Büro befindet sich in einem Schacht der U-Bahn-Linie 9
Ein Eck-Schreibtisch mit Computern und Drucker, Bücher und Stifte, eine Schreibtischlampe (angeschaltet!), ein Mini-Schränkchen mit Zimmerpflanze und an der Wand ein Stadtplan von Berlin – es sieht aus wie ein normales Berliner Büro. Doch dieser Raum befindet sich nicht in einem Geschäftshaus, sondern in einem Schacht der U-Bahn-Linie 9!
Sicherheitsleute der BVG stießen im Untergrund auf den Büroraum der anderen Art. „Ich dachte, ich spinne“ – so formuliert es einer der Entdecker gegenüber KURIER. Denn: Ziemlich genau vier Jahre ist es her, dass eine ähnliche Aktion für Furore sorgte. 2016 richteten Aktionskünstler im Schacht ein Wohnzimmer ein – inklusive Bett, Fernseher, Zimmerpalme, Lampe und karierter Tapete.
Abgesehen von den leeren Aktenordnern und dem alten Computer sieht das unterirdische Büro beinahe realistisch aus.
© Berliner KURIER
BVG lässt geheimes Büro räumen und erstattet Anzeige
„Da hat sich wohl jemand mit uns einen Gag erlaubt. Irgendwie haben sie es geschafft, das Mobiliar durch die Sicherheitsschleusen zu schmuggeln“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken damals. Vor allem für die Sicherheit im Untergrund sei eine solche Einrichtung problematisch, denn die Möbel, so Nelken, hätten Fluchtwege blockiert. Amüsiert ist man bei der BVG auch dieses Mal nicht – erst die Anfrage des KURIER machte das Unternehmen auf die skurrile Aktion aufmerksam. „Wir haben das Büro gesucht und gefunden“, sagt BVG-Sprecher Jannes Schwentu dem KURIER. „Wir lassen den Krempel jetzt wegräumen und erstatten Anzeige – schon deshalb, weil sich offenbar jemand in Bereichen bewegt hat, in denen er sich nicht hätte bewegen dürfen.“ Das sei gefährlich, schon des Starkstroms wegen. Man werde den Vorfall jetzt genau unter die Lupe nehmen „und alles auswerten, was wir haben.“
Schon 2016 richteten Künstler ein unterirdisches Zimmer ein – inklusive Bett, Sessel, Fernseher und Zimmerpalme.
© Berliner KURIER
Wie es die Künstler erneut schaffen konnten, ein komplettes Zimmer einzurichten? In den Schächten werde nur unregelmäßig kontrolliert, sagt ein Insider dem KURIER. Fakt ist aber: Das Büro müsse relativ neu sein, „da es dort unten schon schnell staubig und dreckig wird – auch weil der Raum unter einem Lüftungsgitter installiert wurde.“ Türen wurden auch dieses Mal laut KURIER-Informationen nicht aufgebrochen – dafür zapften die Künstler scheinbar Strom von einer nahe gelegenen Wasserpumpe ab, um die montierte Schreibtischlampe zu betreiben.
2016 gab es bereits ein unterirdisches Kunstwerk der Künstlergruppe "Rocco und seine Brüder"
Zumindest könnten die Experten der BVG dieses Mal wissen, wo sie nach den Besitzern der Möbel suchen müssen: Im Nachhinein bekannte sich 2016 die Künstlergruppe „Rocco und seine Brüder“ zu dem unterirdischen Kunstwerk. Ein anonymes Video im Internet zeigte gar auf besonders kunstvolle Weise, wie mehrere Männer den Raum einrichteten – unter Zuhilfenahme selbst bedruckter BVG-Warnwesten. Eine KURIER-Anfrage an die Berliner Truppe blieb bis Redaktionsschluss bisher unbeantwortet.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com