Seine Mitarbeiter wissen genau, wann der Chef im Anmarsch ist. Mit schnellen federnden Schritten eilt der Pensionär auch heute noch die vier Treppen hoch an seinen Arbeitsplatz. Im Haus 16 befindet sich das „Institut für Perinatale Medizin“, das nach ihm benannt ist. An der Wand vor seinem Zimmer hängt ein Stammbaum aller berühmten Ärzte der Welt, ein Bild darauf zeigt ihn. Er gilt als Ur-Vater der Perinatalen Medizin, also dem Fachbereich, der sich mit dem gesamten Prozess einer Geburt beschäftigt.
Erich Saling stand nach seinem Medizinstudium als junger Arzt Mitte der 50er Jahre im Kreißsaal, als der Oberarzt einem blassblauen Neugeborenen so lange kräftig auf den kleinen Po haute, bis das Baby selbstständig atmete. Daran erinnert er sich heute noch, denn es war für ihn ein Schockerlebnis. Der Arzt baute damals ein Gerät, das Schleim absaugt und Luft in die winzigen Lungen bläst. Es folgten viele weitere nützliche Erfindungen, wie die Fruchtwasserspiegelung, eine Saugglocke mit Stiel, die schonende Geburtszange und der totale Muttermundverschluss, der Frühgeburten verhindern soll. Ihr Prinzip wird bis heute weltweit angewandt.
Der Medizinprofessor war viele Jahrzehnte Chefarzt am Klinikum, in seiner Zeit kamen mehr als 60.000 kleine Berliner auf die Welt. In seinem Institut, das er nach seiner offiziellen Pensionierung 1993 gründete, forscht der agile Mann, wie Schwangere eine drohende Frühgeburt rechtzeitig mit Hilfe eines von ihm entwickelten Teststreifens erkennen. So kann sie in den meisten Fällen gestoppt werden.
Im September will das Vivantes Klinikum Neukölln dem ungewöhnlichen Jubilar und Träger des Bundesverdienstkreuzes eine Festveranstaltung widmen.
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