Merkel hat das 2009 begonnene Bauwerk wachsen sehen – oder auch nicht, weil beim Bau der Fundamente im Grundwasser doch etliches schiefging und sich verzögerte. Sogar die Baufirma musste ausgetauscht werden.
Die neue Galerie liegt hinter der vorderen Brücke, eingezeichnet ist die „Archäologische Promenade“, die vom Bode-Museum oben zum Alten Museum unten führen wird.
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Der Architekt David Chipperfield hatte anfangs seine liebe Not mit dem Bau: „Normalerweise ist der Inhalt klar, wenn man ein Gebäude bauen soll.“ Hier aber gab es eine „Shopping-Liste“ mit Wünschen für ein Auditorium, mehr Ausstellungsfläche, Zugänge für vier der fünf Museumsgebäude der Insel, die „bisher ohne echten Empfangsbereich“ daherkamen, oder schlicht mehr Toiletten, von denen es gerade im Neuen Museum zu wenige gibt.
Vergleich mit dem Pariser Louvre
Ein Vergleich zur gläsernen „Pyramide“ am Pariser Riesen-Museum Louvre liegt für Chipperfield auf der Hand. Wenige Jahre nach deren Fertigstellung 1989 begann der Wettbewerb für die Ergänzung des Neuen Museums und den nun vollendeten Zugangsbereich für alle Häuser der Insel bis auf die Alte Nationalgalerie. „Wir haben aus den Pariser Problemen mit den Zugängen gelernt“, sagt Chipperfield.
Vor der Pyramide seines Kollegen Ieoh Ming Pei (1917-2019) bilden sich bis heute häufig Besucherschlangen. Deshalb ist die neue Berliner Galerie auch nur ein Angebot: Die jeweiligen Museen behalten ihre eigenen Eingänge oder bekommen sie wie das Pergamonmuseum zurück.
Ins Gebäude lockt eine breite Freitreppe hoch zum lichtdurchfluteten Foyer mit Zugängen zu Ticketcounter, Café, Büchershop, einem großen Ausstellungsraum mit künstlicher Lichtdecke und einem spektakulären Auditorium. Dort hat Chipperfields Chefdesigner Alexander Schwarz mit fein geschliffenem Beton die akustischen Hall-Probleme bewältigt.
Kosten für James-Simon-Galerie auf auf 134 Millionen Euro gestiegen
Die James-Simon-Galerie ist entstanden auf dem Geländes des früheren Packhofes, an den noch ein Gründungspfahl im Durchgang zum Neuen Museum erinnert. Der Stamm steht auch für eines der Hauptprobleme des neuen Baus: Wegen einer eiszeitlichen Auswaschung im Baugrund mussten Taucher für ein stabiles Fundament 1200 Pfähle in den schlammigen Boden rammen. Auch das trieb die Kosten von anfangs geplanten 71 auf 134 Millionen Euro hoch.
Die Galerie hat eine Nutzfläche von 4600 Quadratmetern und wird in fernerer Zukunft Bode-, Pergamon- , Neues und Altes Museum über eine unterirdische „Archäologische Promenade“ verbinden. Das kann aber noch dauern, die Gesamtverbindung wird erst Ende des kommenden Jahrzehnts begehbar sein, weil das Pergamonmuseum noch über 2025 hinaus saniert wird.
Vom 13. Juli an, wenn die Galerie für das Publikum öffnet, wird die Promenade nur ins Neue Museum führen. Ins Pergamonmuseum mit seinen verschiedenen Sammlungen kommt man von der James-Simon-Galerie noch oberirdisch. Dafür wird der unscheinbare, schwer zu findende Eingang auf der anderen Seite des Neuen Museums geschlossen.
Uferkante des Kupfergrabens
Der steinerne Sockel der Galerie erhebt sich hoch über der Uferkante des Kupfergrabens, der gemeinsam mit dem Spree-Hauptarm die Museumsinsel umschließt. Direkt am Wasser prägt eine Reihe schlanker Säulen das Erscheinungsbild des Gebäudes. Chipperfield griff damit die prägende Architektur der Insel auf: „So kommen die Kolonnaden von den Griechen über die Preußen in unsere Zeit.“
Die gedeckten Farben im Gebäude sind für Alexander Schwartz „Konsequenz des Materials“ wie Beton, Marmor, Muschelkalk, Holz, Glas oder Filz. Am deutlichsten wird das vielleicht an der riesigen Glasfront hin zu einer eher hässlichen Mauer des benachbarten Pergamonmuseums, auf die Schwarz eine extrem dünne und deswegen lichtdurchlässige Schicht Thassos-Marmor hat auftragen lassen. „Alle Materialien, die hier sind, erzählen ein bisschen was davon, wie sie geworden sind.“
Benannt ist das Haus nach dem Berliner Baumwollhändler und Museumsmäzen James Simon (1851-1932), der den Museen unter anderem die Nofretete-Büste geschenkt hatte. Für Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Hausherr des Gebäudes, ist dies ein Mittel gegen drohendes Vergessen. „Viele Museen in Deutschland wären ohne jüdische Mäzene nicht das, was sie heute sind.“
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