Aber schon Teil 1 der Storys im „Donald Duck“-Stil zeigt, worum es wirklich geht. AfD-Inhalte sollen in die Köpfe der Jüngsten. Absehbar ist, welche Themen auf Teil 1 (Umwelt) folgen dürften: Flüchtlinge, Ausländerkriminalität und Eurokrise.
Ihren populistischen Comic-Coup hatte die AfD-Fraktion bereits im Vorfeld auf Facebook angekündigt. Nach ihrem Antrag zur Abschaffung der Umweltzone in Berlin werde es einen „Aufklärungscomic“ geben, der die „rot-grüne Placebo-Politik“ entlarve.
Konkret heißt es in der Ankündigung: „Die Reihe der Öko-Angstmacher ist lang – saurer Regen, angebliches Waldsterben und Ozonlöcher haben bewiesen, dass wir keine weiteren Feinstaub-Märchen brauchen.“
Den Comic wolle man als PDF-Datei und zum Ausdrucken im Netz bereitstellen – und so geschah es dann am Freitag auch. Eine zusätzliche Video-Fassung in den sozialen Netzwerken macht die Verbreitung bei der jungen Generation besonders leicht.
Die klimaskeptische Position der AfD wird im Comic von der Vogel-Dame Emilia vorgetragen, die in einem Straßencafé sitzt und mit einem gefiederten Bekannten diskutiert. Der ist eher grün eingestellt, qualmt aber munter Zigaretten und lässt sich am Ende im Auto von Freunden zum Grillen in den Mauerpark chauffieren.
Die Botschaft: Die Grünen und ähnlich Eingestellte haben zwei Gesichter. Hinter der moralistischen Fassade gibt es keine Bereitschaft, den eigenen Verzichtsansprüchen zu genügen.
Auf Bitten des KURIER hat sich die Berliner Grünen-Fraktion den Comic mal genauer angesehen.
Georg Kössler, Sprecher für Umweltschutz, sagt dazu: „Typisch AfD! Es ist wenig überraschend, dass sie mit Desinformation gegen EU und Umweltzone hetzt. Die echte Debatte, wie wir die Luftqualität in Berlin verbessern, läuft an der AfD vorbei.“
Offenbar seien der AfD all die Familien mit Kindern und all die Älteren egal, die unter den Folgen von Umweltgiften wie Feinstaub oder Stickoxiden besonders leiden – weil sie an großen Straßen in der City wohnen.
Soweit zur inhaltlichen Auseinandersetzung. Aber es fragt sich natürlich auch, was von der Strategie zu halten ist, Kids mit populistischen Comics zu ködern. In den Regierungsfraktionen weist man darauf hin, dass diese AfD-Idee nicht gerade ein genialer Einfall ist, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hätte.
Rechtsradikale aus dem Lager der Freien Kameradschaften wollten 2004 kostenlose Musik-CDs in der Nähe von Schulen und Jugendtreffs verteilen. Die Aktion wurde verboten, dann aber wiederholt von der NPD kopiert. Sie erstellte auch „Schülerzeitungen“, die wie bunte Rätselhefte für die Hofpause aussahen – aber tiefbraune Propaganda enthielten.
Als Maßnahme gegen Radikalismus und Rechtspopulismus an Schulen wirbt Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, eindringlich dafür, vernachlässigte Fächer wie Politik, Sozialkunde und Geschichte wieder in den Fokus zu rücken. Und der Bildungspolitiker Özcan Mutlu (Grüne) fordert, das Wahlalter abzusenken – damit Jugendliche gar nicht erst Wut darüber entwickeln, dass sie politisch nicht mitbestimmen dürfen.
Ob der neue AfD-Comic aber überhaupt Chancen bei der jungen Zielgruppe hat, wird von Kritikern eindeutig beurteilt. So sagt Thomas Barthel, Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus: „Man merkt dem Comicstrip an: Der Humor der AfD stammt wie viele ihrer Ansichten aus prähistorischen Zeiten.“ Zu altbacken, zu gewollt jugendlich, zu banal.
AfD-Fraktionschef Georg Pazderski hat einen neuen „Coup“ gelandet.
© Bernd Friedel
Im Internet entsteht derweil allerdings eine Debatte um den Comic – unter Erwachsenen. Facebook-Nutzer Oliver H. jubelt: „Hut ab!“ Nur dürfe man eben nicht davon ausgehen, dass grüne „Schulabbrecher“ das nötige Hintergrundwissen hätten, um den AfD-Comic zu kapieren. Das Öko-Bashing gefällt aber auch im rechten Lager nicht jedem.
So schreibt ein Matthias bei Facebook: „ Warum zerstören sich rechte Parteien stets verlässlich jede Chance auf Erfolg mit diesem bornierten Steinzeitdenken? Sind Umwelt- und Gesundheitsthemen wirklich so schwer zu begreifen?“
Das Facebook-Posting mit der Videofassung des Comics auf der Seite der AfD-Fraktion hatte Freitagabend schon 25 355 Aufrufe, wurde 307 mal geteilt und bekam 120 Likes, Smileys oder Herzchen (Stand: 17.30 Uhr). Damit hat es die AfD mal wieder geschafft, viel Aufmerksamkeit zu erregen.
Wir beim KURIER haben deshalb überlegt, ob wir den Comicstrip hier überhaupt zeigen sollen. Aber am besten entscheiden Sie als mündige Bürger einfach selbst, was Sie von der Aktion halten.
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