Der von hier Kaum einem Star fühlen sich Fans so nah wie "Stumpi". Das liegt vor allem daran, dass er trotz seines Erfolgs sich und seiner Heimat treu geblieben ist. Jetzt wird er 65

Wolfgang Stumph

MARCUS BÖTTCHER
Lesezeit 5 Min

Entspannt und gut gelaunt lehnt sich Wolfgang Stumph in den Ledersessel. Die linke Hand hält einen Kaffee, die rechte dreht und wendet sein schwarzes iPhone. Das hat er immer im Blick. Denn Stumph ist eine Ich-AG. "Pressesprecher oder Manager brauche ich nicht. Ich mache alles selbst." Medienanfragen. Drehbuch-Vorschläge. TV-Termine. Stumph hält die Fäden selbst in der Hand. Kontrollwahn? Nein. Der gebürtige Wünschelburger plant sein Leben lieber selbst.Stress pur? Vielleicht. Sein brauner Teint jedenfalls verrät ihn nicht. Nur grauer sei er mit den Jahren geworden, gibt er zu.Wie viele es sind - darum macht Wolfgang Stumph nicht viel Aufhebens. 65 Jahre wird er am 31. Januar. Darüber reden? Mag er nicht. Denn: "Wir Schauspieler haben uns ja die Kindheit in die Tasche gesteckt", sagt er mit einer ausladenden Geste Richtung Sakko-Innenfutter.Eine Promi-Party, gar eine würdevolle TV-Gala zu seinen Ehren - lächelnd erteilte er Absage um Absage. "Es wäre mir peinlich, wegen so einer Zahl im Mittelpunkt zu stehen. Für mich ist das einfach nur ein Geburtstag."Stattdessen plante er lieber eine Familienreise. Mit Frau Christine (seit 1973 verheiratet), Tochter Stephanie (26), deren Musiker-Freund Alexander Rethwisch, Sohn Thomas samt Anhang und Enkel geht's in die Ferne. Weg, nur weg vom Trubel. Wohin, bleibt sein Geheimnis. Beruf und Privatleben trennt der Wort-Jongleur. Schon immer. Konsequent.Stumpi hat sich alte Werte erhalten. Er ist "Der von hier". Bodenständig. Heimatverbunden. Überhaupt, die Heimat - sein Dresden-Dölzschen, sein Sachsen.Haben Sie jemals daran gedacht, woanders zu leben?"Nein. Ich bin Sachse oder Dresdner, mit Leib und Seele. Die Sprache, die Kultur, die Mentalität, meine Freunde - ich brauche das."Kein Drang nach Veränderung? Kein Drang, Deutschland und die Welt zu erkunden?"Ich habe das große Glück, dass ich durch meine Arbeit viel von der Welt gesehen habe.Mexiko, Indien, viele Länder in Afrika."Es gibt sicher schlechtere Arbeitsplätze."Manchmal habe ich bei den Drehorten auch mit meinen Wünschen nachgeholfen."Sagt's und lacht. Aufrichtig, nicht künstlich. Authentisch sein ist ihm wichtig. Authentizität bringt Erfolg. Und wie. Rund sieben Millionen TV-Zuschauer sehen regelmäßig "Stubbe - Von Fall zu Fall" (nächste Folge am kommenden Sonnabend, 29. Januar, ZDF, 20.15 Uhr). Seit gut 15 Jahren. Das nächste Jubiläum. Stumph selbst hätte sich nicht träumen lassen, dass die Krimireihe so lange läuft.Bald aber ist Schluss. Weil Stumph es so will. "In drei Jahren wird Stubbe seine Dienstpistole abgeben, in den Ruhestand treten. Sportlich gesehen sind das noch neun Folgen und mit der 50. Folge ist Dienstschluss."Warum? Ganz einfach: "Es ist doch viel schöner, wenn jemand sagt: ,Schade, dass das nicht mehr im Fernsehen läuft' als ,Am Ende war das ja nichts mehr'."Überreden wird ihn das ZDF nicht können. "Ich habe auch gesagt, dass nach 50 Mal ,Salto Postale' Schluss ist. Und ich habe mit der 50. aufgehört. Ich habe auch gesagt: Zweimal ,Go Trabi Go' und mich nicht zu einem dritten Teil verführen lassen. So wird es auch mit Stubbe sein. Das Ende ist gesetzt."Der Kommissar tritt ab, Wolfgang Stumph nicht. "Ich habe noch eine Menge Kraft, möchte noch viel realisieren. Aber von der Bühne getragen werden möchte ich nicht."Realitätsnah. Nicht nach der irrealen Glitzerwelt voller Prunk und Diamanten streben. Selbst lukrative Werbe-Anfragen lehnt er in schöner Regelmäßigkeit ab. Er würde als Typ und mit seiner Moral nicht dahinterstehen. Die entgangenen Gelder tun ihm nicht weh, verdient hat er sicher genug. Stattdessen spendet er viel, zum Beispiel Unicef. Eigenschaften, mit denen sich seine Fans identifizieren können.Herr Stumph, sind Sie der Vorzeige-Ossi?"Natürlich habe ich anfangs in Ost-West meine Stoffe gesucht. Aber so langsam verschwinden die ,Der-ist-Ossi-der-ist-Wessi'-Klischees."Woran machen Sie das fest?"Ich trete in ganz Deutschland auf. Auch Stubbe würde nicht diesen Erfolg haben, wenn wir nur Zuschauer in den neuen Bundesländern hätten."Wo wären sie heute ohne Mauer-Fall?"Ich würde selbstverständlich immer noch in Dresden leben, immer noch auf der Kabarett-Bühne stehen."War das früher schwieriger?"Unter den damaligen DDR-Bedingungen musste man ja immer schauen, wie weit man gehen kann. Besucher haben manchmal gestaunt, wie weit wir gehen konnten."Witze (über Ossi-Kalauer kann Stumph übrigens nicht lachen), Schmunzler, Satire - das ist seine Welt. Auch mit (fast) 65 Jahren noch immer. Oder besser: Für immer. Witze für die Ewigkeit. "Aber nur, wenn sie mit einer guten Pointe enden".Sagt's, schmunzelt, lehnt sich zurück - und dreht sein iPhone.------------------------------KURIER WIKIVon Wünschelburg in die große, weite WeltWolfgang Stumph wurde am 31. Januar 1946 in Wünschelburg (Schlesien) geboren. Vor seiner staatlichen Schauspielausbildung in der DDR absolvierte er eine Lehre als Kesselbauer und ein Studium der Ingenieurpädagogik. Früh stand er jedoch auf der Bühne des Dresdner Kabaretts "Die Herkuleskeule". Mit ihm wurde dies bald zu einem der bekanntesten Ensembles der DDR. Ende der 1980er-Jahre gelang ihm der Sprung in die TV-Unterhaltung - mit komödiantischen Gastauftritten. Den großen Durchbruch feierte er 1991 mit "Go Trabi Go", seine Filme werden in ganz Europa ausgestrahlt. Heute lebt der zweifache Vater in Dresden-Dölzschen.------------------------------BU: Erinnerung an eine legendäre TV-Serie: In "Salto Postale" präsentierte Wolfgang Stumph als Wolle Stankoweit den ganz normalen Amtswahnsinn. Damit galt er als der bekannteste Postbeamte Deutschlands.BU: In der Tragikomödie "Bis zum Horizont und weiter" (1999) will Wolfgang Stumph seine große Liebe aus dem Knast freipressen.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema