Stützpunkt für Spione

Dieses West-Berliner Hotel gehörte der Stasi

Willkommen im Hotel Stasi! Die DDR-Staatssicherheit unterhielt in West-Berlin ein eigenes Hotel mit illustrer Kundschaft, darunter IM Karate. Seine Spezialität: tödliche Handkantenschläge.

BK
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© Andreas Meyer Lizenz

Ende der 70er. Geschäftsreisende, die im abgeranzten „Hotel Luftbrücke“ (Zimmer ohne WC) in der Kreuzberger Dudenstraße absteigen, ahnten nicht, wer hier der wahre Hausherr ist. Hotelchefin Anna Schwarz hat sich als IM Janett verpflichtet, „wichtige Aufgaben zur Erhaltung und Sicherung des Friedens für die gesamte Menschheit“ zu erfüllen. Für fünf Jahre mietete das MfS zwei Etagen an. Die Personalien der Gäste gibt IM Janett umgehend nach Ost-Berlin weiter.

© Simon Menner / morgen-contemporary.com Lizenz

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Im Mielke-Ministerium firmierte das Hotel nur unter dem Decknamen „Stützpunkt Rheinland“. Es diente als Operationsbasis für über ein Dutzend IMs. Zum Kundschafternetz gehört auch der Liebhaber von Anna Schwarz, der Berufskriminelle Joseph Tuszynski (IM Karate), ein Mann fürs Grobe. Seine Spezialität: tödliche Handkantenschläge.

Im Auftrag der Ministeriums-Hauptabteilung VIII erledigten Spitzel im gesamten Bundesgebiet Aufträge zur Überwachung, Materialbeschaffung sowie im Einzelfall auch Mordkommandos. Den Unterhalt des Hotels und der IM-Gruppe ließ sich die DDR einiges kosten: Allein der Kopf des Spionagenetzwerks, in dem gut 1000 Seiten starken Aktendossier „IM Rennfahrer“ genannt, kassierte im Lauf der Jahre umgerechnet rund 153 000 Euro Agentenlohn sowie rund 255 000 Euro Spesen.

Kurz nach der Wende wurden die ehemaligen IMs festgenommen. IM Rennfahrer wurde wegen versuchten Mordes zu 4,5 Jahren verurteilt, IM Janett und IM Karate mangels Beweisen freigesprochen.

STH

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