Verdi kampfbereit

BVG-Fahrgäste müssen Anfang 2019 mit Warnstreiks rechnen

Die Gewerkschaft will millionenschwere Verbesserungen durchsetzen.

Peter Neumann
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U-Bahnhof Nauener Platz (Archivbild). 

U-Bahnhof Nauener Platz (Archivbild). 

© imago/Westend61

Volle U-Bahnen, Verspätungen – und bald auch Warnstreiks. Auf die Fahrgäste der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kommen weitere Unannehmlichkeiten zu. „Wir sind dabei, Arbeitskämpfe vorzubereiten“, sagte Jeremy Arndt von der Gewerkschaft Verdi. Anfang 2019 könnte es zu Arbeitsniederlegungen kommen.

Ein neuer Manteltarifvertrag soll den rund 14.600 Menschen, die für den BVG-Konzern arbeiten, Verbesserungen bringen. Am Mittwoch haben die Sondierungsgespräche mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) begonnen, für den 28. Januar wurde die erste Verhandlungsrunde angesetzt.

„Die Fahrgäste sind schon genug gestresst“

Weil die vier Kernforderungen der Gewerkschaft die jährlichen Personalkosten um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag erhöhen würden, wird Widerstand erwarten. Um die Wunschliste durchzusetzen, könnten Warnstreiks, die Fahrgäste belasten, nötig werden, kündigte Arndt an. „Wahrscheinlich wird es erst mal Warnstreiks in einzelnen Betriebsteilen geben.“ Also nicht flächendeckend.

Arndt weiß, dass Arbeitskämpfe unpopulär sind. „Die Fahrgäste sind schon genug gestresst.“ Bei den Tarifverhandlungen gehe es aber auch um sie. „Wenn die BVG nicht bessere Arbeitsbedingungen bietet, wird sie massive Probleme durch Personalmangel bekommen – der die Fahrgäste betreffen wird.“ Der neue Manteltarifvertrag soll dazu beitragen, dass das Landesunternehmen mehr geeignete Bewerber erhält und als Arbeitsplatz wieder attraktiver wird.

Nach einer Befragung, an der sich 55 Prozent der Verdi-Mitglieder bei der BVG und deren Tochterfirma Berlin Transport beteiligten, wurden die Verhandlungsthemen festgelegt.

Weniger arbeiten bei vollem Lohn

Zum einen geht es laut Verdi darum, viele Beschäftigte zu entlasten – durch eine Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Nutzen soll dies den Mitarbeitern, die 2005 oder später eingestellt wurden, und derzeit 39 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Künftig sollen sie wie ihre Kollegen, die schon länger bei der BVG sind, 36,5 Wochenstunden leisten – ohne dass sie weniger Lohn bekommen. Laut Gewerkschaft würde dies die BVG jährlich rund 70 Millionen Euro kosten.

Die zweite Forderung lautet: Entgeltordnung überarbeiten! Ein Beispiel: Derzeit steigt der Lohn nach jeweils vier Jahren, in Zukunft soll die Zeitspanne kürzer sein. Hier sei noch unklar, wie dies die Personalkosten erhöhen würde, sagte Jeremy Arndt. Forderung Nummer drei: Vorteil für Verdi-Mitglieder. Sie sollten künftig ein Urlaubsgeld in Höhe des individuellen jährlichen Gewerkschaftsbeitrages bekommen. Kosten für die BVG: 15 Millionen Euro pro Jahr. 

Zwei Millionen Euro würde die vierte Verbesserung kosten. Wer bei der BVG eine Ausbildung absolviert hat, soll anders als jetzt schon im ersten Beschäftigungsjahr eine Weihnachtszuwendung erhalten, so Verdi. Im vergangenen Jahr verbuchte der BVG-Konzern Personalkosten in Höhe von 647,6 Millionen Euro. Zu den Verdi-Forderungen sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz nichts. „Die Verhandlungen werden durch den KAV geführt, und wie bisher kommuniziert die BVG nur am Verhandlungstisch, nicht über die Medien.“

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