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„Ich bin zutiefst erschrocken, wie in Deutschland mit älteren Menschen umgegangen wird“, sagt Hans-Jürgen H. Er sitzt erschöpft auf seinem Koffer, sein Krückstock steht daneben. So trafen ihn die KURIER-Reporter zufällig, als sie Mittwochmorgen kurz nach neun Uhr auf dem Weg zu einem Termin waren.
Kontrolleure drohen Reporterin und Fotografen
Sie hörten wie Hans-Jürgen H. und sein Neffe Ruven H. (44) von einem Fahrkartenkontrolleur angeschrien wurden und blieben stehen. „Geh weg hier, du darfst hier nicht stehen“, herrschte der jüngere Kontrolleur nun auch die Reporterin an. Als sie ihn darauf hinwies, dass sie auf einem öffentlichen Bürgersteig stehen dürfe, schrie er: „Und zuhören darfst du auch nicht.“ Er drohte, ihr das Handy wegzunehmen und dem Fotografen, die Kamera kaputt zu schlagen.
Die Fahrkartenkontrolleure warteten an der Haltestelle Turmstraße auf die Polizei.
© BK
Die Reporter erfuhren von Hans-Jürgen H., dass er im TXL-Bus auf dem Weg zu seinem Neffen in Moabit war. „Im Bus wurden wir von dem Kontrolleur überrascht, weil wir das Ticket noch nicht entwertet hatten. Mein Neffe war zunächst damit beschäftigt, mir in dem völlig überfüllten Bus einen Platz zu sichern, weil ich wegen meiner Gehbehinderung nicht lange stehen kann.“ Beim Aussteigen an der Haltestelle Turmstraße hätte der Kontrolleur ihre Personalien verlangt.
Sechswöchige Sommerreise nach Deutschland war lange geplant gewesen
Da er nur seinen Reisepass und sein Neffe nur einen Führerschein dabei hatte, konnten sie keine Meldeadresse nachweisen – das machte den Kontrolleur wütend. Er hätte seinen Kollegen zur Verstärkung und die Polizei gerufen. „Sie haben uns als Rassisten beschimpft und mit 25.000 Euro Schmerzensgeld gedroht, wenn wir Handyfotos von ihnen machen würden“, erinnert sich H.
Besonders tragisch: Die sechswöchige Sommerreise nach Deutschland hatte der Senior lange geplant, um sich von Verwandten und Freunden zu verabschieden. „Es ist meine letzte Reise in die Heimat. Ich habe eine schwere Venenerkrankung und laut ärztlicher Prognose nicht mehr lange zu leben“, sagt er. H. ist in Hamburg geboren und war 1972 von dort nach New Jersey ausgewandert. Die gestrige Aufregung habe ihm erneut Kraft gekostet.
Kein Einzelfall: Touristen in den Fängen der Kontrolleure
Dieser Vorfall mit Kontrolleuren ist in Berlin kein Einzelfall. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen sieben Kontrolleure der S-Bahn wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Beleidigung und Betrug erhoben. „Wir haben schon ein paar Mal beobachtet, dass es Kontrolleure speziell in den überfüllten TXL-Bussen auf die Touristen abgesehen haben“, heißt es aus Polizeikreisen.
Und was sagt die BVG selbst dazu? Die Kontrolleure würden darauf hingewiesen, dass sie gerade gegenüber Touristen, die das System nicht kennen, Kulanz zu zeigen hätten. „Sollten sich alle Vorwürfe als zutreffend erweisen, werden wir der für uns tätigen Firma sagen, dass diese Mitarbeiter nicht mehr bei der BVG eingesetzt werden dürfen“, sagt Sprecherin Petra Nelken gegenüber dem KURIER. (BK)
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