Das Findel-Baby von Pankow

Schwebt seine Mutter in Lebensgefahr?

Sie hat ohne ärztliche Hilfe entbunden

BK
Lesezeit 2 Min
Ein Suchteam hoffte, die Mutter zu finden. Beamte sorgen sich um sie.

Ein Suchteam hoffte, die Mutter zu finden. Beamte sorgen sich um sie.

© Eric Richard

Nur eines fehlt. Eine Mutter, die ihr Mädchen an die Brust legt, die sie wärmt und liebt. Aber vielleicht wird es doch noch ein Happy End geben. Der Kleinen wäre es zu wünschen.

Große Sorge bereitet der Polizei allerdings die Kindsmutter. „Sie hat ohne ärztliche Hilfe entbunden. Es könnte noch Gewebe von der Plazenta in ihrem Körper sein“, sagt Polizeisprecherin Kerstin Ziesmer. Die Polizistin weiß wovon sie spricht, war in ihren ersten Berufsjahren Krankenschwester.

Die Frau schwebt womöglich in Lebensgefahr. Angst davor, sich einem Arzt anzuvertrauen, muss sie nicht haben – Schweigepflicht. Und schließlich hat sie ja noch einigermaßen verantwortungsvoll gehandelt, indem sie ihr Baby auf die Fußmatte eines Einfamilienhauses in der Flaischlenstraße in Blankenburg legte. Niemand wird sie dafür in ein Gefängnis stecken wollen.

Das Handtuch, in dem das Findel-Baby eingewickelt war, ist voller Blut.

Das Handtuch, in dem das Findel-Baby eingewickelt war, ist voller Blut.

© Polizei

Die Frau gehört zu den wenigen Müttern, die ihr ungewolltes Kind nicht einfach im Müll entsorgen, aus dem Fenster werfen oder anders töten. So enden leider die meisten heimlichen Geburten. Gleich zu Neujahr war ein totes Mädchen in die Babyklappe des Neuköllner Klinikums gelegt worden.

Die Mutter des Pankower Findel-Babys wollte, dass ihre Tochter lebt. Zuletzt handelte so eine immer noch Unbekannte im September 2015. Ihr Baby lag unter einem Dach neben einem Seiteneingang des Klinikums in Buch, als Passanten es entdeckten.

Nur ein paar Monate zuvor, im April, hatte eine andere unbekannte Frau ihr Kind in Jacken eingewickelt in einen Hauseingang in der Scharnweberstraße (Friedrichshain) gelegt. Drei andere Mütter brachten dagegen in 2015 ihre Babys um – auch sie blieben unbekannt.

Für das Findel-Baby vom Wochenende wünscht sich die Polizei, dass die Mutter sich bald meldet. Hinweise aus der Bevölkerung gibt es leider noch keine. Das liegt wahrscheinlich an der frühen Tageszeit, zwischen 4 und 6.30 Uhr. Und das an einem Sonnabend. Da liegen die meisten Leute einfach noch in ihren Betten.

Aber vielleicht gibt es ja jemanden aus den Tagen zuvor, der die Mutter mit Babybauch gesehen hat und jetzt bemerkt, das sie nicht mehr schwanger ist.

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