an der Hermannstraße. Die Ziffern und Zeichen stammen von der Polizei.

© Morris Pudwell

Der Unfall geschah, als der 55-jährige Radfahrer Dienstag gegen 23 Uhr die Hermannstraße in Richtung Kienitzer Straße befuhr (lesen Sie dazu auch die Seite 15). Ein 50-jähriger Saudi-Diplomat, der im absoluten Halteverbot stand, öffnete die Fahrertür seines Porsche Cayenne so plötzlich, dass der Radler nicht mehr bremsen konnte und gegen die Tür stieß. Er starb später im Krankenhaus. Ob der Diplomat je belangt werden kann, hängt vom guten Willen seiner Botschaft ab. Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 5 hat die weitere Unfallbearbeitung übernommen.

Die Zahl der Ordnungswidrigkeiten, die von Diplomaten begangen werden, ist übrigens stetig gestiegen. Im vergangenen Jahr registrierte die Innenverwaltung allerdings einen leichten Rückgang. Die Zahl sank von 24.118 auf 22.816 Verkehrsverstöße. Straftaten werden nicht registriert. Damit sollen diplomatische Verwicklungen verhindert werden. Im vergangenen Jahr verursachten Diplomaten 58 Verkehrsunfälle mit 26 Verletzten. Ein Jahr zuvor registrierte die Polizei knapp 80 Unfälle. In 50 Fällen begingen Diplomaten. Fahrerflucht. Die Hitliste der Verkehrssünder führen Saudi Arabien, China und Russland an.

Die meisten Strafzettel wurden wegen Falschparkens geschrieben. Zahlen für Alkohol am Steuer gibt es nicht, weil Diplomaten nicht zu einem Test gezwungen werden dürfen. Auf diese Weise sind auch deutsche Diplomaten im Ausland geschützt. In Berlin sind knapp 2800 Diplomaten-Fahrzeuge mit Sonderkennzeichen sowie 25 auf das Generalkonsulat der Türkei zugelassen. Die meisten Diplomaten-Unfälle passieren unter Alkohol. 2004 sorgte die Chaosfahrt des bulgarischen Botschafters für Schlagzeilen. Er fuhr im Suff einen Polizisten an – und wurde später ausgewiesen.

Die Mutter des Opfers (2. v. r)

Die Mutter des Opfers (2. v. r)

© Morris Pudwell

„Die Verkehrsmoral hat abgenommen, weil immer mehr Menschen ihr Ego ausleben“, sagt Polizeihauptkommissar Oliver Woitzik „Für eine zunehmende Zahl von Menschen ist das Auto ein Vehikel, um gegenüber anderen aufzutrumpfen, um sich zu profilieren. Hinzu kommt der zunehmende Dichtestress in Berlin.“ 

Die Botschaft Saudi Arabiens hat inzwischen ihre Bestürzung und ihr Beileid mitgeteilt.

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