Auf der Busspur, die auf Höhe der Marienkirche beginnt, besteht zwischen 7 und 9 und zwischen 14 und 19 Uhr Halteverbot. Als wir an diesem Mittwoch kurz vor 14 Uhr die 400 Meter bis zur S-Bahnbrücke am Alex ablaufen, stehen noch 20 Autos falsch. Viele Kennzeichen weisen auf Fahrer aus Polen und Brandenburg hin, aber auch genügend Berliner pfeifen aufs Halteverbot.
Von der Busspur in den fließenden Verkehr
22.409 Verstöße auf Busspuren wurden 2016 angezeigt. Die Dunkelziffer ist naturgemäß weit höher.
An der Karl-Liebknecht-Straße fahren vier Buslinien im Minutentakt, 200er, 100er, TXL und M48. Wenn es hier im Berufsverkehr eng wird, stecken Hunderte Passagiere im Bus fest.
Spur-Sherriff Andy Fischer kennt die Taktung der Busse, er war selber bis 2015 auf der Strecke als Busfahrer unterwegs. Aus gesundheitlichen Gründen sitzt er nicht mehr hinterm Steuer, aber den Weg für die Kollegen frei machen, ist ebenso wichtig. Fischer, wie auch Kollege Roland Schiller, wissen genau, wie nervenaufreibend es ist, von der Busspur in den fließenden Verkehr zu wechseln. Von Verspätung bei Stau ganz zu schweigen.
Ist ein Diplomatenwagen dabei, haben alle Glück
„Die Fahrpläne rechnen mit der schnellen Busspur“, sagt Fischer. Beide Männer wollen ihre richtigen Namen lieber nicht nennen, nicht alle Autofahrer haben Verständnis für ihren Job. Schließlich notieren die Spur-Sheriffs täglich Falschparker und informieren die Polizei. Dann kommt der Abschleppwagen und nimmt an der Karl-Liebknecht-Straße oder an der Schöneberger Hauptstraße, einem weiteren Schwerpunkt, täglich fünf bis zehn Autos mit.
Auch am Donnerstag geben Fischer und Schiller 10 bis 12 Kennzeichen durch. Bis etwas passiert, das man getrost als Nullnummer bezeichnen kann.
Zwischen die parkenden Autos hat sich ein Mercedes mit Diplomatenkennzeichen gestellt. Der Fahrer ist unbemerkt davongehuscht. Und Andy Fischer entgleisen kurz die Gesichtszüge. Denn Diplomatenwagen – das heißt, der Abschlepper kann wieder umkehren. Nach Gerichtsstreitigkeiten mit Fahrern, die sich ungerecht behandelt fühlten, gilt eine interne Regel. Bei Nullnummer: Nullnummer. Wird der Diplomat wegen Immunität nicht abgeschleppt, kommen alle davon. Dass dieser ein Glückstag ist, wissen die Falschparker nicht. Doch bald sind die Spur-Sheriffs wieder unterwegs.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com