Neulich in der Umkleide eines teuren Dessousladens. Das Licht ist grell, der Bikini spannt – und die dünne Verkäuferin bemerkt spitz: „Sie sind ja eher der Badeanzug-Typ.“
Es ist einer jener Momente, in denen für viele Frauen eine Welt zusammenbricht oder wenigstens die jetzige infrage stellen. Und das auch noch zehn angefangene und gescheiterte Diäten später.
Mirja Regensburg würde in solchen Situationen raten: Locker bleiben! Ein Mann jedenfalls bliebe es. Er würde mit seinem Bierbauch und der zu eng sitzenden Badehose aus der grell beleuchteten Umkleidekabine stolzieren. Unweigerlich stellt sich die Frage: Warum, liebe Frauen, macht ihr das nicht auch so?
Mirja Regensburg: Von Musicaldarstellerin zu Comedian
Wir treffen die 44-Jährige, die mit ihrem Freund in Köln lebt, in Berlin. Sie lacht viel, trinkt gerne Cappuccino und isst auch gerne – sie nennt das Wohlfühlessen. Bis vor fünf Jahren war sie Musicaldarstellerin, heute tourt sie als Comedian durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Mirja Regensburg auf der Bühne. Am 5. April tritt sie in Berlin in den Wühlmäusen auf.
© Danny Frede
Frauen und deren Katastrophen sind fest in ihrem Repertoire, wenn sie auf der Bühne steht. Manchmal entblößt sie ihren Bauch oder preist ihre „Muffinjeans“ an – sie stehen dafür, wenn der „Körperteig“ übers Bündchen quillt. „Ich provoziere damit, will aber auch sagen: Hey, ein bisschen Bauch ist normal und vor allem: okay!“
Mirja Regensburgs Buch „Die hohe Kunst des Lockerbleibens“
Jetzt hat sie ein Buch geschrieben. „Im nächsten Leben werde ich Mann“, heißt es. Der Untertitel lautet. „Die hohe Kunst des Lockerbleibens. Ein Crashkurs für Heldinnen des Alltags“ (Eden Books; 16,95 Euro).
Als sie das Buch schrieb, stellte sie bei aller Komik allerdings auch fest, dass sie ebenso noch in diesem weiblichen System der Perfektion steckt.
„Seitdem mache ich keine Diät mehr“, sagt sie und lächelt, nippt an ihrem Cappuccino und erklärt, warum es zwischen den Geschlechtern immer noch so hapert: „Männer nehmen unerwartete Situationen eher wie sie sind und haben nicht so eine hohe Erwartungshaltung. Nicht umsonst steckt in Erwarten Er und Warten drin!“
Mirja Regensburg: „Wir Frauen zerdenken oft mehr“
Und was rät sie Frauen? „Erst mal gucken, was passiert, nicht gleich durchdrehen.“ Und weniger „vorwurfisch sprechen“. Das sei eine ihrer Wortkreationen: „Vorwurfisch ist eine international verständliche Frauensprache. Man erkennt sie immer. Ob Russisch oder Kisuaheli.“ Und, fügt sie hinzu: „Einfach mal machen.“ Das seien, findet sie, die drei wichtigsten Dinge, die Männer besser machen. „Wir Frauen zerdenken oft mehr, und grübeln und hinterfragen. Was natürlich auch wichtig ist. Aber auch ab und zu das Leben schwer machen kann.“
Wer das Buch liest, hat das Gefühl, jede Situation zu kennen oder zumindest schon einmal davon gehört zu haben. Wenn Frauen sich mal wieder selbst runtermachen oder sich untereinander ausstechen und jegliche Frauensolidarität vergessen. Es liest sich wie aneinandergereihte Klischees.
Mirja Regensburg: „Frauen sind die größten Kritikerinnen ihrer selbst“
Mirja Regensburg nickt: „Frauen sind oft die größten Kritikerinnen ihrer selbst. Sie sprechen eher darüber, was sie nicht können, als über das, was sie können.“ Und sie fragt: „Warum unterstützen Frauen sich nicht noch viel mehr gegenseitig?“ Wenn Frauen einfach mehr füreinander da seien und sich groß machten, anstatt sich zu kritisieren, „dann ist das schon die Hälfte der Miete. Viele Probleme machen Frauen sich ja auch gegenseitig, weil sie sich in Konkurrenz sehen, anstatt sich zu helfen und zu unterstützen“.
Jüngst traf Mirja Regensburg eine Frau auf einer Party und sie hatten das gleiche Kleid an. „Ich sagte zu ihr: Ach, so sieht das Kleid aus, wenn man Taille hat. Wir haben beide gelacht.“ So gehe es eben auch. Wenn sie von ihrem Elternhaus erzählt, sagt sie, sie sei mit einer „großen Selbstverständlichkeit“ erzogen worden. Ihre Mutter sei ein sehr starkes Frauenvorbild gewesen. „Sie hat mich sehr tough erzogen.“
„Wir Frauen sollten ,Ich kann das nicht‘ aus unserem Wortschatz streichen“
Auch ihr Vater habe sie immer machen lassen. Dennoch habe sie sich als Kind nicht ganz davon befreien können, sich nichts zuzutrauen. „Wer weiß, was ich noch alles dazugelernt hätte, wenn ich mehr Selbstvertrauen gehabt hätte. Daher sollten wir Frauen ,Ich kann das nicht‘ aus unserem Wortschatz streichen.“ Männer hinterfragten sich viel seltener.
Versteht sie sich als Feministin? „Ja, das bin ich bestimmt, aber ohne es zu deklarieren. Der Begriff hat ja verschiedene Facetten. Ich nenne das Feminismus 2.0. Weil das mit großem Humor garniert ist, was ich mache. Und auch sich nicht ganz zu ernst zu nehmen. Ich glaube, mein Feminismus ist ein Stück lockerer und lustiger.
Humor ist eine Allzweckwaffe
Vieles versuche sie mit Humor zu lösen: „Er ist eine Allzweckwaffe, die die schwierigsten, peinlichsten oder auch ausweglose Situationen aushebeln kann.“
Und ganz Mann sein wolle sie auch nicht: „Ich werde im nächsten Leben Mann mit dem Wissen einer Frau. Dann sind wir unschlagbar. Es gibt viele Punkte, die haben wir gut drauf. Die ganze Geborgenheit, im Thema Krankheit sind Frauen die Tougheren, ganz klar, Familienzusammenhalt und deren Bildung.“
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