Der neue Supermarkt auf Rädern

Bringt's das?

Amazon liefert jetzt frische Lebensmittel. Billig ist das nicht.

Jochen Knoblach
Lesezeit 2 Min
Amazon liefert nun, wie hier in London, ab sofort in Berlin Lebensmittel.

Amazon liefert nun, wie hier in London, ab sofort in Berlin Lebensmittel.

© dpa

Das Ziel: Sich Berlinern als bequeme Alternative zum Schleppen und Schlangestehen empfehlen. Das Sortiment von „Amazon Fresh“ umfasst nach eigenen Angaben 85.000 Produkte und reicht von Wein bis zur Windel. Neben frischem Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, Milch- und Kühlprodukten sind ebenfalls rund 6000 Bio-Produkte zu bekommen – auch vegan, gluten- oder laktosefrei.

Kostenfrei ist der Dienst, natürlich, nicht. Im Gegenteil. Wer den Lieferdienst nutzen will, muss Amazon-Prime-Mitglied sein, wofür schon mal eine Jahresgebühr von 69 Euro fällig wird.

Amazon-Fresh-Depot in Reinickendorf: Rund 60 Mitarbeiter sind dort bereits beschäftigt.

Amazon-Fresh-Depot in Reinickendorf: Rund 60 Mitarbeiter sind dort bereits beschäftigt.

© dpa

Für eine weitere Monats(!)gebühr von 9,99 Euro werden dann Bestellungen von mindestens 40 Euro in unbegrenzter Zahl gratis geliefert. Wer mit seiner Bestellung jedoch unter der 40-Euro-Marke bliebt, zahlt pro Lieferung 5,99 Euro. Achtung: Die Monatsgebühr zahlt er dennoch.

Geliefert wird täglich außer sonntags innerhalb eines gewählten Zwei-Stunden-Zeitfensters. Wird bis zum Mittag bestellt, kommt die Lieferung nach am selben Tag ab 16 Uhr. So jedenfalls verspricht es Amazon. Soll am Morgen um acht Uhr geliefert werden, muss die Bestellung am Vortag spätestens 23 Uhr vorliegen.

Die Lieferung selbst übernimmt die Post-Tochter DHL, die nicht nur Amazons-Paketpartner ist, sondern mit AllyouneedFresh in Berlin auch selbst einen Lebensmittellieferdienst betreibt.

Wenngleich Amazon Fresh nun ausschließlich in Berlin und Potsdam angeboten wird und auch das nicht einmal in allen Stadtteilen, so sieht Florian Baumgartner, Chef der jungen Amazon-Division in Deutschland, den Dienst keinesfalls als Test. „Wir starten mit einem umfangreichen Sortiment in einem begrenzten Gebiet und werden uns die Zeit nehmen, den Service kontinuierlich zu verbessern“, sagt der 39-Jährige.

Da man nicht als Plattmacher des lokalen Einzelhandels verstanden werden will, kooperiert der Internet-Händler mit mehr als 25 ausgesuchten Berliner Läden und Marken wie „Sagers Kaffeerösterei“, „Zeit für Brot“ oder „Lindner Esskultur“.

Auch die Tempelhofer Rausch-Schokoladenmanufaktur ist dabei – die hatte erst 2015 mit den Supermarkt- und Kaufhausketten gebrochen, weil das exquisite Naschwerk in den Regalen unter Wert präsentiert worden sei. Firmenchef Robert Rausch ist nun zufrieden. „Bei Amazon Fresh können wir unsere Schokolade genauso angemessen präsentieren, wie sie es verdient“, sagt er. JK

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema