Das nächste Abenteuer

Papa Globetrotter

Star-Autor reist mit seinem behinderten Kind um die Welt.

Florian Thalmann
Lesezeit 4 Min
Die kleine Familie mit ihrem feuerroten Abenteuer-Mobil.

Die kleine Familie mit ihrem feuerroten Abenteuer-Mobil.

© Körner

Gemeinsam mit Yanti reist Fabian Sixtus Körner (36) um die Welt. Das kleine Mädchen habe einen coolen, entspannten Charakter, sagt er.

Gemeinsam mit Yanti reist Fabian Sixtus Körner (36) um die Welt. Das kleine Mädchen habe einen coolen, entspannten Charakter, sagt er.

© Körner

Das größte Abenteuer von Fabian Sixtus Körner begann am 16. September 2016. Damals, der Geburtstermin seiner Tochter war da, setzten bei Freundin Nico (36) die Wehen nicht ein. „Die Herztöne der Kleinen wurden flach. Also leiteten die Ärzte die Geburt ein“, sagt er. Stunden später, um 17.18 Uhr, war sie plötzlich da: Yanti.

„Man rechnet nicht damit"

„Ich war glücklich. Und trotzdem dachte ich: Irgendwas ist komisch“, sagt er. „Vielleicht war es ihre Mundpartie, die mir anders vorkam.“ Was er da nur ahnte, sagten ihm die Ärzte später offiziell: Yanti hat Trisomie 21, das Down-Syndrom. 50.000 Menschen sind in Deutschland laut Statistik betroffen.

Für Körner ein Schock. „Man rechnet nicht damit. Auch, weil die Schwangerschaft unauffällig war.“ Zudem habe er gewusst: Seine Leidenschaft für Reisen müsse nun in den Hintergrund rücken. Er hielt seine Yanti im Arm, sie öffnete ihre Augen. „Sie fixierte mich. So, als würde sie mir sagen: So ist es – und jetzt müssen wir damit irgendwie klarkommen.“ 

Reisen mit Down-Syndrom - kein Problem!

Fabian Sixtus Körner (36) ist der „Journeyman“ – ein junger Mann mit der Sehnsucht nach Abenteuern. Bekannt wurde er mit einer der skurrilsten Weltreisen, die es je gab: 2010 brach er mit 255 Euro in der Tasche zu einer Tour um die Erde auf. Danach schrieb er das Buch „Journeyman“. Auf der Reise fand er auch die große Liebe. „In der Dominikanischen Republik kontaktierte mich Nico, meine erste Freundin aus Schulzeiten. Sie arbeitete für die UN.“ Sie kamen sich näher und zogen in Berlin zusammen. 2016 die Nachricht: „Nico sagte mir, dass ich Vater werde.“ 

Freundin Nico mit Yanti im Wohnwagen. 

Freundin Nico mit Yanti im Wohnwagen. 

© Körner

Für die kleine Familie folgte nach der Geburt eine schlimme Zeit. „In den ersten Tagen ging es darum, dass Yanti überlebt – und dass wir als Familie das alles verkraften“, sagt er. Ab Tag drei ging es aufwärts. „Wir sagten uns, dass Yanti ein offener und liebevoller Mensch wird.“ Sie richteten ihr Leben ein, gewöhnten sich an den Gedanken, dass das Mädchen ihr Leben lang Hilfe benötigen wird. „Und wir merkten: Da wächst ein wirklich cooler, entspannter Charakter heran.“ 

Nach einiger Zeit ließ Körner auch einen Gedanken zu: Warum nicht verreisen? „Wir wollten nicht darauf verzichten, nur weil es nicht dem Allgemeinbild entspricht, mit Kindern mit Down-Syndrom zu verreisen.“ Sie flogen im Frühjahr 2017 in die Dominikanische Republik. Yanti machte körperlich Fortschritte, weil sie keine dicke Winter-Kleidung brauchte. „Für mich war der schönste Moment, als eine Dominikanerin auf uns zukam und Yanti im Arm halten wollte. So wie es einem Baby gebührt. Da ging mir das Herz auf, das kannte ich aus Deutschland nicht."

Das Abenteuer geht weiter

Nach der Rückkehr kauften sie einen Camping-Wagen und tourten durch Frankreich, Spanien und Portugal – Yantis zweites Abenteuer. „Während der Reise bemerkten wir, wie entspannt die Leute auf Yanti reagierten. Das lag vor allem daran, dass die Gesellschaft dort anders damit umgeht und Menschen mit Down-Syndrom mehr am Leben teilhaben können als in Deutschland.“ Körner schrieb sein Buch „Mit anderen Augen“ (Ullstein, 15 Euro), in dem er das Leben und die Reisen mit Yanti beschreibt. „Ich will zeigen, dass es unnötig ist, eine solche Behinderung als Schicksalsschlag zu sehen, dass es einen positiven Umgang geben kann.“

Fabian Sixtus Körner in Berlin-Kreuzberg.

Fabian Sixtus Körner in Berlin-Kreuzberg.

© Thomas Uhlemann

Bald soll es weitergehen. Vielleicht auf die Philippinen, vielleicht nach Mexiko. Immer auf der Jagd nach Abenteuern – mit Yanti. „Letztendlich“, sagt Körner, „war die Nachricht Down-Syndrom eine Bestätigung dafür, dass wir nicht die richtigen Leute für ein normales Leben sind“. Vielleicht war Yanti genau das, was Körner, der Abenteurer, brauchte. So meinte es sicherlich auch die Krankenschwester auf der Geburtsstation. „Man kann sich sein Kind nicht aussuchen“, sagte sie. „Es ist nämlich umgekehrt: Kinder suchen sich ihre Eltern aus.“  

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema