Kommt der Frost nochmal?

Die Eisheiligen kommen! DAS erwartet uns jetzt

Jedes Jahr, wenn es wieder wärmer wird, bangt es uns vor dem Temperatureinbruch Mitte Mai. Aber gibt es den überhaupt? Und wie sieht es dieses Jahr aus?

Foto von Autor/Autorin: Jana Hollstein
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Wann ist der richtige Zeitpunkt, die Pflanzen aus dem Winterlager zu holen? Früher warteten Bauern die Eisheiligen ab.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, die Pflanzen aus dem Winterlager zu holen? Früher warteten Bauern die Eisheiligen ab.

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

„Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz“ heißt die alte Wetterregel. Gärtnern sowie Wetterempfindlichen graut es vor dem Spätfrost. Aber stimmt es wirklich, dass in der Zeit zwischen dem 11. und 15. Mai erhöhte Frostgefahr trotz eigentlich milder Temperaturen herrscht? Oder ist das nur ein alter Aberglaube, den wir getrost in der Vergangenheit lassen können?

Woher kommen eigentlich die Eisheiligen?

Der Volkglaube um die Eisheiligen stammt aus dem Mittelalter und fällt in die Namenstage von Mamertus (Bischoff von Vienne), Pankratius (frühchristlicher Märtyrer), Servatius (Bischof von Tongeren) und Bonifatius (frühchristlicher Märtyrer). Am 15. Mai beendet die „Kalte Sophie“ (Sophia war frühchristliche Märtyrerin und Mutter dreier geweihter Jungfrauen) den Winterfrost endgültig.

Das war vor allem für die Bauern relevant: Nach den Eisheiligen sollte der Bodenfrost keine Gefahr mehr für ihre Ernte darstellen. Bei den Eisheiligen gibt es übrigens Klima-bedingt ein Nord-Süd-Gefälle: Im Norden zählen der 11. bis 13. Mai als Eisheilige, im Süden der 12. bis 14. Mai.

Ganz so extrem wie damals werden die Eisheiligen heutzutage nicht mehr.

Ganz so extrem wie damals werden die Eisheiligen heutzutage nicht mehr.

© Gianna Schade/imago

Im Datum vertan: Eisheilige eigentlich später als wir denken

Was ist also dran an dem mittelalterlichen Bauernglauben? Zunächst einmal sind die Tage falsch. Der Glaube um die Eisheilige kam vor der Gregorianischen Kalenderreform 1582 zustande, also bevor der Kalender die Form hatte, die er heute hat. Mit der Reform hätten sich eigentlich auch die Eisheiligen verschieben müssen. Das wurde aber nicht berücksichtigt. Eigentlich müssten die Eisheiligen am 19. Mai beginnen. Allgemein kann man aber ungefähr sagen, wir reden hier von der zweiten Maidekade.

Die Eisheiligen 2024 locken mit milden Temperaturen

Der Glaube an die Eisheiligen kommt laut Deutschem Wetterdienst (DWD) daher, dass sich oft Mitte Mai Wetterlagen mit Kalteinbrüchen aus Skandinavien entwickeln, wobei vor allem der Nachtfrost gefährlich für die Ernte war. Das soll sich aber in den letzten Jahren geändert haben. Die Tage, die die berüchtigte Frostgefahr mit sich bringen, treten laut DWD immer früher auf, wahrscheinlich wegen der Klimaerwärmung.

Die „Eisheiligen“ passieren also tendenziell gar nicht mehr so sehr zu den tatsächlichen Eisheiligen, sondern früher, d.h. näher am Winter und den Wintertemperaturen, und wirken sich deswegen auch nicht mehr so stark auf die Vegetation aus.

Das gilt wohl auch für dieses Jahr: Nach ein paar Tagen, in denen wir in Berlin hohe Temperaturen genossen haben, sind sie schnell wieder runtergegangen, jetzt soll es aber wohl wieder wärmer werden – und das, obwohl jetzt erst die Eisheiligen anfangen! Auch wenn Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie also gerade erst vor der Tür stehen, haben wir die „Eisheiligen“ wahrscheinlich schon überwunden.

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