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An seiner Hose wischt sich Dennis Kathke die schwarzen Hände ab – ohne Erfolg. Das Gesicht rußverschmiert, darüber eine speckige Lokführermütze, packt er eine schwere Sackkarre und bugsiert damit eine rundum erneuerte Strahlpumpe zu einer der Dampfloks im historischen Lokschuppen von Wittenberge (Prignitz). Dabei erzählt der „Schlosser ehrenhalber“: Eigentlich sei er Architekt, 42 Jahre alt und Vater zweier Kinder. Doch seine Freizeit verbringe er oft mit den hochbetagten Dampflokomotiven auf dem ausgedehnten, von der Bahn vor 20 Jahren ausrangierten Gleisgelände der Prignitzstadt.
Auf den Schienen, die heute Museum sind, lebt Kathke seinen Kindheitstraum. Mit ihm schrauben und polieren wohl ein Dutzend Freaks des Museumsvereins an den „alten schwarzen Ladys“. So nennt die Vereinsvorsitzende Doris Müller die glänzend lackierten Loks. Die heute 63-jährige Versicherungskauffrau gründete mit ihrem Mann Klaus-Peter Müller 1994 in Salzwedel (Sachsen-Anhalt) den Dampflokfreunde e.V., nachdem sie einen Oldtimer von 1939 übernommen hatte. Auch die anderen rund 80 Jahre alten Dampfloks hätten private Besitzer, würden vom Verein aber gepflegt und genutzt.
Eine Dampflok zu unterhalten, das sei ein ziemlich teures wie auch riskantes Hobby, weiß Müller. Das gehe gemeinschaftlich besser. Die Arbeit an der ausgeklügelten schweren Technik sei kein Kinderkram, sagt Karsten Lanzke, Gründungsmitglied des Lokvereins. „So ein Dampfkessel ist kein Spielzeug!“ Der Mecklenburger verdient hauptberuflich als Lebensmittelkontrolleur seine Brötchen, nebenher absolvierte er für sein Ehrenamt im Lokschuppen eine Ausbildung zum Kesselwärter. So sei er in der Lage, das Herz einer Dampflokomotive zu reparieren und anzuheizen, meint er stolz.
Vereins mitglieder sausen auf einer Draisine aus über die Gleise.
© dpa
Auch viel Platz braucht so ein gewaltiger Technikpark. Als die Kapazitäten in Salzwedel für die Giganten der Schienen nicht mehr ausreichten, zog der Verein 2012 samt seinem kompletten rollenden Material nach Wittenberge auf das denkmalgeschützte Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes um, das ab Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet worden war. Es dauerte Monate, bis alle Fahrzeuge über Straßen und Gleise an den neuen Standort geschafft waren, wie sich Vereinschefin Müller erinnert.
2010 hatte die Elbe-Stadt Wittenberge das von 1997 an ungenutzte, von Büschen und Bäumen inzwischen zugewucherte Areal erworben. Knapp drei Millionen Euro, darunter Fördermittel von Bund, Land und EU, flossen in die Urbarmachung des alten Bahnbetriebswerkes. Etwa 2,5 Kilometer Gleise wurden saniert, dazu zwei historische Wassertürme und einer von ursprünglich drei Lokschuppen. Der halbrunde Backsteinbau, errichtet um 1894 bis 1896 als Ringschuppen, verfügt über 16 Lokstände und eine voll funktionstüchtige Drehscheibe.
Der Clou aber sind die Schienenfahrzeuge selbst, die von einigen der rund 70 Vereinsmitglieder in unzähligen Stunden an Feierabenden und Wochenenden liebevoll gewartet werden. Mit gleich fünf Dampfloks der Baureihe 50, erbaut zwischen 1939 und 1942 in Deutschland, habe das Museum ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Kathke vom Vereinsvorstand. Zwei von diesen klassisch schwarz und rot lackierten Dampfrössern, darunter die „Gründerlok“ des Vereins anno 1939 sowie eine Lok von 1942, seien wieder betriebsfähig.
Auch ein Hingucker: Diese kleine grüne Diesellokomotive vor der Drehscheibe des Eisenbahnmuseums.
© dpa
Hinzu komme die nicht mehr fahrtüchtige Dampflokomotive „44 594“ von 1941, eine schwere Güterzuglok, die ausgerüstet mit drei Zylindern einst mehr als 2000 PS auf die Schiene brachte. Sie kam aus dem 1994 abgebrannten Eisenbahnmuseum Hamburg-Wilhelmsburg über Umwege 2001 zu den Dampflokfreunden Salzwedel, die den stark beschädigten Schienen-Riesen zumindest äußerlich wiederherrichteten.
Funktionsfähig ist die älteste der dampfenden Ladys von Wittenberge, „Emma“ von 1925. Die in Hannover gebaute schwarz-grün-rote Industrielok zog bis Ende der 1960er-Jahre Güterwagen, hatte dann mehrere Besitzer und landete endlich im Museum. Die alte „Emma“ sei relativ klein und leicht gebaut und gut über Straßen zu transportieren, sagt Kathke. Daher könne sie bei Veranstaltungen eingesetzt werden. Den nächsten Auftritt außerhalb Wittenberges soll die Lok auf der weltgrößten Eisenbahnmesse „Innotrans“ im September in Berlin haben. Doch nicht nur Dampfloks haben es den Lokfreunden angetan. Zum bundesweit einzigartigen Eisenbahnmuseum gehören Wagen und Draisinen ebenso wie sieben Diesellokomotiven, die zwischen 1959 und 1977 gebaut wurden, und von denen die zwei ältesten noch funktionieren. Auch sechs Kleindieselloks aus den Baujahren 1934 bis 1976 gehören zum Museumsbestand sowie eine Elektrolokomotive.
Die 1942 gebaute E-Lok wurde nach dem Krieg im Rahmen der Reparationsleistungen in die Sowjetunion gebracht, konnte aber auf den russischen Breitspurgleisen gar nicht fahren. 1952 kam sie völlig desolat zurück und wurde nach dreijähriger Generalreparatur bis 1991 bei der Deutschen Reichsbahn (DR) der DDR eingesetzt.
Vereinsmitglied Karsten Lanzke arbeitet im Lokschuppen im Führerstand der Dampflok der 50er-Reihe.
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Altes Eisen wieder flott gemacht.
Solche Dampfloks sind der Renner .
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