Das Interview führte André Bellert
KURIER: Herr Dardai, die Stimmung ist gerade sehr gut im Team. Woher kommt das?
Pal Dardai: Letztes Jahr war eine sehr schwierige Saison. So etwas schweißt zusammen. Ich habe in der Vorbereitung gemerkt, dass sie wollen, sie sind mit dem letzten Jahr nicht zufrieden. Sie wollen eine bessere Mannschaft sein. Wenn Du aus vier Spielen sieben Punkte holst und dich ich im Pokal so spielbestimmend präsentierst – nicht so wie früher –, dann hast du auch den Glauben. Aber wir dürfen nicht zufrieden sein. Ich hoffe, dass wir das aus dem letzten Jahr gelernt haben.
Die Ergebnisse sind wichtig für das Gefühl, aber Sie machen ja auch immer wieder kleine Kniffe wie Frühstücken gehen oder ein Ausflug?
Das ist wie in einer Ehe (lacht). Ab und zu gehst Du mit Blumen nach Hause, ab und zu mit einem Sekt oder sagst: Wir gehen essen. Man kann nicht immer das Gleiche machen, man muss die Stimmung hochhalten. Ich möchte, dass wir durchziehen. Das wir diesen Willen, unbedingt Punkte zu holen und gut Fußball zu spielen, behalten.
Ist Neuzugang Vedad Ibisevic der Typ Kämpfer, den Sie noch brauchten im Team?
Mit ihm haben wir auf jeden Fall noch eine starke Persönlichkeit. Er ist für den Gegner unangenehm und schwierig. Er ist kein Typ, der den Ellenbogen rausholt, aber er kämpft, arbeitet und benutzt seinen Körper. Er ist da ein Vorbild. Wir werden noch Freude an ihm haben.
Auf der nächsten Seite: Wer wird der nächste Nationalspieler und was ändert sich durch Neuzugang Ibisevic?
Wie viele neue Möglichkeiten haben Sie durch Ibisevic?
Wir sind variabler. In einem Heimspiel können Ibisevic und Salomon Kalou zusammen stürmen. Auswärts hängt das vom Gegner ab.
Wie haben Sie mit Kalou über die Verpflichtung von Ibisevic gesprochen?
Gar nicht. Das sind Profis. Bei uns ist die Stimmung in der Kabine gut, viel besser als letztes Jahr. Kommt ein Neuer, dann nehmen sie den sofort auf. Salomon genauso. Im Training erklärt er Ibisevic sogar Übungen auf Französisch.
Jeder Spieler ist anders. Wie gehen Sie auf die verschiedenen Charaktere ein?
Ich führe die Gespräche immer vor der Mannschaft und versuche in diesem Moment nicht Trainer zu sein, sondern auch so etwas wie ein Führungsspieler. Ich bin noch jung, sowieso noch halb Trainer und halb Spieler. Das ist ein Riesenvorteil. Denn ich weiß, wie sie ticken.
Keine Einzelgespräche?
Wenn es zu einem Vieraugengespräch kommt, dann stimmt etwas nicht. Dann gibt es ein Problem.
Wer von Ihren Profis wird der nächste Nationalspieler?
Marvin Plattenhardt, wenn er sich weiter verbessert, auch Niklas Stark. Er hat ein Riesenpotenzial, wenn er alles rausholt, was in ihm steckt. Außerdem haben wir in den unteren Teams der Akademie noch einige Toptalente.
Auf der nächsten Seite: Dardai über die aufstrebenden Talente und die Schwierigkeiten für Cigerci.
Apropos Talente – Körber, Mittelstädt, Kohls, Kauter – wie weit sind sie?
Kohls hatte Pech: gute Vorbereitung, dann Verletzung. Mittelstädt hatte von mir eine Pause gekriegt, ich will ihn nicht zu sehr belasten. Kauter [Innenband/die Redaktion] würde in Wolfsburg von Anfang an spielen, falls Weiser nicht kann. Leider ist er verletzt.
Wie weit ist Alex Baumjohann?
Er macht einen sehr guten Eindruck, aber trotzdem bin ich vorsichtig mit ihm. Irgendwann kommt die Zeit, dass er von Beginn an spielt. Ich will ihn nicht zu früh belasten. Lieber abwarten, dann haben wir alle mehr von diesem Ausnahmespieler.
Tolga Cigerci steht vor seinem Comeback. Er ist ein Hoffnungsträger für viele, aber Sie haben ihn fast noch gar nicht gesehen (zwei Einsätze von insgesamt 77 Minuten). Er war immer verletzt.
Das stimmt. Ich habe ihn noch nicht richtig im Wettkampf kennengelernt. Ich hoffe, es kommt bald die Zeit, dass ich ihn bringen kann. Dann wünsche ich mir, dass ich den Tolga sehe, den ich von der Tribüne aus beobachtet habe. Die Situation ist schwierig für ihn. Es hieß immer, Tolga ist der beste Spieler. Aber unser Team funktioniert. Er muss jetzt erstmal langsam wieder ran geführt werden.
Wie gerne würden Sie mal aus dem Vollen schöpfen können?
(lacht). Das ist Fußball. So was gibt es leider nicht. Aber ich werde mich nie beschweren. Elf Spieler habe ich immer und die werden stets Gas geben. Wir werden, egal was ist, immer auf Sieg spielen.
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