„Wenig zusammenhängende Zeit“ habe er gehabt und die Gefahr vor Augen, „den wissenschaftlichen Anspruch zu vernachlässigen“. 1999 reichte der CDU-Politiker seine Arbeit an der Freien Universität (FU) ein, zwei Jahre bevor er als Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl gegen Klaus Wowereit antrat – und verlor. Er war ehrgeizig, galt als politisches Talent. Aber war Steffel auch ein guter Wissenschaftler?
Vorwürfe seit November 2017 bekannt
Es gibt klare Hinweise darauf, dass der 52-Jährige sich nicht an die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis gehalten hat. Dem Berliner KURIER liegen Belege dafür vor, dass Steffel Passagen seiner Arbeit abgeschrieben hat, ohne die Zitate zu kennzeichnen – zu großen Teilen wortwörtlich. Eine umfassende Prüfung steht noch aus, dafür ist die FU zuständig. Der Hochschule sind die Vorwürfe seit November 2017 bekannt.
Derzeit würden sie geprüft, heißt es. Und auch Steffel weiß darum. In seiner Arbeit beschäftigte sich der Politiker mit der „Bedeutung und Entwicklung der Unternehmer in den neuen Bundesländern nach der Deutschen Einheit 1990“. Größere Erkenntnisse beinhaltet sie nicht. „Für eine abschließende Stellungnahme und Prognose hinsichtlich der Unternehmerschaft in den neuen Bundesländern ist es noch zu früh“, schrieb er.
Eigenleistung anderer
Dass Steffel teilweise nicht einfach nur referiert hat, sondern abgeschrieben, hat der Plagiatsexperte Martin Heidingsfelder festgestellt. Er ist Gründer der Plattform Vroniplag Wiki. Laut Heidingsfelder hat sich Steffel großflächig bei anderen Autoren bedient. Der Wirtschaftswissenschaftler Markus Nöth gehört an der Universität Hamburg dem Ständigen Expertenausschuss an, der Verdachtsfällen von Fehlverhalten nachgeht.
„Wer Zitate nicht korrekt kennzeichnet, gibt als Eigenleistung aus, was keine ist“, sagt er. Eine zweite Passage, die Steffel allem Anschein nach übernommen hat, hat der KURIER identifiziert. Steffel gibt die Privatisierung dreier DDR-Großbetriebe wieder – detailreich und anschaulich. Was merkwürdig ist, schließlich umfasst seine Arbeit keinerlei empirische Forschung.
„Ich habe volles Vertrauen in die Gremien der FU“
Nicht unwahrscheinlich ist, dass er abgeschrieben hat aus Artikeln in dem Band „Kombinate – was aus ihnen geworden ist“. Horst Winkler ist einer der Autoren. „Ich bin geschockt, dass es sich der Autor einer Dissertation so leicht gemacht hat“, sagte er nach dem Vergleich von Original und Plagiat.
Auf Anfrage hat Frank Steffel reagiert. „Die FU Berlin hat mich darüber informiert, das sie eine Überprüfung vornehmen wird“, schreibt er. „Ich habe volles Vertrauen in die Gremien der FU.“ Auch eine Reaktion seines damaligen Doktorvaters schickt er mit.
FU prüft die Vorwürfe
„Ich habe die Synopse von VroniPlag studiert und anschließend die Dissertation noch einmal durchgesehen“, schreibt Professor Doktor Dietrich W. Winterhager: „Zu den Vorwürfen stelle ich fest: Die von Herrn Dr. Steffel gewählte Zitierweise entsprach den von mir als Erstgutachter gestellten Anforderungen. Sie war damals an meinem Lehrstuhl und nach meiner Kenntnis und Überzeugung auch im gesamten Fachbereich üblich.“
Insgesamt stelle er fest, „dass die Doktorarbeit den seinerzeit üblichen Zitierregeln folgt. Der Doktorand hat ersichtlich keine Täuschungsabsicht gehabt. Und ich bin auch objektiv nicht getäuscht worden, da ich die zitierten Texte kannte, die Übernahmen erkannte und die Zitierweise für ausreichend erachtete.“ Steffel sitzt seit 2009 im Bundestagstag. Im Ehrenamt ist Steffel Präsident des Handballbundesligisten Füchse Berlin.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com