Clans ohne Gnade

Die Schattenwelt der arabischen Großfamilien in Berlin

Eine wilde Schießerei zwischen zwei verfeindeten Banden mitten in Berlin

BK
Lesezeit 4 Min
August 2015: Eine wilde Schießerei zwischen zwei verfeindeten Banden mitten in Berlin. Am Olivaer Platz. Auf offener Straße. Wie in einem Action-Film. Offenbar waren es arabische Familien-Clans, die völlig skrupellos durch die Gegend ballerten. 

August 2015: Eine wilde Schießerei zwischen zwei verfeindeten Banden mitten in Berlin. Am Olivaer Platz. Auf offener Straße. Wie in einem Action-Film. Offenbar waren es arabische Familien-Clans, die völlig skrupellos durch die Gegend ballerten. 

© Schröder/Archivbild

Eine wilde Schießerei zwischen zwei verfeindeten Banden mitten in Berlin. Am Olivaer Platz. Auf offener Straße. Wie in einem Action-Film. Eine Radfahrerin gerät zwischen die Fronten und wird schwer verletzt (KURIER berichtete). Seit knapp einer Woche ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft mit Hochdruck.

Für die Beamten scheint klar zu sein: Es waren arabische Familien-Clans, die völlig skrupellos durch die Gegend ballerten. In einem gnadenlosen Krieg um Macht, Einfluss und millionenschwere Geldgewinne.

Rückblick: Am vergangenen Mittwochabend fährt ein schwarzer Geländewagen an der Kreuzung Schlüterstraße Ecke Lietzenburger Straße an zwei Männern vorbei. Ohne Vorwarnung eröffnet ein Unbekannter aus dem Wagen das Feuer auf die beiden Passanten, mindestens achtmal drückt der Schütze ab.

Auch die Angegriffenen ziehen Schusswaffen, ballern ohne zu zögern zurück. Daraufhin flieht der schwarze Geländewagen, auch die beiden Fußgänger verschwinden im Dunkel der Nacht. Zurück bleibt nur die schwer verletzte Hildegard B. (62, Name geändert) – die Künstlerin stand zufällig mit ihrem Fahrrad an der Straßenkreuzung, wurde von einem Querschläger getroffen.

Seitdem liegt die Frau im Krankenhaus, zu einem Interview mit dem KURIER ist sie aus Angst vor den unbekannten Schützen nicht bereit. Gleichzeitig ist sie die wichtigste Zeugin für die Polizei – die vermutet die Täter längst im Umfeld der arabischen Mafia. Denn angeblich passt die Beschreibung des schwarzen Geländewagens sowie Teile des Kennzeichens zu einem Jeep Grand Cherokee, der auf eine Frau in Wittenberge zugelassen ist.

Tatsächlich wird der Geländewagen aber seit Monaten von zwei Familien-Mitgliedern eines bekannten arabischen Clans benutzt. Wäre das alles ein Film, würde man wohl sagen: Ach Gott, schon wieder sind die Bösen von so einem Clan, das ist doch übertrieben. Doch in Berlin ist dieses Szenario leider bittere Wahrheit.

Rund 30 dieser Großfamilien gibt es in und um Berlin, jede davon hat zwischen 50 und 500 Mitglieder. Zwar sind bei weitem nicht alle davon Verbrecher. Doch das von der Polizei als kriminell eingestufte Zehntel hat es in sich. Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Bandendiebstahl, Zuhälterei, Raub – die großen Clans mischen überall mit.

Bei einem Raubzug auf das KaDeWe im Dezember 2014 erbeuteten Clan-Mitglieder bei dem spektakulären Überfall Schmuck und Uhren im Wert von über eine Million Euro. Zwar wurden einige der Täter geschnappt. Doch sowohl Drahtzieher als auch Beute sind bis heute verschwunden.

Der bekannte Straßenstrich an der Kurfürstenstraße ist nach wie vor in arabischer Hand. Die Zuhälter auf der Straße stammen inzwischen fast ausschließlich aus Rumänien oder Bulgarien. Doch auch sie müssen Schutzgebühren an einen der großen Araber-Clans bezahlen.

Den Drogenhandel, vor allem auf Bahnhöfen und in U-Bahnzügen, haben die Großfamilien ebenfalls fest im Griff. Erwischt werden hier meist nur Kleinstdealer – den Hintermännern lässt sich nur schwer etwas nachweisen.

Schutzgelderpressung betrifft vor allem die eigenen Landsleute. So gibt es kaum einen arabisch geführten Getränkehandel oder eine Shisha-Bar, die nicht regelmäßig an die Clans bezahlen muss. Wer nicht spurt, wird erst bedroht und zusammengeschlagen, wer danach noch immer nicht zahlt, spielt mit seinem Leben.

Um welches Geschäft es bei der Schießerei in der City-West genau ging, wissen derzeit nur die Beteiligten selbst. Und auch wenn sie geschnappt werden sollten, bleibt fraglich, ob die Hintergründe jemals aufgeklärt werden.
Denn solche Konflikte werden zwischen den Clans von sogenannten Friedensrichtern gelöst. Die deutsche Justiz, so bitter es klingt, spielt hier überhaupt keine Rolle.

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