Dass früh am Morgen ein Baby auf dem Fußabtreter liegt, damit rechnet wirklich niemand. Und so wäre es fast passiert. Der Frühaufsteher der Familie trat fast auf das Kind.
Es war gerade 6.30 Uhr in der beschaulichen Siedlung mit den schmucken Einfamilienhäusern im Ortsteil Blankenburg. Der niedliche Fund, ein Schock für die Leute im Haus. Ein Mädchen, eingepackt in ein Handtuch. Sie nahmen es mit hinein.
Ein Wagnis für die Mutter sich auf das Anwesen einer anderen Familie zu trauen. Wie leicht hätte sie auch erwischt werden können.
„Das Baby war frisch geboren und nicht ordentlich abgenabelt worden. Wir gehen davon aus, dass bei der Geburt kein Arzt anwesend war“, sagt Hauptkommissarin Gina Graichen. Sie leitet das Kommissariat für Gewalt gegen Schutzbefohlene.
Und dass die kleine Maus lebt und gesund ist, macht auch für sie den Tag zu einem schönen. Denn nur zu oft kommen sie und ihre Leute, wenn nichts mehr zu retten ist.
Die Polizei wurde von DRK-Rettern unterstützt – Spürhund „Spike“ suchte nach Spuren.
© Eric Richard
Wie bei dem neugeborenen Mädchen, das Mitte Juni auf dem Neuen St. Michael-Friedhof in Mariendorf beigesetzt wurde. Ihre immer noch unbekannte Mutter hatte das Kind am Silvestermorgen 2015 tot vor eine Babyklappe in Neukölln gelegt.
Es ruht auf dem dortigen Kinderfriedhof, nur wenige Meter neben dem toten Baby, das im Oktober 2014 in einer Plastiktüte am Neuköllner Weichselplatz entsorgt wurde.
In beiden Fällen wurden jeweils 5.000 Euro Belohnung für Hinweise ausgelobt. Doch bisher gibt es zu beiden Müttern keine Spur.
Im Fall des gestern geborenen Mädchens ist die Polizei noch guter Hoffnung. Möglicherweise meldet sich die Frau, die ihr Kind sicher ablegte nach dem ersten Schock noch.
Möglicherweise bereut sie ihr Tun und will nach einer Nacht voll Schlaf der Kleinen doch eine gute Mutter sein. Angst haben muss sie vor der Polizei wirklich nicht. Sie tat schließlich ihrer Tochter nichts und hatte sie so abgelegt, dass sie auf jeden Fall schnell gefunden wurde. Vielleicht stand sie sogar an einer Ecke und beobachtete wie die Familie ihr Baby fand.
Das Handtuch, in dem das Findel-Baby eingewickelt war, ist voller Blut.
© Polizei
Für die Polizei ist das nicht ausgeschlossen. Die Ermittler suchen nun Zeugen, die die Mutter gestern früh eventuell mit ihrem Kind in oder in Nähe der Siedlung an der Flaischlenstraße in Blankenburg gesehen haben. Hinweise an jede Polizeidienststelle.
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