Wer die Videos der zitternden Angela Merkel bei ihrem dritten öffentlichen Anfall in knapp drei Wochen sieht, kann kaum anders, als sich um die Kanzlerin zu sorgen.Dabei kann der sogenannte Tremor, das unwillkürliche Zittern, jeden treffen. Und es gibt unterschiedliche Formen mit Auslösern von harmlos bis erschreckend. Denn eigentlich ist ein winziges Zittern so normal wie wir Luft zu holen. Bei Schüttelfrost zittern wir zum Beispiel, um durch Muskelaktion die Körpertemperatur zu erhöhen für die Immunabwehr.
„Einen sog. physiologischen Tremor, ein rhythmisches haarfeines Mikro-Zittern, hat jeder Mensch“, sagt Prof. Michael Barbe von der Neurologischen Universitätsklinik Köln. Diesen Grund-Tremor sieht und bemerkt man in der Regel nicht. „Er kann sich aber im Laufe des Lebens jederzeit verstärken“, erklärt der Facharzt. „Ab 50, 60 Jahren sollte man bei regelmäßigem Zitter-Problem deshalb abklären lassen, ob eine neurodegenerative Erkrankung dahintersteckt.“
27. Juni 2019. Ministervereidigung in Berlin: Angela Merkel kreuzt die Arme, kann das plötzliche Zittern, welches sie überfällt, trotzdem nicht aufhalten.
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Wer sehr nervös, sehr aufgeregt ist, dem zittern vor einem Auftritt ab und zu die Hände, oder, wenn die Angst besonders groß ist, die Knie. Das habe nichts zu tun mit einer neurologischen Erkrankung, betonen Neurologen: Es gibt einen klaren äußeren Anlass.
Ist die Aufregung vorbei, legt sich das alarmierende Zittern.
Die häufigste Form des unwillkürlichen Zitterns ist der sogenannte essenzielle Tremor. „Dieser Aktionstremor taucht bei ganz alltäglichen Bewegungen auf und wird durch psychische Anspannung verstärkt“, erklärt Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld. Das ist peinlich, wenn man eine Kaffeetasse hält oder versucht, anderen etwas einzuschenken, oder die Stimme zittert. In Deutschland sind rund 3 Prozent der Bevölkerung betroffen, über zwei Millionen Menschen. Im Alter steigt die Häufigkeit, es gibt eine erbliche Komponente. „Das Zittern entsteht zwischen Kleinhirn und Hirnstamm in einem zu aktiven Netzwerk“, weiß Barbe.
Psyche spielt eine große Rolle
Doch selbst bei diesem Tremor spielt die Psyche eine große Rolle. „Wer lernt, sich mit Hilfe bestimmter Techniken bewusst zu entspannen, kann zumindest einer Zunahme des Zitterns bei Stress und Nervosität entgegenwirken“, sagt der Kölner Neurologe Beil. Betablocker, die die Reizweiterleitung zum Herzen dämpfen, können helfen. In ganz schweren Fällen wird ein Hirnschrittmacher eingesetzt.
Der äußerst seltene orthostatische Tremor ist durch die Berichterstattung um Angela Merkel in den Fokus gerückt.
Es ist ein optisch besonders ungewöhnlicher hochfrequenter Tremor, der vor allem im Stehen auftritt, mit einer Frequenz von 16 Hertz (=16 Zuckungen pro Sekunde) wirkt wie ein Flattern. Oft bessern sich die Symptome beim Gehen, im Sitzen hört das Zittern auf. Die Furcht, beim nächsten Anlass vor aller Augen wieder zu zittern, wirkt als Verstärker, auch ohne dass die Weltöffentlichkeit zuschaut oder auf eine Zeichen von Schwäche wartet.
Unterzuckerung, ein stark gestörter Elektrolythaushalt (zu viel Natrium, zu wenig Kalium im Blut) oder eine Schilddrüsenüberfunktion können als weitere rein körperliche Auslöser hinter einem Tremor stecken. Hitze, Austrocknung führen dagegen eher zum Kreislaufkollaps. Das „Restless Legs Syndrom“, die unruhig zitternden Beine im Schlaf, gelten als Sonderform unkontrollierter Muskelbewegung. Diagnostiziert wird ein Tremor durch Elektroden, die auf den Muskel geklebt werden. Sieglinde Neumann
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