„Rote Rosen“. Beide Schauspielerinnen leben in Berlin. Sie waren beste Freundinnen, beste Feindinnen. Es gab Intrigen, Tränen und Versöhnungen – und nun das dicke Ende. Helen (gespielt von Patricia Schäfer) und Sigrid (Dana Golombek) verabschieden sich aus „Rote Rosen“.
Bis Mitte Februar stehen Patricia Schäfer und Dana Golombek noch im Mittelpunkt der Daily Soap, die in Lüneburg gedreht wird und die irgendwie die halbe Republik schaut, die dennoch von den meisten abgetan wird, als sei sie billigster Trash-TV.
Dana Golombek lächelt. Sie sitzt entspannt in einem Berliner Café. Sie hat sich mit Kollegin Patricia Schäfer einen Cappuccino bestellt.
"Eine Telenovela hat in der Tat keinen sehr guten Stellenwert"
Schon seit November sind beide wieder in Berlin, müssen nicht mehr zwischen Lüneburg und der Hauptstadt pendeln. Fast ein Jahr lang haben sie das gemacht. Dana Golombek fuhr mit dem Auto. Patricia Schäfer nahm den Zug.
Trotzdem – beide wollen die Erfahrung nicht missen, beteuern sie.
„Wir haben Vorurteile abgebaut“, sagt Dana Golombek: „Auch ich war vorher vorurteilsbeladen – wie viele in unserer Branche. Viele rümpfen die Nase, wenn sie von Daily Soaps wie Rote Rosen hören. Ich sage meinen Kollegen jetzt immer, wenn sie es kritisieren: Gut, macht es doch erst einmal selbst und wir unterhalten uns danach noch einmal.“
Patricia Schäfer stimmt zu: „Eine Telenovela hat in der Tat keinen sehr guten Stellenwert. Man wird oft als Schauspieler zweiter Klasse gesehen. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Anerkennung in der Branche für dieses Genre gibt.“
Ein typischer Soap-Tag geht oft 12 Stunden
Als die Wahlberlinerin Schäfer die Rolle der Helen in „Rote Rosen“ angeboten bekam, sagte sie sofort zu. Dana Golombek erging es genauso. Fortan stand sie als Sigrid Claasen vor der Kamera, als eine Freundin von Helen. Bis ein Mann zwischen ihnen stand ... Herzschmerz eben.
Patricia Schäfer: „Man spielt manchmal bis zu drei Schicksalsschläge an einem Tag.“
Ein typischer Soap-Alltag, der oft 12 Stunden am Tag dauert. Eine Szene in 20 bis 30 Minuten im Kasten sein muss, um 50 Sendeminuten zusammenzubekommen.
Patricia Schäfer (50, geboren in Bielefeld) spielte 200 Folgen lang in der Telenovela die Helen, Tochter einer alteingesessenen Lüneburger Kaufmannsfamilie.
© ARD/Thorsten Jander
Viele Sendeplätze sind mit Casting- und Kochshows besetzt
200 Folgen drehten sie für die 14. Staffel, an deren Ende turnusgemäß die Hauptdarsteller wechseln. Die Schauspieler mussten pro Woche bis zu 500 Seiten Text lesen. Patricia Schäfer: „Es ist eine Wahnsinns-Arbeit, aber es hat Spaß gemacht.“
Dana Golombek grinst: „Wenn ich in einem anderen Film hätte spielen dürfen, was ich hier in so kurzer Zeit so alles an Gefühlsregungen gezeigt habe, hätte ich bis zur Rente zu tun. Daher: Ich habe inzwischen einen Wahnsinns-Respekt für die Arbeit in einer Telenovela. Und ich würde mir wünschen, dass sie in unserer Branche einen höheren Stellenwert bekommt.“
Hinzu käme: Jobs für Schauspieler lägen längst nicht mehr auf der Straße. Viele Sendeplätze seien inzwischen mit Casting- oder Kochshows besetzt. Dana Golombek: „Ich freue mich über jedes Engagement – ob Telenovela oder Kinofilm. Ich liebe einfach meinen Beruf. Mein Lebenspartner, Christoph M. Ohrt, ebenso Schauspieler, sagte die vergangenen Monate oft zu mir, er wüsste nicht, ob er dieses Pensum schaffen würde. Es ist für die ganze Familie echt ein Stiefel gewesen. Man braucht auch danach etwas Zeit, wieder in den Alltag zurückzufinden.“
Dana Golombek (47, geboren in Brandenburg) versüßte ein Jahr lang die TV-Serie „Rote Rosen“ als Konditorin Sigrid Claasen. Jetzt steigt sie aus.
© ARD/Thorsten Jander
Zusammen mit dem Freund auf dem Traumschiff
Inzwischen sei es ihr gelungen. Patricia Schäfer ebenso. Sie sagt: „Es ist einfach unheimlich wichtig, in diesem ganzen Stress und Zeitaufwand bei sich zu bleiben, dass man sich nicht verpulvert und zu viel Energie ausgibt. Allein mein Arbeitspensum und die Organisation während meiner Zeit bei Rote Rosen war mitunter schon sehr herausfordernd.“
Dana Golombek ist seit Mitte Januar wieder unterwegs – auf dem Traumschiff „gemeinsam mit meinem Freund, Christoph M. Ohrt.“
Die beiden sind seit fast sechs Jahren ein Paar.
Die Geschichte: Der reichen Witwe Susanna (Gila von Weitershausen) kommen auf Kreuzfahrten immer wieder teure Schmuckstücke abhanden. Um herauszufinden, ob sich dahinter ein raffinierter Versicherungsbetrug verbirgt, wird die Detektivin Mila (Dana Golombek) auf Susanna angesetzt. Unterstützt wird sie von ihrer „Liebe auf den ersten Blick“ Frank (Christoph M. Ohrt). Dana Golombek lacht: „Ich hoffe, alles geht gut, weil ich eigentlich nicht ganz so seefest bin.“
Das Team war wie eine große Familie
Zu sehen ist die Traumschiff-Folge vermutlich Ende des Jahres. Patricia Schäfer? „Ich werde auch erst einmal ausspannen und gönne mir einen kleinen Urlaub. Ansonsten bin ich viel als Botschafterin der Stiftung Lesen unterwegs. Ich würde gerne wieder mehr Theater spielen.“ Und sie habe Lust auf Comedy. „Was nicht heißt, dass ich nie wieder eine Telenovela spiele.“
Patricia Schäfer räumt allerdings auch ein: „Es ist schwierig für Frauen. Viele 30-Jährige haben heute 17-jährige Töchter im TV. Das macht ist es für Schauspielerinnen in unserem Alter natürlich nicht leichter.“ Dana Golombek nickt: „Die schwierigste Zeit ist zwischen 45 und 55, Rollen zu bekommen. Ab Ende 50 soll es angeblich wieder bergauf gehen. Das sind doch gute Aussichten.“
Was nehmen sie mit nach einem Jahr Rote Rosen? Patricia Schäfer: „Unser Team war einfach klasse, am Set herrschte eine unglaublich nette Atmosphäre. Es ist wie eine große Familie. Das hat vieles entschädigt – auch den Stress. Außerdem haben Dana und ich uns kennengelernt. Wir sind nun auch privat befreundet, waren letztens erst gemeinsam im Theater.“
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