Charlottenburg - Michael Würthle (67) ist Wirt. Das Lokal, in dem er hinterm Tresen steht, ist nicht irgendeines - sondern die legendäre "Paris Bar". Doch bevor er dort heute wieder für seine prominenten Gäste arbeitet, muss er mit seinem Ex-Partner Reinhold Nohal (72) vor Gericht. Sie sollen Steuern in Millionen-Höhe hinterzogen haben.Die beiden Herren machten die "Paris Bar" zum glanzvollen Promi-Wohnzimmer des noblen West-Berlins, als sie 1979 das Lokal an der Kantstraße übernahmen. Rock- und Filmstars, Künstler und Staatschefs, alles was national und international Rang und Namen hatte, trank und feierte hier. Es war chic auf den roten Lederbänken zu sitzen 2005 war dann Schluss mit lustig. Steuerfahnder standen vor der Tür des Nobelladens, Razzia! Kistenweise wurden Geschäftsakten beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte fünf Jahre. In ihrer Anklage werfen sie Würthle und Nohal nun vor: "Die Lokal-Betreiber sollen zwischen 2001 und 2005 die Umsatzsteuer durch falsche Angaben verkürzt und Beiträge zur Sozialversicherung für die Angestellten vorenthalten haben."Ein Ex-Angestellter berichtet: "In dem Laden herrschte keine Buchführung sondern eine chaotische Zettelwirtschaft. Es wurden fiktive Summen aufgeschrieben, wohl um die höheren Umsätze zu verschleiern. Alles schön an der Steuer vorbei." Händler sollen Waren ohne Rechnung geliefert haben.Auch wenn Würthle und Nohal das bestreiten: Aufgrund der Razzia 2005 bekamen sie vom Finanzamt eine Steuernachzahlungsaufforderung in Millionen-Höhe. Weil die Herren nicht zahlen konnten, beantragten sie damals die Insolvenz. Die "Schattenwirtschaft" hatte wohl auch für Angestellte Folgen. Der Fiskus soll bei einigen eine Lohnsteuer-Nachzahlung bis zu 20 000 Euro gefordert haben.Die "Paris Bar" hat inzwischen einen neuen Betreiber. Michael Wüthle ist nur noch Angestellter in seinem früheren Laden. Reinhold Nohal ist ganz raus.------------------------------Das Wohnzimmer der großen StarsDie "Paris Bar" wurde 1950 von einem ehemaligen Koch der französischen Armee gegründet. Es gab für ein paar Mark Zwiebelsuppe, Steaks und Landwein. 1979 wurde das Lokal zum "Wohnzimmer" der Stars. Am Tresen zeigt ein Messingschild, dass dieser Platz nur für Stammgast Otto Sander reserviert ist. Wolfgang Joop und Udo Walz sind dort, Harald Juhnke zechte da zu Lebzeiten. An den Fenster sitzen und saßen Film-Promis wie Iris Berben, Bernd Eichinger oder Wim Wenders. Im hinteren Lokal-Eck sind gerne Welt-Stars wie Jack Nicholson oder David Bowie.------------------------------BU: Otto Sander und Harald Juhnke (hier 2000) feierten in der "Paris Bar".BU: Ben Becker feierte nicht nur, er sang auch gerne für die anderen Gäste.
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