Der KURIER-Reporter Mike Wilms machte den Test: Wie international sind unsere Berliner Droschkenkutscher?

Hello Taxi, do you speak English?

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min

Berlin - Die Taxi-Fahrer der Hauptstadt kämpfen mit einem echten Problem: Ihr Ruf ist ziemlich im Eimer! Immer wieder hört man: Viele Fahrer können mit Touristen kaum ein Wort Englisch sprechen, behandeln sie aber mit ausgesuchter Pampigkeit. Manche zocken Reisende sogar mit ein paar Extra-Runden durch die City ab. Sind Berlins Taxi-Piloten wirklich so Englisch-faul und touristenfeindlich? KURIER machte den Test!Mit einem Berlin-Reiseführer ausgestattet, spielten Reporter Mike Wilms und Fotograf Sven Lambert britische Touristen. Ihr Auftrag: Mit dem Taxi ab Hauptbahnhof die üblichen Sehenswürdigkeiten abklappern - und nur Englisch reden! Wie würde es ihnen ergehen?Potsdamer Platz, please!"Oooh, ok", sagt Taxifahrer Frank Lorenz (39) knapp. Wir wollen sehen, ob er einen Fantasie-Preis verlangt. Aber Lorenz sagt: "Six to seven Euros", sechs bis sieben Euro. Dann schaltet er vorschriftsgemäß den Taxameter ein, fährt auch den kürzesten Weg. Wir zahlen 7,20 Euro. Alles korrekt, nur ein Begrüßungs-Plausch "in English" war offenbar "too difficult" (zu schwierig).Take the Winke-Taxi! Als Briten verstehen wir den deutschen Redeschwall von Sükrü Özsoy (50) natürlich nicht. Er sagt: "Sie sind am Taxistand, sollten aber ein Winke-Taxi nehmen. Das kostet nur vier Euro zum Checkpoint Charlie." Der erste Eindruck: Ihm ist die Strecke zu popelig. Will er uns nicht befördern? Wir steigen trotzdem ein. Özsoy fährt für 5,80 Euro. Am Ziel fragt er: "Ok here?"Good English! Nicht nur nett, sondern in flüssigem Englisch verläuft das Gespräch mit Deniz K. (45). Er weiß, dass mit "Brandenburg Gate" das Brandenburger Tor gemeint ist. Er fragt, ob wir die 7 Euro (mit Trinkgeld) in Münzen zahlen können. Auch ein "receipt" (Quittung) ist drin!From Reichstag to Hauptbahnhof: Als fleißiger Englisch-Lerner erweist sich Michael Wille (57), der uns für 5,40 Euro zum Bahnhof zurückbringt. Wir fragen nach seinen guten Sprach-Kenntnissen, geben uns als Tester zu erkennen. Wille: "Für den Job hab ich Vokabeln gebüffelt!" Eine Stadtrundfahrt traue er sich zwar nicht zu. Aber: "Über Preis und Ziel rede ich auch auf Italienisch."Test-Fazit: Einige Englisch-Mängel gab es wirklich zu beklagen. Wir kamen aber immer ans Ziel. Grobe Unfreundlichkeit und Abzocke haben wir nicht erlebt.------------------------------BU: Taxifahrer Michael Wille (57) aus Reinickendorf beantwortet Fragen nach Fahrtdauer und Preis in gutem Englisch. Der gelernte Industrie-Kaufmann spricht auch Italienisch, kommt gut mit Touris zurecht.BU: Die englische Begrüßung von Droschken-Kutscher Frank Lorenz (39) fällt recht wortkarg aus. Er behandelt Reporter Mike Wilms aber fair: Trotz vieler Chancen fährt er keine Umwege zum Potsdamer Platz.

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