Der neue Lederhosen-ICE ist da

Von Berlin nach München in vier Stunden

KURIER war bei der Jungfernfahrt dabei und staunte im Eiltempo.

Peter Neumann
Lesezeit 3 Min
In 177 Tagen geht der Lederhosen-ICE von Berlin nach München auf große Fahrt – mehrmals am Tag.

In 177 Tagen geht der Lederhosen-ICE von Berlin nach München auf große Fahrt – mehrmals am Tag.

© dpa

Zugegeben: Es gibt Bahnreisen, die spektakulärer sind. Zu Beginn ziehen die Schallschutzwände von Erfurt am Fenster entlang, eine halbe Stunde später die weißblaue Anti-Lärm-Barriere bei Ebensfeld in Franken. Dazwischen sieht man Wälder, Autobahnen, eingleisige Bahnlinien. 22 Mal knackt es im Ohr – so viele Tunnel durchfährt der ICE. Ansonsten: wenig Erwähnenswertes.

Bis zu 15 weitere Züge pro Tag und Richtung kommen hinzu

Doch Richard Lutz, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn (DB), befuhr die Strecke am Freitag in bester Stimmung. „Ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd“, sagte er. Und das hat seinen Grund. Die Eröffnung der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Thüringer Wald kurz vor Weihnachten ist eine wichtige Etappe beim Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) 8, dem Aus- und Neubau der Bahnverbindung Berlin-Nürnberg. „Der Countdown läuft“, sagte Lutz. Vom 10. Dezember an verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Berlin und München um mehr als zwei Stunden. Mit dem Sprinter, der unterwegs nur in Halle (Saale), Erfurt und Nürnberg hält, dauert die Reise drei Stunden und 55 München.

Mit den Zügen vom Typ ICE3 schöpft die Bahn die Möglichkeiten der Neubaustrecke aus. „Sie können dort bis zu 300 Kilometer in der Stunde fahren“, sagte Lutz. Bis zu 15 weitere Züge pro Tag und Richtung kommen hinzu – ICE-T, die die Strecke Berlin-München in vier Stunden und 15 Minuten oder in vier Stunden und 25 Minuten schaffen. Berlin-Nürnberg dauert mit dem Sprinter zwei Stunden und 50 Minuten, Berlin-Bamberg mit dem regulären ICE zwei Stunden und 45 Minuten. Heute hat die Bahn zwischen Berlin und München mit 15 bis 20 Prozent den kleinsten Marktanteil. Die neue Schnellstrecke soll das ändern. „Gegenüber dem Pkw sind wir unschlagbar“, sagt Lutz.

Am Projekt gab es auch Kritik

Drei Milliarden Euro kostet die Neubaustrecke. Die Gleise verlaufen nicht nur durch viele Tunnel, die insgesamt 41 Kilometer lang sind, sondern auch über 29 Brücken. Für Notfälle wurden 60 Rettungsplätze gebaut, zudem entstanden 11,5 Kilometer Rettungsstollen. Nicht zu vergessen: das raue Klima im Thüringer Wald. „Dies ist die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke in Europa in mehr als 600 Meter Höhe“, sagt Projektleiter Olaf Drescher.

Am Projekt gab es auch Kritik. Denn das VDE 8 wird am Ende zehn Milliarden kosten, Kosten für den Umbau der Hauptbahnhöfe Halle und Erfurt kommen dazu. Das sei viel Geld für eine schwach genutzte Strecke, bemängelte Michael Cramer (Grüne). Dieses Geld hätte der Bund besser in Regionalstrecken investiert.

Ab Ende Juli wird mit Probefahrten der Betrieb simuliert. Sonnabends gibt es Rettungsübungen, insgesamt zehn werden es am Ende sein. „Aber so richtig ruhig schlafen werden ich erst, wenn Ende November alles geputzt ist“, so Drescher. Für den 8. Dezember sind die Eröffnungsfeiern geplant – mit der Chefin oder dem Chef der Bundesregierung, je nachdem.

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