Mit stern TV hat sie Orte ihrer Kindheit besucht, am Mittoch um 22.15 Uhr ist sie in der Sendung.
Ein Gang durch das Brandenburger Tor. Der Wind fährt durch die zu früh ergrauten Haare. Debbie Milke trägt einen schwarz-weiß-gestreiften Pulli mit passender Pünktchen-Sonnenbrille dazu.
Sie war 19 Jahre alt, als sie zum letzten Mal dort stand. Damals gab es die Mauer noch und sie fragte sich, wie es wohl auf der anderen Seite aussähe.
Jetzt stand sie auf dieser anderen, der Ostberliner Seite – das sei erstaunlich und aufregend. Genau so, wie es aufregend sei, dass sie sich auf der anderen Seite des Gefängnis-Stacheldrahts befinde.
„Ich denke nicht über die gestohlenen Jahre nach. Ich hadere nicht damit. Deshalb akzeptiere ich einfach, was ich jetzt habe. Jeder einzelne Tag in meinem Leben ist ein Geschenk.“
Die ersten vier oder fünf Tage in Berlin hat sie nur geweint. „Es ist schön und traurig zugleich. Schön, weil ich mit meiner Familie zusammen bin, traurig, weil meine Mutter nicht mehr hier ist.“
Ihre Mutter Renate Janka hatte mehr als zwei Jahrzehnte für die Freilassung ihrer Tochter gekämpft. Doch Debra in Deutschland in die Arme zu schließen, blieb ihr verwehrt. Im Herbst 2014 erlag sie ihrer schweren Krebserkrankung.
Debbie Milke schaut nach vorn: „Ich bin hier geboren, ich war für lange Zeit weg, und jetzt bin ich wieder hier“, so die 51-Jährige.
Mit ihrer Zeit im Todestrakt will sich Milke nicht mehr beschäftigen, das überlasse sie nun ihren Anwälten. Alle persönlichen Akten und Unterlagen zu ihrem Fall habe sie vernichtet.
„Ich habe einfach jedes Stück Papier in den Schredder getan. Es hat sich so gut angefühlt. Es war wie eine Therapie.“
22 Jahre saß Debra Milke im Todestrakt, bis das Urteil 2013 aufgehoben wurde. 1990 war sie zum Tode verurteilt worden. Angeblich habe sie zwei Männer beauftragt, ihren Sohn (4) zu töten.
Diesen März kam sie frei. Ihre Verteidiger streben jetzt Zivilklage gegen die US-Behörden an.
Ein Besuch im ehemaligen Schrebergarten der Großeltern, in dem sie als Kind viel Zeit verbrachte, hat Debbie am meisten berührt. Sie kann sich ein Leben in Deutschland gut vorstellen. NC, KEI
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