Champions League

Wie hässlich macht Juventus Turin das Finale gegen Barcelona?

Turin kann ein Spiel perfekt zerstören, um es zu gewinnen

Mathias Bunkus
Lesezeit 3 Min
Nicht schön, aber verdammt gut: Juves Angreifer Carlos Tevez.

Nicht schön, aber verdammt gut: Juves Angreifer Carlos Tevez.

© Getty Images Lizenz

„Gegen Real hatten wir eine 35-prozentige Chance aufs Weiterkommen. Gegen Barca sind die Chancen geringer“, schätzt Buffon die Situation realistisch ein. Aber es ist nur ein Spiel, und in einem Spiel ist alles möglich.

Vor allem wenn die alte Dame sich wieder zu einem so intensiven Fight aufraffen kann wie gegen die Königlichen. Durchschnittlich 116 km liefen die „Bianconeri“ (Weiß-Schwarzen) in den K.o.-Runden der Königsklasse. Madrid kam nur auf 107,8 km. Das Ganze war gepaart mit einer unbändigen Lust, Real die Laune am Spiel zu nehmen.

Und Juve besaß zudem dann, wenn es gegen Cristiano Ronaldo, Gareth Bale & Co. brenzlig wurde, Buffon als Rückhalt mit großen Paraden. „Nach neun langen, wechselvollen Jahren noch einmal nach Berlin zu fahren, ist etwas, was mich sehr motiviert“, so Buffon.

Kann das Unmögliche wieder möglich werden? Man denke an Chelsea 2012. Oder noch viel naheliegender, die Azzurri selber eben 2006. Ein skandalerschüttertes Team, das sich mit einer Wagenburgmentalität durch die WM wurschtelte. Ach was, sich durchbiss. Beileibe nicht mit dem schönsten Fußball oder kunstvollem Spiel. Manchmal sogar sehr hässlich.

Aber erfolgreich. So erfolgreich, dass Frankreich am Ende genervt im Elfmeterscheißen die Waffen strecken musste. So provokant und hässlich, dass Zinedine Zidane sich zu einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi hinreißen ließ.

Wird es am Sonnabend wieder so hässlich? Natürlich würde jeder einem Buffon mit seinen gefühlt 51 Lenzen den Titel noch einmal gönnen. Doch die Freunde der hohen Spielkunst stehen eher auf der Seite der Katalanen.

Nun gut, Pirlo als Supertechniker ist auch nicht zu verachten. Aber eben nicht mehr der Jüngste und kurz vor dem Abflug in irgendwelche Dollarparadiese. Und natürlich steht Juve nicht nur für reinen Catenaccio. Aber als Italiener können sie ihn. Sie werden sich nicht scheuen, zu diesem Stilmittel zu greifen. Der Zweck heiligt eben die Mittel. „Wir werden ihnen das Leben schwer machen“, grinst Buffon. Man muss sich nicht groß im Fußball auskennen, um zu wissen, was das heißt.

Wofür allein schon der Argentinier Carlos Tevez steht. Ein mit allen Wassern gewaschener Fuchs. Gut zu gebrauchen auch als Agent provocateure in heißen Schlachten. „Er weiß genau, wann er den Ball zu halten hat, einen Extralauf oder auch mal ein Foul machen muss“, hält Buffon große Stücke auf den Angreifer.

Juves Weltmeister-Trio ist zwar in die Jahre gekommen. Aber nicht minder hungrig. Die letzte große Jagd steht an. Sie haben keinen Messi, keinen Neymar oder einen Suarez in ihren Reihen. Aber den Lauf des Schicksals irgendwie auf ihrer Seite. Ein Kreis soll sich schließen.

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