Die echte Berlinale

Ruth Moschner
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Seit gestern trudelt wieder das halbe Weltkino samt Pomp und Klunker in unsere Hauptstadt und führt uns vor, wie blass und pleite wir gerade sind. Gerade jetzt könnte man auf Äußerungen wie "Oh, wie ist denn diese schreckliche Mauer?" verzichten. Aber, wir wollen nicht so sein. Schließlich ist es doch kein Wunder, dass die Stars vor lauter Herumschleuserei die Orientierung verlieren. Wie Marionetten bekommen sie neben frisch abgesaugten Schenkeln - Pardon -und roten Teppichen höchstens noch ein dünnes Schnitzel im Borchardt, Berlins Promi-Kantine Nummer eins, hinter die Kiemen geschoben. Zum Absacker gibt's in der Paris Bar noch ein geföhntes Gespräch mit Udo Walz. Gut, der kennt sie ja wirklich alle, die Meg und den Mick und die Clodia und überhaupt. Trotzdem wird auch uns' Udo den Besuchern das wahre Berlin nicht eröffnen können. Das wohnt nur in den Kiezen, auf Papptellern mit Curry, zwischen Hertha und Union, über Taubendreck, Wildschweinen und natürlich in unseren Herzen. Ein Leben in Berlin ist wie eine Ehe. Man glaubt sich zu kennen, aber an manchen Tagen blickt man zur Seite und sieht in der alten Vertrautheit doch wieder eine völlig neue Person. Man könnte einen Film draus machen und ihn bei der Berlinale uraufführen. Doch die Realität ist schöner, wenn man den Geheimnissen nicht die Schmusedecke wegzieht. Aber wir wollen nicht so sein, schließlich weiß jeder: am schönsten ist der Besuch, wenn er geht. Also, liebes Hollywood: sei hübsch, bring Kohle, krieg Applaus und Preise und hau dann aber auch schnell wieder ab. Küsschen!------------------------------Schauspielerin und TV-Moderatorin Ruth Moschner schreibt jeden Freitag im Berliner KURIER

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