Tripolis Die Revolution in den islamischen Staaten frisst offenbar den nächsten Diktator. Gestern sah es nach einem schnellen Ende des libyschen Despoten Muammar al-Gaddafi aus.Doch wie ein waidwundes Tier scheint der nur noch daran interessiert zu sein, sein Fell so teuer wie möglich zu verkaufen - und möglichst viele Gegner zu töten.Die Nachrichten aus Libyen, zumeist von Flüchtlingen stammend, klingen beängstigend: Gaddafis afrikanische Söldner und die Teile seiner Armee, die noch zu ihm halten, richten offenbar Massaker unter seinen Untertanen an. "Wir gehen davon aus, dass Schätzungen von etwa 1000 Toten glaubwürdig sind", erklärt Italiens Außenminister Franco Frattini in Rom.Flüchtlinge berichten von nächtlichem Gewehrfeuer, Explosionen, Rauch in der Hauptstadt Tripolis. Alle Behördengebäude sollen beschädigt sein oder brennen. Teile im Osten des Landes bis hin zur ägyptischen Grenze sollen von Gaddafis Truppen aufgegeben worden sein. Dort herrscht jetzt das Recht des Stärkeren. In den Hafenstädten Tobruk und Bengasi feiern Regierungsgegner bereits die Befreiung, während sich dem Diktator ergebene Milizen in der Hauptstadt Gefechte mit Regime-Gegnern liefern. Der Diktator soll sich mit vier Brigaden der Sicherheitskräfte auf dem Stützpunkt Bab al-Asisija in Tripolis verschanzt haben.Indes fallen immer mehr Clan- und Regierungsmitglieder vom Diktator ab. Innenminister Junis, der sich dem Aufstand angeschlossen hatte, nachdem er von Gaddafis Leuten erschossen werden sollte, glaubt an einen baldigen Selbstmord des Diktators. Großbritannien hat ein Kriegsschiff in die internationalen Gewässer nahe Libyen beordert. Außenminister William Hague: "Ich möchte, dass die libysche Führung weiß, dass wir nicht nur reden und Depeschen schicken."------------------------------Zwischenzeile: Regierungstruppen aus Osten Libyens vertrieben
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