Für Meister Lampe stehen harte Zeiten an, vermelden dieser Tage Wetterdienste. Der pelzige Freund müsse sich warm anziehen und seine Eier mancherorts im Schnee verstecken. Doch einen Lichtblick gebe es für den tapsigen Eier-Kurier: Vielleicht erhascht er heute ein paar Sonnenstrahlen. Das wäre ihm natürlich zu wünschen.
Immerhin ist der Hase an diesem Ostersonntag im Vollstress, es ist sein alljährlicher Hauptkampftag. Ein harter Job für dieses zarte Wesen, das seit Jahrhunderten unsere Fantasie bereichert und beflügelt. Dieser Hasenfuß, der sich einmal im Jahr verausgabt, oft zu spät angehoppelt kommt, tollpatschig den Weg nicht findet, sich am besten noch gänzlich verirrt oder Geschenke falsch ausliefert. Der aber dennoch so süß, so kuschelig und putzig ist.
Kinder wachsen mit der „Kleinen Häschenschule“ auf. Sie schreiben ihm genauso wie dem Weihnachtsmann ernsthafte Briefe. Es gibt zahlreiche Filme über ihn, Bücher sowieso. Erich Kästner widmete sich dem legendären Tier mit den langen Ohren, schimpfte auf seinen strengen Lehrer, der ihm allzu früh und jäh den märchenhaften, spielerischen Osterhasen-Glauben geraubt und ihm damit „die ganze Kindheit hinterrücks erschossen“ habe.
Ja, wir brauchen sie, die Mythen und Illusionen dieser Welt. Und natürlich boomt dank seiner das Ostergeschäft. Mit 213 Millionen Schoko-Osterhasen rechnet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) in diesem Jahr. Ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zum Vergleich: Nikoläuse und Weihnachtsmänner aus Schokolade erreichten zuletzt eine Stückzahl von 196 Millionen. Und: Schokohasen sind inzwischen ein Exportschlager. Rund 86 Millionen der in Deutschland produzierten Hasen (40 Prozent) werden ins Ausland verkauft, vor allem in die europäischen Nachbarländer, aber auch in die USA, nach Osteuropa und nach Australien.
Ein süßer Wettstreit um einen Hasen, der seit 120 Jahren offizieller und einziger Geschenke-Auslieferer in diesen Tagen ist. Ein Monopolist sozusagen. Dennoch fragt man sich: Wie ist Ostern eigentlich auf den Hasen gekommen? Eier legen kann er nicht, sie bemalen erst recht nicht.
„Als Kind habe ich mal am Osterhasen gezweifelt. Da ging meine Oma mit mir in den Wald und der Osterhase hatte da wirklich Eier versteckt“, sagt Til Schweiger.
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TV-„Tatortreiniger“ Bjarne Mädel (47) machte das Suchen als Kind so viel Spaß, dass Oma immer noch mal Eier verstecken musste. Klein-Bjarnes Dank: Auch Oma durfte suchen. „Wir haben Süßes so geheim versteckt, dass wir nur die Hälfte fanden.“
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"Meine Mutter hat so viel versteckt, dass sie es selber nicht mehr fand – bis später vergammelte Ostereier ans Tageslicht kamen oder der Hund Verstecktes auskotzte", erinnert sich Sophia Tamalla.
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„Wir fahren zu Ostern extra nach Italien – schwer für die Kinder, da Verstecktes zu finden“, sagt Schauspieler Christian Kahrmann.
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Schauspieler Sven Martinek: In Magdeburg, wo ich aufgewachsen bin, hatten wir eine Riesen-Standuhr – da hat Oma immer Süßes versteckt.“
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Erwähnt wird der Hase schon 1682. Da kam er allerdings nicht ganz so rühmlich davon. Damals stellte ein Mediziner fest, dass „in Oberdeutschland, in unserer Pfalzgrafschaft, im Elsass und in benachbarten Gemeinden sowie in Westfalen (...) der Osterhase solche Eier lege und in den Gärten im Grase verstecke, damit sie von den Knaben umso eifriger gesucht würden, zum Lachen und zur Freude der Älteren“.
Allerdings kritisierte besagter Mediziner den übermäßigen Verzehr von Ostereiern, der angeblich gesundheitliche Schäden verursachen würde. Trotzdem blieb der Hase im Geschäft, wenn auch nicht konkurrenzlos. In vielen Regionen waren andere Tiere Eier-Lieferanten.
Es gab den Kuckuck und Schmetterling in Teilen der Schweiz, den böhmischen Hahn, den Storch in Thüringen; in Westfalen, Niedersachsen und Bayern kam der Fuchs und in Tirol die Osterhenne. In Australien ist es seit den 1970er Jahren neben dem Hasen der Bilby (Kaninchennasenbeutler).
Tiere, die mit dem Frühling, Sinnbild für die Wiedergeburt nach dem harten Winter, identifiziert werden. Das Rennen machte aber, wie gesagt, irgendwann in Deutschland Meister Lampe. Ab dem 19. Jahrhundert setzte sich eindeutig der Osterhase als unumstrittenes österliches Symboltier durch. Und selbst in katholischen Regionen begannen die Familien mit der Eiersuche. Der Feldhase galt fortan als Spezialist fürs Eierfärben- und verstecken.
In der Regel zwischen 25 und 70 Zentimeter groß, bis zu sieben Kilo wiegend, Möhren und sonstiges Grünzeug knabbernd und mit längeren Hinter- als Vorderbeinen ausgestattet. Doch warum gerade er – da gibt es mehrere Theorien und Erklärungsversuche.
Die Liebes-Theorie: Der Hase ist ein liebestoller Gesell. Er ist fruchtbar, vermehrt sich unentwegt und kehrt damit ewig wieder. Seine Ernennung zum alleinigen Eierlieferanten geht daher sicherlich auch auf seine Fruchtbarkeit und sein Paarungsverhalten in der vorösterlichen Zeit zurück. Häsinnen können zeitgleich mit verschieden entwickelten Föten trächtig sein und in einem Wurf fünf Junge zur Welt bringen.
Die Instinkt-Theorie: Sie spitzen sofort die Löffel, wenn sich unheimliche Situationen zusammenbrauen. Feldhasen verharren still in einer Mulde, bis sie bei Gefahr in letzter Minute davonhoppeln. Die Stelle, auf der die Hasen gelegen haben, sind als Platz der Eierablage interpretiert worden.
Die Hunger-Theorie: Kaum ist Frühling wandern die sonst scheuen Hasen zur Nahrungssuche in Dörfer und Bauerngärten. Und was machen sie da? Natürlich Eier verstecken, lautet eine weitere These. Die Gottes-Theorie: Das Dreihasenbild, das seit dem 18. Jahrhundert ein beliebtes Motiv zum Bemalen von Ostereiern war.
Abgebildet sind drei Hasen mit insgesamt nur drei Ohren. Das Dreihasenbild stand lange Zeit für die göttliche Trinität. Und wer so dargestellt wird, bringt eben auch die Eier. So ist das eben mit der Fantasie.
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