Der tapfere Schneider kann wieder lachen: Das hätte sich Hassan Qadri noch vor kurzer Zeit nicht träumen lassen. „Wenn ich hier dicht mache, sind wir pleite. Was soll ich in meinem Alter noch machen?“, hatte der gebürtige Pakistani im KURIER-Gespräch gesagt. Da war gerade das Urteil des Berliner Landgerichts ergangen: Es sei rechtens, dass der Vermieter kündigt. Wenn der die Ladenräume sanieren und später die doppelte Miete verlangen wolle, könne er das tun.
Die Kleider von „Kamil Mode“ waren bei den Menschen im Kiez immer begehrt.
© Markus Wächter
Lebenswerk nach 17 Jahren bedroht
Für Hassan Qadri brach die Welt zusammen. In 17 Jahren harter Arbeit hatte der Einwanderer das Modegeschäft am Kottbusser Damm 9 aufgebaut. Es war sein Lebenswerk. Doch treue Kunden und eine tiefe Verwurzelung im Kiez zählen offenbar nichts, wenn der Vermieter plötzlich Euro-Zeichen in den Augen hat. 3000 statt bisher 1200 Euro will er nach der Sanierung für den 64-Quadratmeter-Laden in Kotti-Nähe haben. Hassan Qadri hätte niemals so viel Geld zahlen können. Und weil die Mieten inzwischen überall steigen, fand er bei der Suche nach einem neuen Geschäft auch keine anderen Räumlichkeiten. „Alles vergeblich“, sagte Qadri verzweifelt. Er werde die verbliebenen Jahre bis zur Rente wohl arbeitslos sein.
„Verdrängung stoppen!“ Protest-Plakate hängen vor dem Ladengeschäft am Kottbusser Damm.
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Doch so traurig wollte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Geschichte nicht enden lassen. Das Projekt „Unternehmen für den Kotti“ und Wirtschaftsstadtrat Andy Hehmke (SPD) mischten sich ein. Unter hohem Zeitdruck wurden Gespräche mit Vermietern von Gewerbeimmobilien geführt. Wer würde Hassan Qadri ein für ihn bezahlbares Ladengeschäft vermieten?
Neuen Vermieter in Neukölln für "Kamil Mode" gefunden
Die Kreuzberger Experten für Wirtschaftsförderung fanden schließlich einen bereitwilligen Vermieter im angrenzenden Neukölln – und zwar auf der Karl-Marx-Straße. Das passt ja bestens zum Kampf gegen Kapitalisten-Gier. Inzwischen ist der Mietvertrag unter Dach und Fach. Seit 1. Juli räumt Qadri sein neues Geschäft ein. In einer Bezirksmitteilung heißt es dazu: „Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und das Projektteam von ,Unternehmen für den Kotti’ gratulieren zum erfolgreichen Vertragsabschluss.“ Dieser harte Kampf hat sich gelohnt.
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