Deutsche Meisterschaft der Zauberei

Diese Berliner kämpfen um die „Magica“-Trophäe

Gleichzeitig geht es um ein Ticket für die kommende WM in Südkorea.

Florian Thalmann
Lesezeit 5 Min
Diese sechs Männer vertreten Berlin bei der Deutschen Meisterschaft der Zauberei.

Diese sechs Männer vertreten Berlin bei der Deutschen Meisterschaft der Zauberei.

© Paulus Ponizak

Zaubertricks, das ist doch was für Kindergeburtstage? Nicht nur – ein echter Magier betreibt seine Kunst mit Ernst, großem Können und scheut nicht den Wettstreit mit anderen. Die sechs Herren auf dieser Seite konnten da schon Punkte verbuchen: Sie reisen kommende Woche nach Saarbrücken, um Berlin bei der Deutschen Meisterschaft der Zauberei zu vertreten. Die Kartenkünstler, Großillusionisten und Gedankenleser, die sich bei zwei Vorentscheiden qualifizierten, kämpfen dort vier Tage lang um die „Magica“ – eine begehrte Trophäe und gleichzeitig Ticket für die kommende WM in Südkorea.

Der lustige Inder: Timothy Trust

 Der 46-Jährige Timothy Trust betritt im orientalischen Kostüm die Bühne und persifliert die Zauberei.

 Der 46-Jährige Timothy Trust betritt im orientalischen Kostüm die Bühne und persifliert die Zauberei.

© Paulus Ponizak

Die Darbietung von Timothy Trust ist vielleicht nicht magisch – aber dafür umso komischer! Der 46-Jährige betritt im orientalischen Kostüm die Bühne und persifliert die Zauberei. Er tritt in der Sparte „Comedy“ an, ergatterte beim Vorentscheid den ersten Platz. „Ich mochte es schon immer, meine Zuschauer zum Lachen zu bringen“, sagt er.  Zum Handwerk kam der Berliner, als auf seinem 7. Geburtstag ein Zauberer auftrat. „Zwischendurch studierte ich versehentlich Jura“, sagt er und lacht.  Heute spielt er unter anderem auf Kreuzfahrtschiffen und in Varietés.

Der Entertainer: Jochen Stelter

„Ich verwandele Wasser in jeden erdenklichen Schnaps“, sagt Jochen Stelter.

„Ich verwandele Wasser in jeden erdenklichen Schnaps“, sagt Jochen Stelter.

© Paulus Ponizak

Sicher würden viele gern das können, was Jochen Stelter auf der Bühne tut: „Ich verwandele Wasser in jeden erdenklichen Schnaps“, sagt er. Auch Lottoscheine spielen bei seiner Kunst eine Rolle. Stelter bekam beim Vorentscheid zwei erste Plätze – einen als Comedy-Zauberer, einen als Mental-Magier. Nun tritt der 29-Jährige  in beiden Sparten an.

Außerhalb der Meisterschaft spielt er etwa 200 Shows pro Jahr, ist unter anderem auf Kreuzfahrtschiffen aktiv. Magische Fähigkeiten halfen dabei übrigens nicht immer. „Einmal hatte mein Flieger so viel Verspätung, dass ich das Schiff verpasste. Also düste ich wie James Bond mit einem Speedboot hinterher, kletterte mit einer Strickleiter aufs Schiff“, sagt er.

Der Würfel-Magier: Axel Hecklau 

Der 51-Jährige steht unter anderem wöchentlich im „Close Up Club“ in der Kulturbrauerei auf der Bühne.

Der 51-Jährige steht unter anderem wöchentlich im „Close Up Club“ in der Kulturbrauerei auf der Bühne.

© Paulus Ponizak

Axel Hecklau bekam zu seinem 13. Geburtstag sein erstes Zauberbuch geschenkt. „Danach gab es in meinem Leben nichts Wichtigeres als die Zauberei“, sagt er. Der 51-Jährige , der  unter anderem wöchentlich im „Close Up Club“ in der Kulturbrauerei auf der Bühne steht,  gewann schon zahlreiche Preise und schuf Kunststücke, die sogar Berufskollegen zum Staunen bringen. So ist es auch bei seiner Wettbewerbsdarbietung in der Sparte Sprechzauberei.  Ein Zauberwürfel spielt eine wichtige Rolle – und der verschwindende und erscheinende Führerschein eines Zuschauers. Die Darbietung bescherte dem Berliner die höchste Punktzahldes Vorentscheids.  Hecklau sieht  Zauberei vor allem als Kunstform, die voller Möglichkeiten steckt. „Das Geheimnis des Tricks ist allerdings der kleinste Teil der Zauberkunst. Manchmal finde ich es  richtig schade, dass ich den Zuschauern nicht alle Details erklären kann“, sagt er. 

Der Geschichtenerzähler: Alexander Merk

„Ein weiterer Pokal wäre natürlich eine tolle Belohnung für die Arbeit“ , sagt Alexander Merk.

„Ein weiterer Pokal wäre natürlich eine tolle Belohnung für die Arbeit“ , sagt Alexander Merk.

© Paulus Ponizak

Alexander Merk war vier Jahre alt, als er unter dem Weihnachtsbaum seinen ersten Zauberkasten fand. Zudem  führte er für seine Familie als Kind Sketche auf – die Leidenschaft für Schauspiel begleitet ihn bis heute. „Ich möchte nicht nur Kunststücke zeigen, sondern Geschichten erzählen“, sagt der 30-Jährige. In seiner Darbietung, die  beim Vorentscheid mit einem  ersten Platz prämiert wurde, verschwindet das Einstecktuch eines Zuschauers und taucht in der Glühbirne eines Bühnenscheinwerfers auf.  Magie? Vielleicht.  Zauberhaft wäre für ihn auch eine Auszeichnung, denn schon 2007 gewann er  als Sprechzauberer  einen ersten Platz. „Ein weiterer Pokal wäre natürlich eine tolle Belohnung für die Arbeit.“  

Der Barkeeper: Fabian Weiss

Fabian Weiss ist der Haus-Magier des Hotel „The Ritz-Carlton“.

Fabian Weiss ist der Haus-Magier des Hotel „The Ritz-Carlton“.

© Paulus Ponizak

Fabian Weiss, 39, kam zur Magie, als ein Zauberer auf seinem Kindergeburtstag auftrat. „Er verwandelte einen Spazierstock in eine Konfetti-Wolke. Der Mann machte das Unmögliche möglich – das wollte ich auch!“ Über Bücher lernte er die Kunst, heute ist Weiss der Haus-Magier des Hotel „The Ritz-Carlton“.

Eine der Bars im Haus inspirierte ihn zu seinem Wettbewerbsbeitrag: Zwei Zuschauerinnen denken auf der Bühne an Cocktails, Weiss lässt  genau diese Drinks erscheinen – die Idee brachte ihm beim Vorentscheid einen dritten Platz in Sprechzauberei. Doch auch für einen Vollblut-Illusionisten sind Kunststücke nicht alles. „Mein magischster Moment war die Geburt meines Sohnes Felix im Jahr 2011.“

Der Schnaps-Illusionist: Clemens Ilgner

Clemens Ilgners Fachgebiet ist die Close-up-Zauberei.

Clemens Ilgners Fachgebiet ist die Close-up-Zauberei.

© Paulus Ponizak

Clemens Ilgner sah schon im Kindergarten einen Zauberer – und ließ sich mit dem magischen Virus infizieren. „Mich faszinierte, wie begeistert alle von seinem Handwerk waren“, sagt der 39-Jährige. Heute ist die Close-up-Zauberei sein Fachgebiet – Magie, die direkt unter den Augen der Zuschauer passiert.

In seiner Wettbewerbsdarbietung, mit der er beim Vorentscheid der Meisterschaft in seiner Sparte den ersten Platz belegte, spielt eine Flasche Schnaps die Hauptrolle. Den magischsten Moment seines Lebens verdankte er aber nicht dem Likör, sondern seiner Frau Friederike. „Ich lernte sie im Studentenorchester kennen, 2011 heirateten wir. Das war zauberhaft!“

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