Die Kabelstränge, die die Signaltechnik und die Gleisanlagen mit Strom versorgen, gingen in Flammen auf und schmorten durch. Es war ein Anschlag, der uns alle traf! Organisiert und koordiniert von einem militanten Netzwerk, das bundesweit agiert. Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg (7. und 8. Juli) wurden Montagmorgen zwischen 1 und 4.30 Uhr auf insgesamt 13 Kabelschächte in fünf Bundesländern Brandanschläge verübt. Laut Deutscher Bahn waren davon die Zugverbindungen zwischen Hamburg und Lübeck, Köln und Dortmund, und im Raum Leipzig/Dresden betroffen.
400.000 bis 500.000 Fahrgäste pro Tag
Die Stelle in der Hauptstadt war von den Tätern gezielt ausgekundschaftet worden. Sie liegt an einer der zentralen Adern der Berliner S-Bahn, der Ringbahn, die täglich 400.000 bis 500.000 Fahrgäste befördert. Zehntausende Pendler waren gestern Vormittag direkt betroffen. Damit entlud sich der linksextreme Hass in der dritten Nacht in Folge. Doch diesmal traf es nicht wie am Wochenende Beamte der Polizei und Anwohner der Rigaer Straße, sondern Zehntausende Berliner, die mit ihrer Arbeit die Sozialleistungen vieler Linksradikaler finanzieren.
Das Bekennerschreiben mit dem kruden Motiv für den Anschlag folgte wenige Stunden später auf der linksextremen Internetplattform indymedia. „Heute Morgen haben wir die Kabelstränge entlang mehrerer Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt. Die Bahn nutzt die Kabelkanäle neben den Gleisen nicht nur für die interne Signalübermittlung, sondern vermietet die Schächte auch an andere Datennetz-Betreiber“, heißt es dort. Die Linksextremisten hätten mit den Anschlägen „eines der zentralen Nervensysteme des Kapitalismus“ angreifen wollen.
Starker Rauch neben den Gleisen
Der Alarm bei der Feuerwehr ging um 3.25 Uhr ein. „Eine Aufsicht hatte starken Rauch neben den Gleisen bemerkt“, sagt ein Polizeisprecher. Die Kabelstränge verlaufen dort parallel zu den Gleisen. Eintreffende Feuerwehrleute trafen wie üblich an Bahngleisen auf eine Gefahrenlage. „Die Einsatzkräfte mussten erst warten, bis der Strom unterbrochen war. Erst als die Bestätigung per Fax an die Leitstelle geschickt wurde, begannen die Löscharbeiten“, erklärt ein Feuerwehrsprecher. Erst gegen 5 Uhr war der Brandort unter Kontrolle.
Der S-Bahnverkehr war auf fünf Linien beeinträchtigt. Ab 8.10 Uhr fuhr zumindest die Ringbahn wieder. Die Züge zwischen Treptower Park und Schöneweide fuhren bis zum Abend nicht.
Die Polizei wollte einen Anschlag erst nicht bestätigen und verwies auf laufende Ermittlungen. Bis 9 Uhr morgens waren weder ein technischer Defekt noch eine brennende Zigarette ausgeschlossen worden. Merkwürdig: Die ersten Einsatzkräfte vor Ort sprachen davon, dass der Kabelschacht gewaltsam geöffnet worden war. Daraufhin rückten die Sprengstoffspezialisten der Berliner Polizei an und sicherten bis 10 Uhr Beweismittel.
„Berlin verkommt gerade zum Übungsplatz für den G20-Gipfel“
Unklar ist bisher, aus welchem Material die Brandsätze waren und was die Täter als Brandbeschleuniger benutzten. Überreste von 1,5-Liter-PET-Flaschen wurden nach Angaben von Ermittler nicht gefunden. In den meisten anderen Fällen in der Vergangenheit hatten militante Linke Plastikflaschen mit Benzin gefüllt und angezündet. Nach Einschätzung des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) haben die bundesweiten Vorfälle möglicherweise einen Bezug zum G20-Gipfel.
„Berlin verkommt gerade zum Übungsplatz für den G20-Gipfel“, sagt Tom Schreiber (38), Verfassungsschutz-Experte der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Parteibüros, Banken und Wohnhäuser werden mit Parolen beschmiert. Unternehmer und Politiker werden bedroht. „Wir beobachten ein Anstieg der Gewalt in Zusammenhang mit dem G20-Gipfel in Hamburg“, erklärte Andreas Geisel (51, SPD) gestern im Innenausschuss. In Berlin eskaliert die Gewalt bereits seit Wochen. Geisel bezeichnet die Linksextremisten als „brutale Gangster“. Und: „Die Rigaer Straße ist auch Rückzugsort für Täter.“ Leider könne die Polizei häufig Angreifer nicht verfolgen, weil ihr das durch das geschlossene Eingangstor verwehrt werde.
Unter der Leitung von Entwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) wolle der Senat jetzt mit Anwohnern und nicht-gewalttätigen Polit-Aktivisten aus der linken Szene über die Stadtveränderung sprechen. Es soll jetzt ein „Dialogprozess“ beginnen.
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