Dali Ivkovic

Der Twitter-Perlentaucher

Er sammelt Tweets, die über den Kurznachrichtendienst abgesetzt werden.

​Michael Sant
Lesezeit 3 Min
Dali Ivkovic hat gut lachen. 400.000 Menschen verfolgen regelmäßig die Sprüche, die er auf twitterperlen.de sammelt.

Dali Ivkovic hat gut lachen. 400.000 Menschen verfolgen regelmäßig die Sprüche, die er auf twitterperlen.de sammelt.

© privat

Wenn Dali Ivkovic (36) plötzlich laut auflacht und mit dem Smartphone in der Hand mitten im Büro steht, um etwas vorzulesen, dann wissen seine Kollegen, dass er wieder etwas gefunden hat – eine schillernde Twitterperle. Ivkovic, Creativ-Direktor der Nürnberger Werbe-Agentur „Stilbezirk“, sucht nach besonderen Tweets, die über den Kurznachrichtendienst abgesetzt werden.

Lustige wie: „Habe gerade einem FTextschätzereund Limonadenwitz erzählt. Fanta lustig!“ Aber auch ernste wie: „Pro-Erdogan-Demo in Köln. Als demonstrierten Freilandhühner für Käfighaltung.“ Diese maximal 140 Zeichen langen Textschätzchen nannte er Twitterperlen. Und begann, sie auf seiner gleichnamigen Facebook-Seite zu posten. Das war vor vier Jahren. Heute hat „twitterperlen.de“ Kult-Status – 400.000 Follower haben sie schon 20 Millionen Mal angeklickt.

Stellt sich die Frage, was für den pfiffigen Werbe-Mann eine Twitterperle ausmacht. „Ganz einfach: Der Tweet muss mich spontan zum Lachen oder auch zum Nachdenken bringen“. Im Büro seien seine Fundstücke immer gut angekommen, sagt er augenzwinkernd. „Die lieben Kollegen waren jeden Tag aufs Neue amüsiert von dem Quatsch, den ich da fand. Wieso also nicht auch andere?“

Der smarte Franke, täglich etwa eine Stunde auf Twitter suchend unterwegs, schätzt, dass er bis heute rund 2600 Perlen gefunden und auf Facebook gepostet hat. Aus einer Unmenge Tweets, die er dafür lesen und sichten musste. Wie viele? „Keine Ahnung“, sagt er. „Das muss eine irre Zahl sein. Ich mach’ das ja seit vier Jahren jeden Tag.“ Würde er täglich 20 Tweets lesen, wären das bis heute fast 30.000.

Inzwischen hat er längst seine Helden – Twitter-Autoren, bei denen er ständig vorbeischaut. Weil er weiß, dass er bei ihnen am ehesten fündig wird. Leute, die Humor haben, die mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gehen, die das Weltgeschehen kommentieren, die im Büro, im Café, in der U-Bahn Sprüche auffangen oder selbst kreativ texten.

„Zu meinen Dauerbrennern gehören @DrWaumiau, @derLehnsherr, @tomkraftwerk, @Grantscheam und @rebel_Berlin“, verrät Ivkovic. „Mit einigen pflege ich inzwischen schon ein sehr freundschaftliches Verhältnis.“ Natürlich wird er längst auch beliefert. Er bekommt von seinen Fans Unmengen an E-Mails mit vermeintlichen und tatsächlichen Twitterperlen.

„Das alles zu lesen und auf Authentizität zu überprüfen, dazu noch Kommentare auf Facebook zu kommentieren, sich bei den Tweet-Autoren das Okay zur Weiterveröffentlichung einzuholen – das kostet echt ganz schön viel Zeit“, seufzt er. „Für so eine Arbeit beschäftigen Firmen ganze Teams. Ich könnte das auch schon in Vollzeit machen.“

Hat er persönliche Lieblinge unter seinen Twitterperlen? „Ich finde jede einzelne auf ihre Art toll“, sagt er. „Wie zum Beispiel die hier direkt aus dem Leben: ,Erkenntnis nach dem Urlaub: Gebräunte Haut wiegt 3 Kilo mehr. Erstaunlich.’ Oder auch: ,Chef, ich habe heute Jahrestag mit meiner Frau. Darf ich früher gehen?’ ,Nein.’ ,Danke, Sie sind der beste.’“

Wer noch viel mehr witzige oder besinnliche Highlights aus der Welt der 140-Buchstaben-Mitteilungen lesen möchte: Die besten Twitterperlen hat Dali Ivkovic für ein Buch ausgesucht: „Nach einer Stunde Joggen festgestellt: Vergessen loszulaufen“ (Heyne-Verlag; 9,99 Euro).

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