- Chaos kostet 700 Millionen bis 2017 - Keine Klarheit über Entschädigung - Schuldzuweisung an den Hersteller - Gereizte Stimmung bei der Anhörung

Bahn-Bosse im Kreuzverhör

Gerhard Lehrke
Lesezeit 3 Min

Berlin - Dr. Rüdiger Grube versuchte, aufgeräumt zu wirken. Doch die Abgeordneten im Verkehrsausschuss waren missgelaunt. Sie hatten Fragen, wollten ihn und seinen S-Bahn-Chef vor laufenden Kameras ins Kreuzverhör nehmen. Und bekamen zu wenige Antworten.Im Vorfeld der Anhörung zur S-Bahn-Krise war Grube empfohlen worden: Sag was über die Entschädigung für die Fahrgäste.Seine Antwort kam, bevor die Abgeordneten fragen konnten: "Wir denken über eine vernünftige Lösung nach und werden uns hierzu bis Ende Januar äußern."Das war den Abgeordneten zu wenig. Da half es nicht, dass Grube lamentierte, dass die Bahn mit der S-Bahn bis 2017 nur Verluste mache - 700 Millionen Euro. Die Stimmung wurde gereizter, der SPD-Abgeordnete Christian Gaebler sprach (versehentlich?) von Herrn Humbug. Er meinte den Personenverkehrschef der Deutschen Bahn, Ulrich Homburg, der früher dem Ausschuss alles versprochen und nichts gehalten hatte. Er saß stumm neben Grube und musste sich noch anhören: "Der muss hier nichts mehr sagen, dem glaube ich kein Wort mehr." Also sprach Grube und hatte Ausflüchte auf Fragen wie nach der Verantwortlichkeit für das Desaster.Ausflüchte wie: "Der eigentliche Auslöser für die S-Bahn-Krise ist die mangelhafte und falsch konstruierte Fahrzeugflotte BR 481 eines bekannten Herstellers."Keine Rede von Wartungsmängeln, fast nur von angeblichen Konstruktionsmängeln durch die Hersteller (inzwischen in Bombardier aufgegangen). Der Versuch, ihnen die Schuld anzulasten verschlechterte die Abgeordnetenlaune noch mehr. Bombardier erklärte: "Wir haben die Baureihe 481 nach Stand der Technik, nach Normen und nach Lastenheft der S-Bahn konstruiert. Uns ist von konstruktiven Mängeln nichts bekannt."Heiterkeit kam nur auf, als Grube, ganz jovialer Boss, den S-Bahn-Chef Peter Buchner aufforderte, frei von der Leber weg über die Probleme mit der DB Netz AG beim Wintereinbruch zu sprechen. "Seien Sie kritisch".Buchner gehorchte ein bisschen: "Wir hatten Anfang Dezember 69 Weichenstörungen. Die Züge kamen nicht in die Werkstätten."Die Frage des CDU-Manns Oliver Friederici: "Wann fährt die S-Bahn wieder zu 100 Prozent?" blieb unbeantwortet. Man werde zwar alles tun, aber auf irgendwas festlegen mochte er sich nicht. Stattdessen sagte er: "Ich sage ganz offen, wie stabil sich das Gesamtsystem beim nächsten längeren Winter- beziehungsweise Frost- und Schneeeinbruch verhält, ist nicht vorhersehbar."Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), die von der Opposition aufgefordert wurde, endlich zu handeln, empfahl der Bahn, "ihren Stolz aufzugeben und sich extern Hilfe zu holen." Die Frage der Grünen Claudia Hämmerling aber, wann neue Züge von wem bestellt werden ("wir haben 500, brauchen 700") verhallte.------------------------------BU: Alle 9000 Räder der S-Bahn-Züge werden ausgetauscht, alle 4500 Achsen. Wann es neue Züge gibt, blieb dagegen unbeantwortet.BU: Peter Buchner durfte kritisch sein, blieb aber lieber vorsichtig.Zwischenzeile: "HERR HUMBUG" MUSSTE STILL DANEBEN SITZENZwischenzeile: 100 % S-BAHN - DAS KANN NOCH LANGE DAUERN

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