Heinz Keßler

Der Tod hat ihn abkommandiert

Der letzte DDR-Verteidigungsminister starb jetzt mit 97 Jahren in einer Klinik.

Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 2 Min
Armeegeneral Heinz Keßler (†97) war von 1985 bis 1989 der letzte DDR-Verteidigungsminister.

Armeegeneral Heinz Keßler (†97) war von 1985 bis 1989 der letzte DDR-Verteidigungsminister.

© dpa

Ein Mann, der kompromisslos für die kommunistische Idee kämpfte: Am Ende musste sich der Ex-Armeegeneral in die Obhut christlicher Nächstenliebe begeben. Nach dem Tod seiner Frau Ruth (starb 2013) verbrachte er die letzten Lebensjahre im Karlshorster Pflegeheim der katholischen Stephanus-Stiftung.

Vergangenes Wochenende wurde Keßler in das Oskar-Ziethen-Krankenhaus eingeliefert. „Er fühlte sich nicht wohl“, sagt der „Edition Ost“-Verleger und Keßler-Vertrauter Frank Schumann gegenüber dem Berliner KURIER.

Heinz Keller begrüßt Michail Gorbatschow (re.).

Heinz Keller begrüßt Michail Gorbatschow (re.).

© imago

In der Klinik starb am 2. Mai der Mann, der in drei Armeen diente. Im Zweiten Weltkrieg lief Keßler nach dem Überfall auf die Sowjetunion (1941) von der Wehrmacht zur Roten Armee über.

In der DDR machte er in der Nationalen Volksarmee Karriere, wurde 1985 Verteidigungsminister, war auch im Politbüro, dem höchsten Machtgremium der SED. 1989 musste Keßler nach dem Honecker-Sturz auch von seinen Ämtern zurücktreten.

Im sogenannten Politbüro-Prozess saß Heinz Keßler 1992 unter anderen mit Honecker und Stasi-Chef Erich Mielke im Landgericht Berlin auf der Anklagebank, musste sich wegen der Mauer-Toten verantworten. Während Mielke und Honecker aus gesundheitlichen Gründen ausschieden, wurde Keßler 1994 wegen Anstiftung zum Totschlag zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Heinz Keßler (re.) zusammen mit führenden DDR-Politikern bei der 40-Jahr-Feier in Berlin.

Heinz Keßler (re.) zusammen mit führenden DDR-Politikern bei der 40-Jahr-Feier in Berlin.

© imago

Es war die höchste Haftstrafe im gesamten Prozess, die er später aber wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nur teilweise absitzen musste. Im Prozess, und später bei öffentlichen Auftritten, wies Keßler jede Schuld von sich. „Es hat nie einen Schießbefehl gegeben“, sagte er.

Immer wieder lobte er den Bau des „antifaschistischen Schutzwalls“. „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“ lautete der Titel eines Buches, das er 2011 mit seinem einstigen Vize Fritz Streletz schrieb. Bei der Präsentation bezeichneten sie die Mauer-Toten höhnisch als „besondere Vorkommnisse“.

2011 wollte der Unbelehrbare sogar zurück in die Politik. Er kandidierte bei der Abgeordnetenhaus-Wahl für die DKP – erfolglos.

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