Da haben sie ihn endlich, die Dortmunder. Zum vierten Mal strahlt der Pott mal wieder in Schwarz und Gelb und wandert an den Borsigplatz. An einen Fluch hat die Borussia schon geglaubt, weil sie das Pokalfinale zuletzt dreimal verloren hat. Jetzt ist der Fluch besiegt und Eintracht Frankfurt, wenn auch hauchdünn mit 2:1 (1:1) auch. Doch das Schönste aus Berliner Sicht: Hertha BSC jubelt ganz kräftig mit. Sauber, Auba!
Lange steht es in den Sternen, ob die Blau-Weißen, sonst Hausherr im Olympiastadion, nur eben im Pokalfinale schon 24 Jahre nicht, in die Quali der Europa League müssen oder doch nicht. Weil die Eintracht den schnellen Rückstand durch Ousmane Dembélé (8.) durch Ante Rebic kontert (29.) und durch Haris Seferovic am Pfosten scheitert (39.), wird auch bei der Elf von Pal Dardai der Nervenkitzel immer größer.
Erst nach viereinhalb Minuten Nachspielzeit ist es sicher: Hertha nimmt den direkten Weg nach Europa. „Das ist die Belohnung für eine tolle Saison“, sagt der Hertha-Trainer. Auch Manager Michael Preetz ist Feuer und Flamme: „Damit wird auch unsere tolle Saison gekrönt. Jetzt freuen wir uns auf Europa.“
Hertha befördert
Einem genialen Moment von Pierre-Emerick Aubameyang, seinem einzigen im vielleicht letzten Spiel für den BVB, hat Hertha die Beförderung in die Gruppenphase zu verdanken. Weil der Bundesliga-Knipser, eine Stunde in diesem nicht ganz so wie befürchtet einseitigen Endspiel nicht zu sehen, bei einem Elfmeter Nerven wie Drahtseile hat. Zwar hat Lukas Hradecky den Elfer verursacht, als er Christian Pulisic (zur Pause für den am Knie verletzten Marco Reus gekommen) umnietet, doch der Eintracht-Keeper ist der Elfer-Killer schlechthin in dieser Pokalsaison.
Fünf Elfer hat er auf dem Weg bis ins Finale gehalten und so die Frankfurter erst so nah an den Pott gebracht. Gegen Schlitzohr Aubameyang aber ist der 36-malige finnische Nationaltorhüter ohne Abwehrchance. Das muss einer wie der Bundesliga-Torschützenkönig in solch einer Situation aber auch erst mal draufhaben: Fast ohne auf Hradecky zu schauen, chippt er die Kugel rotzfrech hoch in die Mitte des Tores. Wäre Hradecky stehen geblieben, hätte er ohne Mühe den Eintracht-Konter einleiten können.
„Ein bisschen bin ich jetzt leer“
„Natürlich hatte ich gehofft, auch diesen Elfer zu halten“, sagt der Torhüter, „aber es war diesmal einfach nicht der Tag dafür.“ Mit diesem Elfer hat Aubameyang gleich mehrere Dortmunder glücklich gemacht. Reus, der Verletzungs-Pechvogel, hat endlich, endlich seinen ersten großen Titel gewonnen. Auch Thomas Tuchel wird – und alles deutet darauf hin – den BVB nicht als Unvollendeter verlassen. „Ein bisschen bin ich jetzt leer“, gibt der Trainer zu, „denn es war ein schweres Stück Arbeit.“
Danach sind die Borussen wie losgelassen. Reus humpelt in die Jubeltraube, der Siegtorschütze gibt den Pott gar nicht mehr her, die Umarmungen untereinander nehmen kein Ende, Marc Bartra schnippelt sich ein Stück aus dem Tornetz und trägt es stolz wie Bolle um den Hals. „Das ist ein weiterer Meilenstein“, versichert Tuchel und sagt, dass damit auch die Emotionen um den Bombenanschlag auf den BVB-Bus wieder ein Stück verarbeitet werden.
Insofern hat dieses Spiel – sorry, Eintracht – vielleicht sogar den richtigen Sieger gefunden.
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