Die Frau mit den weiblichen Rundungen und den kleinen Augen schindete bei der damals 21-jährigen Alvhild Rangnes Eindruck. Selbstbewusst steuerte die elegante Dame einen Platz im Restaurant an.
Alvhild Rangnes jobbte im November 1970 als Kellnerin in dem norwegischen Hotel Neptun in Bergen und gab später bei der Polizei zu Protokoll: „Sie sah so modisch aus, so unnahbar. Ich habe sie ein bisschen zu viel angestarrt.“
Wenig später war die geheimnisvolle Schöne, die die Kellnerin so fasziniert hatte, tot. Am Nachmittag des 29. November 1970 wanderten ein Mann und seine beiden Töchter im Norden des Bergs Ulriken – in einem Gebiet, das als Isdalen-Tal bekannt ist.
Aus allen Kleidern waren die Fabrikationsschildchen herausgetrennt
Sie fanden eine teilweise verkohlte nackte Frau, die unter Fels-Geröll verborgen war, in einem Gebiet, das im Volksmund als „Death Valley“ bekannt ist. Neben der Toten lagen ein Dutzend rosa Phenobarbital Schlaftabletten (Markenname Fenemal), ein eingepacktes Mittagessen und eine leere Flasche Likör. Zudem zwei Plastikflaschen, die nach Benzin rochen – außerdem ein verbrannter Pass.
Und: Aus allen Kleidern waren die Fabrikationsschildchen herausgetrennt. Sogar das Firmen-Logo unter den Plastikflaschen war weggekratzt worden.
Ein rätselhafter Fall. Bis heute. Die Identität der Leiche ist auch 46 Jahre danach noch ungeklärt, immer noch wird die anonyme Tote unter dem Aktenzeichen „134/70“ geführt. Denn die besagte, weltgewandte Frau aus dem Hotel Neptun hatte sich – wie in anderen Herbergen auch – unter verschiedenen Namen einlogiert. Zudem fanden Fahnder Perücken und Brillen, mit denen sie wohl ihr Äußeres änderte.
Die Ermittler damals ließ der Fall nicht los
Und seitdem fragen sich viele: War die „Isdal-Frau“ eine Spionin? Ein Teil einer internationalen Verbrecherorganisation? Musste sie sterben, weil sie zu viel wusste – oder beging sie Selbstmord? Die Obduktion ergab damals, dass die Frau an einer Überdosis Tabletten und einer Kohlenmonoxid-Vergiftung starb.
Antworten erhoffen sich die Fahnder immer noch und vielleicht bringen sie bald Licht ins Dunkle: Polizei und norwegische Journalisten wollen die Tote bald anhand von DNA-Material identifiziert haben. Zudem gebe es neue Spuren, die seit 1970 unbeachtet aufbewahrt wurden.
Die Ermittler damals ließ der Fall nicht los. Acht Identitäten hatte die Frau, reiste zu der Zeit quer durch Norwegen.
In Zusammenarbeit mit internationalen Behörden kam raus, dass die Frau auch in Paris gastierte.
Am 5. Februar 1971 legte man den Fall erst mal auf Eis
Zudem fanden Fahnder ihre Koffer. Doch auch in den Sachen, die darin lagen, waren alle Produktkennzeichnungen herausgeschnitten. Sogar bei Kamm und Bürste hatte jemand die Markennamen herausgefeilt. Dann war da noch ein Schreibblock. Das, was darauf stand, war codiert. Die Polizei brauchte Tage, um das Konstrukt zu knacken. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine handschriftliche Übersicht der Reisedaten und -routen der Frau im Frühjahr und Herbst 1970 in Norwegen handelte.
Was für ein mysteriöser Fall. Die Fahnder waren hilflos. Am 5. Februar 1971 legte man den Fall erst mal auf Eis.
Die schöne Unbekannte – Zeugen beschrieben sie als mittelgroße Frau mit goldenem Teint, langen, dunklen Haaren – wurde an einem eiskalten Regentag in Bergen beerdigt. In einem Zinksarg, begleitet von einer kleiner Trauergemeinde – bestehend aus 16 Polizisten aus Bergen.
Der Sarg war sorgfältig ausgewählt. Er zersetzt sich nicht – für den Fall, dass sich vielleicht doch Angehörige melden. Das ist bis heute nicht geschehen – trotz internationaler Aufrufe und veröffentlichter Zeichnungen der Toten. Auch sehr mysteriös.
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