„Die dilettantischste Clique seit Menschengedenken“

Kritik an Gipfel-Chaos der US-Regierung. Trump hält 12. Juni jetzt doch für möglich

Dierk Rohwedder
Lesezeit 3 Min
Südkoreaner demonstrierten in Seoul gegen US-Präsident Donald Trump.

Südkoreaner demonstrierten in Seoul gegen US-Präsident Donald Trump.

© AP

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Washington –

Ja was denn nun? Noch am Donnerstag die Absage an einen Gipfel mit Nordkorea, verbunden mit einer Kriegsdrohung. Jetzt hält US-Präsident Donald Trump ein gemeinsames Treffen mit Diktator Kim Jong Un am 12. Juni doch noch für möglich. Die Welt reagiert mit Entsetzen, Ernüchterung - aber auch mit Hohn und Spott auf diese Gaga-Diplomatie. „Amerika ist seit Menschengedenken von keiner dilettantischeren Clique regiert worden“, so die „Süddeutsche Zeitung“.

Nordkorea hat auf die Trump-Absage trotz dessen neuerlichen Drohung mit dem US-Militär überraschend moderat reagiert. Man sei weiter gesprächsbereit, sagte der Erste Vizeaußenminister Kim Kye Gwan. Nordkorea sei willens, der US-Seite „Zeit und Gelegenheit“ zu geben. Die USA hätten zu viel Druck ausgeübt, damit Nordkorea einseitig sein Atomprogramm aufgebe. Man habe an die „Trump-Formel“ geglaubt - einen Deal, der die Besorgnisse beider Länder beseitigen könne. Die Antwort aus Pjöngjang sei „warm und produktiv“ und eine sehr gute Nachricht, schrieb Trump auf Twitter. Man werde sehen, wohin es führe, hoffentlich zu langem Frieden. Selbst ein Gipfel am 12. Juni sei noch denkbar

Die Schuld am geplatzten Gipfel sehen die Beobachter in Washington. „Trump hat nacheinander Japan und nun Südkorea mit seiner sprunghaften Politik brüskiert“, schreibt die „Neue Züricher“. Kritisiert wird die dilettantischen Vorbereitung ohne den Sachverstand des US-Außenministeriums: „Es scheint, als habe Donald Trump geglaubt, er könne den Korea-Konflikt bei einem Burger von Mann zu Mann lösen. Doch dazu braucht es diplomatische Knochenarbeit, in der unzählige Details geklärt werden.“(„Tages-Anzeiger“). „ Kim hatte keine Absicht, sein Atomwaffenarsenal schnell preiszugeben“, so die „Washington Post“. In den USA spotteten die Demokraten über den Misserfolg. Trump habe sich schon nahe am Friedensnobelpreis gewähnt. Jetzt lerne er, dass Diplomatie schwerer sei, als einen „Deal“ zu machen.

Kritik auch aus Berlin: Trump stehe nun mit leeren Händen da, sagte der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Wie schon bei der Aufkündigung des Iran-Atomabkommens trete Trump „als Meister des Störens und Zerstörens auf“.

Zwei Konsequenzen der Gipfel-Absage: Singapurs Hotelgewerbe war rund um den geplanten Gipfel-Termin am 12. Juni komplett ausgebucht. Jetzt sind wieder Zimmer frei. Der Schaden geht in die Millionen.

Und: Die Gedenkmünze für den Gipfel verkauft der Andenkenladen im Weißen Haus trotzdem - und zwar zum Sonderpreis von 19,95 Dollar (rund 17 Euro), herabgesetzt von 24,95 Dollar. Die meisten Kunden hätten angegeben, „dieses Erbstück der politischen Geschichte“ in jedem Fall haben zu wollen, trotz Absage.

ROH

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