Lau: Wir waren alle in Laia Costa verliebt
Er war der Hit auf der Berlinale, ist jetzt siebenmal für den deutschen Filmpreis nominiert. Anfang der Woche feierte der Echtzeit-Thriller „Victoria“ von Regisseur Sebastian Schipper sogar US-Premiere in Los Angeles. Wir trafen bestens gelaunt zwei der Darsteller, den Berliner Frederick Lau (25) sowie die Spanierin Laia Costa (30) vor dem Filmpreis, der am 19. Juni vergeben wird.
Frederick Lau – was ist das für ein Gefühl, als bester Hauptdarsteller nominiert zu sein?
„Ich freue mich wahnsinnig darüber. Überhaupt ist es toll, dass der Film so viele Nominierungen hat.“
„Victoria“ ist ein atemberaubender Film. Zweieinhalb Stunden Action. Vier junge Männer und eine Frau (Laia Costa) jagen durch die Nacht. Straßenköter, unterwegs auf dem Kiez. Durch Clubs, Hinterhöfe, Wohnungen, in Tiefgaragen – inklusive Raubüberfall. Alles in einem Stück gedreht. Mit einer Handkamera und ohne künstliches Licht.
Und wie war das Leben auf der Überholspur?
Lau lächelt: „Es war wie ein Adrenalinschub. Nach dem Dreh saßen wir oft vor dem Produktionsbüro und konnten kaum reden. Ich brauchte ein paar Tage, um zu verstehen, was da eigentlich passiert ist.“
Was war das Besondere?
„Man durfte während des Drehs ausleben, was man wollte. Wir haben viel improvisiert. Es ist eine Hommage an die Jungs von der Berliner Straße.“
Auch für Laia Costa war der Film wie eine Droge. „Vor dem Dreh waren wir oft nervös, aber wenn wir losgelegt haben, hat es enormen Spaß gemacht. Wir liebten es, wenn etwas schief ging.“
Für die Spanierin ist es die erste Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Sie lebt in Barcelona, dreht in Madrid derzeit eine TV-Serie. „Victoria hat mein Leben verändert. Es ist mein Leben“, sagt sie, als wir die zierliche Dunkelhaarige im Waldorf Astoria treffen. Der Film sei wie ein Trip gewesen. Ein Trip durch eine ihr vorher unbekannte Stadt.
Und wie lief das Zusammenspiel?
Der Schauspieler: „Super, wir waren alle kurz in Laia verliebt, sie hat uns so beim Casting vom Hocker gerissen.“
Frederick Lau ist inzwischen einer der gefragtesten Schauspieler Deutschlands. Der Berliner: „Mein Vater hat mir immer gesagt, versuche, die Menschen nicht zu enttäuschen und so gehe ich an meine Arbeit. Ich mache es zwar nicht allen recht, aber ich versuche, ihnen was zurückzugeben.“ Am liebsten spiele er Charaktere mit Ecken und Kanten. „Langweilige Menschen zu spielen, gibt mir nicht so viel.“
Und wo stellt er den Preis hin, wenn er ihn bekommt?
„Ich habe ja bereits die Lola für die beste Nebenrolle, daneben wäre noch ein Platz frei. Ich muss ihn nur ein bisschen höher stellen, weil meine einjährige Tochter sonst dran kommt.“ Sie laufe bereits, sei flink wie ein Wiesel. Der Schauspieler: „Mädchen sind in der Entwicklung einfach schneller als Jungs. Zurzeit quatscht sie mir alles nach.“
Erdet ihn das?
„Total. Meine Familie ist für mich das Wichtigste, sie macht mich glücklich.“
Klaußner: Das Böse steckt in jedem von uns
Beide Musikfans, beide Top-Schauspieler. Der eine der ältere Hase, der andere der jüngere. Gestatten, Christian Friedel (36) und Burghart Klaußner (65), die das erste Mal beim „Weißen Band“ gemeinsam vor der Kamera standen. Jetzt spielen sie in „Elser“ – auch einer der Top-Favoriten beim Filmpreis. Friedel ist nominiert als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als Hitler-Attentäter Georg Elser. Klaußner als bester Nebendarsteller. Er spielte den Chef der Reichskriminalpolizei, Arthur Nebe.
