Der hilflose Westen hat keine Lösung für Äpypten

Friedrich Nowottny
Lesezeit 2 Min

Ratlos, hilflos, sprachlos - so starrte "der Westen" auf die Revolution in Ägypten. Hatte man Hemmungen, einen Potentaten zu kritisieren, den man eben noch zu rühmen wusste? Galt er nicht als weise, umsichtig, verlässlich? Ein Staatsmann eben.Was in Ägypten vor sich ging, das spielte keine Rolle. Mubarak genoss seine Rolle als Faktor der Weltpolitik, wie andere arabische Diktatoren sie auch genießen. Wenn sie nur ihre Ölquellen sprudeln lassen, dürfen sie in ihren Ländern mit autoritärer Gewalt regieren. Auch wenn sie bei der Abwehr von Flüchtlingsströmen aus Afrika behilflich sind, drückt Europa beide Augen zu. Wer gegenüber Israel eine gemäßigte Rolle spielt, darf sich eine ganze Menge erlauben.Menschenwürde, Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit reklamiert man gern woanders: In China unentwegt, in Russland routiniert. Mit Recht übrigens. Pflichtübungen sind das, die nichts an den guten Handelsbeziehungen ändern. Dreißig Jahre herrschte Mubarak über sein Land. Sein Sohn war als Nachfolger vorgesehen. Ordnung muss eben sein. Drei Jahrzehnte haben sich er und seine Anhänger die Taschen gefüllt, die Verarmung des Volkes, die Hoffnungslosigkeit der Jugend hingenommen. Sie haben eine ganze Menge zu verlieren.Der Westen hat keine Lösung anzubieten. Offenbar setzt man auf das Militär. Die leben auch mit Staatsprivilegien und mit Milliarden Dollar aus dem Westen. Und sie werden mit Waffen versorgt, die Deutschland ihnen gern verkauft hat. Ist das Politik mit doppeltem Boden? Nein. Das ist "Realpolitik ..."

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema