„Cabaret“-Star Michael Kargus

Jetzt rockt er Berlin im Fummel

Der Berliner spielt die Hauptrolle im Stück „Hedwig and the Angry Inch“.

BK
Lesezeit 3 Min
In über 700 Vorstellungen stand Michael Kargus als Conferencier in „Cabaret“ auf der Bühne.

In über 700 Vorstellungen stand Michael Kargus als Conferencier in „Cabaret“ auf der Bühne.

© Thomas Lebie

Gleich vorweg: Fans weichgespülter Liebesgeschichten sind hier an der falschen Adresse. Wenn Hedwig, die Hauptfigur des Kult-Musicals, auf die Bühne kommt, wird geschimpft, gespuckt und gesexelt. „Es ist keine leichte Kost“, sagt Michael Kargus, der die Rolle spielt. „Das Publikum darf sich nicht sicher fühlen. Normalerweise hat man als Theatergast Distanz – aber wenn Hedwig sich bei den Gästen auf den Schoß setzt und sie anschwitzt, ist das anders. Und ich schwitze!“

Die Zuschauer müssen erzogen werden

Im Stück geht es um den Berliner Hansel, der sich zu DDR-Zeiten in einen GI-Soldaten verliebt. Um mit ihm nach Amerika zu gehen, muss er zur Frau werden. Aus Hansel wird Hedwig, doch die OP scheitert wie die Liebe und der Amerikanische Traum. Die Show ist ein Konzert, im Rahmen dessen Hedwig ihre Story erzählt. Ein Rock-Happening, schrill, aber auch emotional.

Kargus lebt in Berlin, feiert mit der Frankfurter Produktion (10. und 11. August, Admiralspalast) ein Heimspiel. Ob es läuft? Fakt ist: Nicht jeder mag „Hedwig and the Angry Inch“. „Ich freue mich, dass es nun mehr Leuten zugänglich gemacht wird“, sagt er. Kargus kritisiert: „Hierzulande gibt es nur noch Shows für 1500 Leute, Großproduktionen wie Mamma Mia und Tanz der Vampire.“ Es sei immer das Gleiche. Das Problem: „Wenn man den Zuschauern nur diese Dinge anbietet, ändert sich nichts.“ Man müsse die Zuschauer mehr dazu erziehen, auch kleinere Produktionen zu besuchen. Dazu kommt: „Gerade wächst eine Generation heran, die nicht ins Theater geht, weil sie den ersten Akt nicht ohne Handy übersteht. Der Anspruch geht verloren.“

Hedwig ist keine leichte Figur

Gerade ein Stück wie „Hedwig and the Angry Inch“ sei aber aktueller denn je. „In den sozialen Netzwerken geht es immer darum, ein bestimmtes Bild nach außen zu transportieren“, sagt er. „Aber bei Hedwig geht es darum, zu sich selbst zu finden, sich zu akzeptieren – und sich selbst wieder zu lieben.“

Zur Rolle kam Kargus (41), der an der Hamburger Musicalschule studierte, durch Zufall. Nach seinem Ausstieg bei „Cabaret“ – hier spielte er über 700 Shows – fiel bei der Auswahl der Besetzung sein Name. „Beim Casting wurde ich komplett auf links gedreht. Denn Hedwig ist keine leichte Figur. Der Abend beginnt wie eine bunte Show. Doch dann wird es böser, schwerer, härter.“ Trauer, Wut, Verletzlichkeit muss er auf die Bühne bringen. „Hedwig bringt dich an deine Grenzen“, sagt er. 

Infos, Tickets: offmusical.de 

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