In dem Tarifkonflikt geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 140.000 Beschäftigten. Vor allem wird über die teils schlechtere Bezahlung bei 49 neu gegründeten regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung gestritten. Gestern versammelten sich Hunderte Postler in der Berliner Verdi-Zentrale am Paul-Thiede-Ufer. Der KURIER hörte sich ihre Geschichten an.
Lesen Sie auf den nächsten Seiten, warum die Post-Mitarbeiter streiken und warum sie das als nötig empfinden.
Sie ackert für ihren Sohn
Ein Berufsleben für die Post. Denise Jachning aus Rudow lernte im Alter von 16 Jahren in dem Unternehmen. Seit die heute 32-Jährige volljährig ist, trägt sie Briefe aus. Erst in Mitte, jetzt in Moabit. Sie ist zu Fuß unterwegs. Jeden Tag von 7 Uhr morgens bis 16 Uhr. Im Winter, wenn viele Briefe geschrieben werden, auch mal eine Stunde länger. „Dazu kommt noch eine Stunde Arbeitsweg.“ Vor sieben Jahren kam Sohn Justin auf die Welt. Seitdem ist Denise Jachning alleinerziehend. „Er ist morgens der Erste und abends der Letzte im Hort.“ Und das für 1500 Euro.
Alle drei Monate ein neuer Vertrag
Sein Leben einigermaßen langfristig zu planen, ist für Mario Rosenfeld nicht möglich. Der 45-Jährige ist ein „Lückenbüßer“ bei der Post, wird überall dort eingesetzt, wo mal eine Personallücke klafft. Seit einem halben Jahr fährt der Buchholzer in Glienicke mit dem Fahrrad Post aus, vorher war er mit dem Auto für die Brief- und Paketzustellung in den brandenburgischen Gemeinden Schildow und Mühlenbeck unterwegs. Das ist nicht das Problem. Seit September 2010 wird er mit Verträgen abgespeist, die lediglich drei Monate oder ein halbes Jahr laufen. Sein derzeitiger endet am 30. Juni. „Hoffentlich wird der verlängert.“
Der Rücken von Peter (44) leidet
Die Schloßstraße in Steglitz ist das Revier von Peter Rother. Seit dem Jahr 2000 fährt der 44-Jährige hier Pakete für DHL aus. Täglich ist er pflichtbewusst von 7.30 Uhr bis 18.30 Uhr unterwegs. „Die Zeit ist mein größter Feind. Natürlich ist der Job anstrengend, vor allem mein Rücken leidet. Ich muss aufpassen, wie ich Pakete hochhebe.“ Rother ist auf seinen Job angewiesen. Seine Frau arbeitet nicht, er hat zwei Kinder. Insgesamt bringt er 2200 Euro nach Hause in die Wohnung in Gropiusstadt. „Damit bin ich noch gut bedient. Meine Kollegen, die später angestellt wurden und in anderen Gesellschaften arbeiten, bekommen nur 1200 Euro.“
Kinder werden per Anruf geweckt
Kathrin Weber ist Frühaufsteherin. Muss sie auch. Die 35-Jährige sortiert Briefe für die Zusteller, packt sie in Kisten für die verschiedenen Routen. Kurz nach fünf Uhr morgens geht es los, gut drei Stunden braucht die Teilzeitkraft. Ihr Job verlangt Organisation. Denn die Spandauerin ist alleinerziehend, ihre beiden Kinder Michelle (13) und Luca (9) weckt sie jeden Morgen mit einem Telefonanruf. „Ich arbeite seit 2007 bei der Post, zum Glück machen die beiden das so gut mit.“ Mit Unterhalt und Kindergeld kommt sie auf circa 1200 Euro im Monat. „Jetzt bange ich um meinen Job, da die Post meine Stelle an eine externe Firma vergeben will.“
Sechs Stunden auf dem Rad
Dennis Jaeschke aus Niederschönhausen ist gelernter Einzelhandelskaufmann, arbeitete in der Gebäudereinigung. Seit Oktober fährt der 24-Jährige für die Post Briefe in Rosenthal aus. Mit dem Fahrrad ohne Elektroantrieb, bei eisigen Temperaturen, Starkregen oder brütender Hitze. Fünf Tage in der Woche ist er auf sieben unterschiedlichen Routen auf Achse. Neun bis elf Stunden, davon sechs auf dem Rad, ist er für den Job unterwegs. „Nach der Schicht weiß ich, was ich getan habe. Das geht auf Rücken und Knie.“ Das Gehalt: Circa 1200 Euro netto. „Früher wurden Überstunden bezahlt. Heute werden sie mit Freizeit vergütet.“
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