Die amtliche Wut-Bilanz der Hauptstädter

Was in Berlin echt nicht in Ordnung ist!

Neue Senatsliste zeigt, worüber sich die Bürger am häufigsten beschweren.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
Lautstärke: Klagen über zu viel Lärm machen in der Party-Stadt Berlin zwei Prozent der Beschwerden aus.

Lautstärke: Klagen über zu viel Lärm machen in der Party-Stadt Berlin zwei Prozent der Beschwerden aus.

© imago/Seeliger

Rauchen: Eigentlich gibt es ein Rauchverbot, aber viele Wirte halten sich nicht daran. Das sorgt für Ärger.

Rauchen: Eigentlich gibt es ein Rauchverbot, aber viele Wirte halten sich nicht daran. Das sorgt für Ärger.

© imago

Fast 400 Online-Beschwerden gehen jeden Tag bei den Berliner Ordnungsämtern ein. Insgesamt schon 355.551 Mal haben Bürger die Ordnungsamt-App oder die zugehörige Website genutzt. Das heißt: Rein rechnerisch kam auf jeden zehnten Berliner bereits eine Beschwerde. Das macht die Hitliste der Bürger-Ärgernisse besonders aussagekräftig. Klar an der Spitze stehen mit jeweils etwa einem Drittel der Meldungen: Illegale Müllablagerungen (124.442 Fälle oder, anders ausgedrückt, 35 Prozent) und Verkehrsbehinderungen (117.331 Fälle oder 33 Prozent).

23.000 Kubikmeter Müll

Erst danach kommen Beschwerden über Verstöße gegen das Gaststätten-Gesetz und über Lärm.
Vermüllung: Alte Matratzen, Schrott-Möbel und kaputte TV-Geräte gehören auf den Sperrmüll, landen aber oft an der Straßenecke – trotz drohender Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Einige Übeltäter sind Firmen, die Entsorgungskosten auf dem Recyclinghof sparen wollen – und etwa alte Farben auf Gehwegen abstellen.

Fahrradleichen: Ordnungsämter handeln nach Beschwerden über Fahrradleichen meist rasch und holen sie ab. 

Fahrradleichen: Ordnungsämter handeln nach Beschwerden über Fahrradleichen meist rasch und holen sie ab. 

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Läuft beim Ordnungsamt eine Beschwerde ein, wird oft die BSR um Aufräum-Hilfe gebeten. Weil die aber viel zu tun hat, dauerte es zuletzt fünf bis 19 Tage, bis gemeldeter Unrat verschwand. Pro Jahr entfernt die BSR 23.000 Kubikmeter illegalen Mülls. Das entspricht der Menge Erde, die beim Bau einer Schule oder eines Supermarkts bewegt werden muss.

Klagen über zu viel Krach 

Verkehrsbehinderungen: In diese Beschwerde-Kategorie gehört alles, was den Verkehr blockiert. Da fallen einem als erstes Baustellen ein – und bei jährlich 500.000 Genehmigungsanträgen in Berlin gibt es davon tatsächlich jede Menge. Anlass zur Beschwerde bieten Baustellen, die unnötig viel Platz wegnehmen oder ungesichert sind. Hinzu kommen Baustellen, an denen ständig Verlade-Arbeiten stattfinden oder an denen gar nicht gearbeitet wird. Typische Beschwerden betreffen auch falsch geparkte Autos oder vereiste Rutsch-Gehwege.

Müll: Was für ein Chaos! Die BSR muss jedes Jahr rund 23.000 Kubikmeter illegalen Müll entsorgen. 

Müll: Was für ein Chaos! Die BSR muss jedes Jahr rund 23.000 Kubikmeter illegalen Müll entsorgen. 

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Gaststätten und Gewerbe: Das eigentlich Überraschende an der offiziellen Beschwerde-Hitliste ist, dass in der Party-Metropole Berlin erst mit deutlichem Abstand die Klagen über Gaststätten und Gewerbe folgen. Sie machen „nur“ 10.666 Fälle (oder drei Prozent) der 355.551 Beschwerden aus. Hierhin gehören Probleme mit Tischen und Stühlen, die unzulässig auf Gehwegen herumstehen, aber auch unerlaubtes Rauchen. Nicht eingerechnet sind hier Beschwerden über Lärm, obwohl die Gastronomie wesentlich zu den Lärm-Ärgernissen beiträgt. Klagen über zu viel Krach machen zwei Prozent aller Bürger-Beschwerden aus. Das entspricht 7111 Fällen seit Einführung des Online-Meldesystems. 

Baustellen: Behinderungen im Straßenverkehr sind für die Berliner eines der größten Ärgernisse. Dazu gehören unübersichtliche Nerv-Baustellen.

Baustellen: Behinderungen im Straßenverkehr sind für die Berliner eines der größten Ärgernisse. Dazu gehören unübersichtliche Nerv-Baustellen.

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In der Hitliste des Senats nicht näher aufgeschlüsselt sind die „sonstigen Meldungen“, die 27 Prozent der Klagen ausmachen, aber ganz verschiedener Natur sind. Spannender ist ohnehin noch eines: Während abgestellte „Fahrradleichen“ meist sofort beseitigt werden, dauert es bei Autowracks drei bis vier Monate. An deren Weiterverwertung können die Bezirke dann aber gut verdienen: So machte Lichtenberg im vorigen Jahr immerhin 11.995 Euro mit Autowracks.

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