Bei Ihnen scheint die Chemie zu stimmen?
Christian Friedel: „Ja, auf jeden Fall. Ich habe viel von Burghart gelernt – vor allem den Umgang mit Texten. Junge Schauspieler huschen oft schnell und theatralisch über den Text. Burghart sagte einmal, lest den Text doch einfach mal ein bisschen langsamer. Das war genau richtig. Man kann sich an Burghart wunderbar abarbeiten im Spiel und bekommt wahnsinnig viel Energie.“
Burghart Klaußner: „Das kann ich nur zurückgeben, Kollege. Ich bewundere Friedel. Ich wünsche ihm sehr, dass er den Preis gewinnt. Zumal ich es ihm prophezeit habe.“
Nach „Das Weiße Band“ jetzt „Elser“. Was ist an dem Film so wichtig?
Klaußner: „Er ist ein wichtiger, politischer Film, weil er uns jemanden in Erinnerung rückt, der nach dem Krieg erst als Verbrecher verfemt und dann vergessen war. Dabei hätte Georg Elser beinahe die Welt verändert – als einfacher Mann aus dem Volk. Ein Tischler, der ein Romantiker war, aber auch politisch entschlossen.“
Christian Friedel: „Ich muss zugeben, ich kannte Georg Elser nicht. Aber als ich mich damit beschäftigt habe, hat er mich sehr fasziniert.“
Klaußner: „Ich wusste schon, wer er war. Doch mir war die Tragweite seines Handelns nicht bewusst. Meine Person Arthur Nebe war er einer der schlimmsten Nazis. Er war ein schwerer Verbrecher.“
Spielt man Bösewichte gerne?
Klaußner: „Was heißt gerne? Was muss, das muss. Aber irgendwas Böses steckt ja in einem jeden. Ich spiele in meinem nächsten Film erstmals einen Held. Den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der nach dem Krieg die Auschwitz-Prozesse möglich gemacht hat. Der Film startet am 1. Oktober in den Kinos. Bauer war ein Kämpfer für die Gerechtigkeit. Und ja, das hat mehr Spaß gemacht, als einen Verbrecher zu spielen.“
Christian Friedel wird inzwischen als das Gesicht des deutschen Schauspiels gehandelt.
Was macht ihn aus?
Er lächelt: „Ich bewundere es, wenn Schauspieler ihre Rolle mit Hingabe spielen. Ich hatte bislang das Glück, nie auf eine Rolle festgelegt zu werden. Es ist für viele Schauspieler ziemlich langweilig, immer das gleiche zu spielen.“
Zudem wolle er etwas bewirken – auch mit „Elser“.
Friedel: „Wir haben eine ausgedehnte Kinotour gemacht, nur leider sahen nicht die Menschen den Film, die sich eigentlich hätten interessieren sollten.“
Klaußner: „Das ist leider Gottes immer der Fall. Du kannst nicht erwarten, dass die Skinheads von Rostock-Lichtenhagen in den Elser-Film gehen.“
Friedel: „Ich meine Menschen, bei denen noch Hoffnung besteht. Sie könnten sich gerade von solch einem Film inspirieren lassen. Klar, Skinheads erreicht man nicht. Aber das ist vielleicht auch nur Wunschdenken von mir. Mein Traum, etwas anschieben und verändern zu können.“
Klaußner: „Aber das tut man doch auch. Es ist wichtig, etwas von der Arbeit zu erwarten. Gerade in der Kunst setzt sich Qualität immer durch.“
Reisen Sie eigentlich noch so viel, Herr Klaußner?
„Ja. Meine Wohnstube ist das ICE-Zimmer. Mein fahrendes Häuschen. Ich wohne mal in Hamburg und mal in Berlin. Beide Städte sind unverwechselbar. Als Berliner bin ich natürlich unverrückbar mit jedem Pflasterstein verbunden, aber ich muss mehrere Wohnsitze haben. Ich bin schon gerne unterwegs.“
Christian Friedel: „Geht mir auch so, aber es ist auch schön, zu Hause zu sein. Derzeit lebe ich in Dresden, aber nächstes Jahr ziehe ich nach Berlin. Ich bin gerne dort, wo meine Freunde und meine Familie sind.“
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