Und wenn man inmitten von losen Steinen, Schubkarren und Sand auf dem neuen Dorfplatz des Areals in Friedrichshain steht, dann ist der Holzmarkt auch im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht fertig. Viel ist noch zu tun bis zum 1. Mai, wenn die Eröffnung ansteht.
Künstlerische Fassade, viel dahinter: In der zehn Meter hohen Halle proben Artisten.
© Carolin Saage
Es ist etwas Neues entstanden auf dem Holzmarkt. Auf diese Formulierung kann sich auch Juval Dieziger einlassen. Der 42-Jährige steht auf dem Dach des Restaurants Katerschmaus, das Anfang März aus dem S-Bahn-Viadukt ans Wasser gezogen ist. Über die Gaststätte schlängelt sich demnächst ein neuer Uferwanderweg wie ein grünes Band über einen Hügel.
Noch verlegen Bauarbeiter Platten, schweißen Teile aneinander. Aber ab 1. Mai, davon kündet ein Plakat an der Holzmarktstraße, sollen Besucher durch das Dorf schlendern, im Biergarten zusammensitzen oder Einkäufe in den Geschäften machen.
Dieziger zeigt nach links, nach rechts, erklärt das Neue und das Alte auf diesem Gelände, dessen Geschichte seit 13 Jahren auch seine eigene ist. Hier, wo er mit Freunden 2004 die Bar 25 eröffnete und sie zum Mythos werden sah, wo das Team gegen die Uferbebauung kämpfte und mit dem Club 2010 ausziehen musste, wo sich die Gruppe das Areal in einem Bieterverfahren zwei Jahre später zurückeroberte, hier ist ein weiterer Meilenstein entstanden.
Gemeint ist der mittlere Teil des rund 18.000 Quadratmeter großen Geländes. Zwischen dem Club Kater Blau und der Pampa, einer Mischung aus Stadtgarten und Theater, sind mehrere Drei- und Viergeschosser gewachsen, die einen Platz umrunden. Die Gebäude sind kleinteilig, so als hätte man Bauklötze aufeinandergestapelt.
Knallbunt und für die ganz Kleinen: Die Kita auf dem Holzmarkt.
© Carolin Saage
Hier zeigen ab 1. Mai Künstler ihre Werke, Kinder toben in einer Kita, die mit bunten Tieren bemalt ist. In Studios proben Musiker und in einer geräumigen Halle üben Artisten ihre Shows. Die sind auch für Publikum zu sehen, gleich nebenan im Veranstaltungshaus Säälchen.
Im Erdgeschoss verkauft ein Weinladen seine Tropfen, Duft wird aus einer Patisserie und einer Kaffeerösterei über den Marktplatz ziehen. Dort sollen zweimal pro Woche Obst- und Gemüsestände stehen. Im angrenzenden Biergarten sitzen Besucher vor einer Blockhütte aus Holz, die vor über hundert Jahren in Polen stand und aus Originalteilen wieder zusammengesetzt wurde.
Plausch in schönster Berlin-Kulisse auf der Terrasse im Katerschmaus.
© Markus Wächter
„Auf großen Flächen findet nichts statt, auf kleineren Flächen hat man mehr Austausch“, sagt Juval Dieziger. Ein Quartier für eine Familie aus Kreativen, offen für Besucher und ihren Input, das ist seine Vision. Doch andererseits müssen sich Restaurantgäste die Hauptgerichte für um die 30 Euro und die Bio-Brötchen auch leisten können.
Kritiker monieren, der Holzmarkt sei ein Abenteuerspielplatz nur für zahlungskräftige Berliner. „Nachhaltig produzierte Lebensmittel kosten ihr Geld“, hält Dieziger ihnen entgegen. „Da muss sich der Staat eher fragen, warum der Hartz-4-Empfänger sich das nicht leisten kann. Eine Systemfrage.“
Der Holzmarkt finanziert sich über eine Genossenschaft, der 140 Investoren angehören. „Wir haben kein Gewinninteresse“, betont Dieziger. Sie wollen gestalten, ihr Viertel auf ihre Weise aufwerten, nicht im Sinne von Luxuswohnungen und Büros.
Noch wird gewerkelt, am 1. Mai muss alles fertig sein im Holzmarkt-Dorf.
© Markus Wächter
Am Ende sind sie damit nach der Eröffnung noch nicht. Dort, wo heute die Pampa liegt, soll ein Gasthaus entstehen. Das wollen Juval Dieziger und sein Team selbst designen. „Wenn ich schätzen muss: Vielleicht könnte es 2020 fertig sein.“ Auch die Pläne für das Eckwerk nördlich der Bahntrasse, eine Mischung aus Gründerzentrum und Studentenwohnheim, konkretisieren sich.
Aktuell befinde man sich in Gesprächen mit dem Bezirk, so die Macher. Sind alle Punkte wie Lärmschutz und Nutzungskonzept geklärt, könne möglicherweise noch in diesem Jahr mit den Bauvorbereitungen begonnen werden. Fertig ist der Holzmarkt also noch lange nicht – weder im übertragenen noch im herkömmlichen Sinn. (sil.)
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