Charité

Streik-Operation bei laufendem Betrieb

Beschäftigte klagen: Charité belegt Betten weiter, um Schwestern zur Arbeit zu nötigen

Cornelia Schmalenbach und Gerhard Lehrke
Lesezeit 3 Min
2011 hatte es einen wochenlangen Streik der Pfleger und der nichtmedizinischen Dienste gegeben.

2011 hatte es einen wochenlangen Streik der Pfleger und der nichtmedizinischen Dienste gegeben.

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Am Sonntag war vom größten Arbeitskampf, den ein deutsches Krankenhaus je erlebte, wenig zu spüren. Am Standort Mitte gab es vereinzelt Anti-Streik-Aufkleber und das aufs Pflaster gesprühte Wort „Streik“. Im Weddinger Standort Virchow war die neurochirurgische Station 2 (21 Betten) dicht, die Tür verschlossen. Die Patienten – vorwiegend Parkinson-Kranke – wurden in der gleichen Etage auf die Station 3 verlegt.

Die Streikleitung hatte am Nachmittag noch keinen Überblick, wie viele Betten leer bleiben oder welche Stationen noch geschlossen würden. Ursprünglich war von Verdi erwartet worden, dass 20 Stationen an den drei Standorten Mitte, Wedding und Steglitz schließen müssten.

Die Charité sprach von 800 normalen und 113 Intensiv-Betten, die leer bleiben müssten – etwa ein Drittel aller Betten. Charité-Sprecher Uwe Dolderer: „Dieses Ausmaß an Bettenschließungen kann nicht von anderen Berliner Krankenhäusern ausgeglichen werden.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es zu den Problemen gekommen ist.

Carsten Becker von der Streikleitung macht der Klinik Vorwürfe: Sie habe die ambulanten Patienten schlecht über den Streik informiert – wenn sie heute kämen, müssten sie lange zum Beispiel auf Endoskopien oder Herzkatheter warten.

Seine Kollegin Dana Lützkendorf: „Ich habe den Eindruck, dass der Arbeitgeber in einigen Bereichen mit Absicht nicht dafür gesorgt hat, dass sie nicht mehr belegt sind.“

Dabei habe man besonders streikbereite Stationen schon vor einer Woche gemeldet, damit die Charité reagieren konnte.

Die Klinikleitung wolle aber offenbar die Mitarbeiter unter Druck setzen, dennoch zu arbeiten, weil die Patienten noch da sind. Die Charité, die täglich 200 Operationen absagen muss und mit einem täglichen Verlust von 500 000 Euro rechnet, wollte dazu gestern nicht Stellung nehmen.

Beim Streik geht es um die unzureichende Personalausstattung: Während in den Stationen zehn bis 14 Patienten auf eine Pflegekraft kämen, fordert die Gewerkschaft eine Quote von fünf zu eins. Nachtdienste dürften nicht nur von einer Person pro Station geleistet werden. Die Charité hat errechnet, dass diese Forderungen 600 Stellen mehr bedeuten würden – 36 Millionen Euro pro Jahr. 2014 hatte das Haus nur 7,6 Millionen Euro Plus gemacht – man würde wieder in die roten Zahlen rutschen.

Das Problem müsse bundesweit in Verhandlungen mit den Krankenkassen gelöst werden, die mehr für die Behandlungen zu zahlen hätten: Auch deshalb blickt die deutsche Krankenhaus-Öffentlichkeit nach Berlin, weil Pflege überall defizitär ist.

Die Leitung der Charité meint aus diesem Grund auch, dass sie der falsche Adressat des Streiks sei. Sie versucht noch, den Ausstand vom Landesarbeitsgericht verbieten zu lassen. In erster Instanz war sie aber unterlegen.

Die Rettungsstellen der Charité sind besetzt, Rettungsdienste werden aber nur schwere Fälle einliefern. Patienten sollen möglichst gleich andere Krankenhäuser aufsuchen. Fragen an die Charité sollen montags bis freitags (9-17 Uhr) unter der Hotline 030/450 550 500 beantwortet werden.

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