Karl-Marx-Allee

Vorkaufsrecht soll Mieter vor Verdrängung schützen

Die Deutsche Wohnen will 800 Wohnungen kaufen. Doch der Senat hat was dagegen.

Silvia Perdoni
Lesezeit 2 Min
Wohnungen als Spekulationsobjekte in der KMA.

Wohnungen als Spekulationsobjekte in der KMA.

© dpa

Der Vorschlag soll den Bewohnern von drei Häusern in der Karl-Marx-Allee  ermöglichen, ihre Wohnungen in den Bestand einer städtischen Wohnungsgesellschaft zu überführen.

Er sieht vor, dass Menschen ihr Vorkaufsrecht nutzen, die Wohnung dann aber direkt an ein kommunales Unternehmen weiterveräußern. Ein umstrittenes Konstrukt, das Mieter jubeln und Gegner eine Klagewelle fürchten lässt.  

Senat soll das Modell am Dienstag beschließen 

„Wir tragen Verantwortung für die Bewohner der Karl-Marx-Allee“, sagt Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zur Berliner Zeitung. „Deswegen ist es wichtig, dass wir denen, die ihre Wohnung nicht selbst kaufen können, eine Alternative bieten. Ich bin froh über die Entscheidung, die der Koalitionsausschuss getroffen hat.“

An den Fassaden der Wohnhäuser demonstrieren die Mieter gegen den Verkauf. 

An den Fassaden der Wohnhäuser demonstrieren die Mieter gegen den Verkauf. 

© Sabine Gudath

Am kommenden Dienstag soll der Senat das Modell offiziell beschließen. Wie berichtet, befürchten die Mieter aus der Karl-Marx-Allee, dass nach einer Übernahme ihrer Häuser durch die Deutsche Wohnen hohe Mietsteigerungen auf sie zukommen. 

Ist doch das börsennotierte Unternehmen bekannt für eine rigide Mieterhöhungsstrategie. Seit Monaten protestieren die Bewohner der rund 800 Wohnungen lautstark gegen den neuen Eigentümer.

Rund 700 Bewohner haben Vorkaufsrecht

Das nun auf den Weg gebrachte Modell ist Teil eines Maßnahmenpakets gegen Verdrängung in der ehemaligen sozialistische Prachtstraße. So bietet die Investitionsbank Berlin Menschen, die selbst Eigentümer ihrer Wohnung werden wollen, einen zinsgünstigen Kredit an.

„Wir gehen aber nicht davon aus, dass besonders viele Mieter darauf zurückkommen werden“, sagt Senatorin Lompscher. In der Karl-Marx-Allee leben viele ältere Menschen, die mit ihrer kleinen Rente kaum  einen Kredit abbezahlen könnten.

Rund 700 Bewohner von drei Häusern an der Straße haben ein Vorkaufsrecht. Der vierte Block liegt in einem Milieuschutzgebiet. Hier wird der Bezirk sein Vorkaufsrecht zugunsten der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) geltend machen.

„Von vielen Bewohnern fallen Ängste ab“

Der Aufsichtsrat der WBM habe dafür am Mittwoch  grünes Licht gegeben, so Lompscher. Bei den Mietern sorgt die Einigung der Koalition für Erleichterung. „Von vielen Bewohnern fallen Ängste ab“, sagt der Vorsitzende des Mieterbeirats, Norbert Bogedein, zur Berliner Zeitung. 

Die Option, ihre Wohnung der Stadt zu vermachen, stoße bei vielen Menschen im Haus auf Zustimmung. „Das neue Modell schafft etwas Einmaliges, dass auch anderswo funktionieren könnte.“

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