Um 11 Uhr war es so weit: In Berlin haben an diesem Donnerstag, dem 10. September 2026, die Sirenen geheult – auf- und abschwellend, deutlich hörbar auch auf den Straßen der Innenstadt. Ausgelöst hatte den bundesweiten Probealarm das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Eine Gefahr bestand nicht, getestet wurde das Zusammenspiel der Warnkanäle.
Von Bonn bis zur Sirene in Ihrem Kiez
Der Vormittag verlief nach ersten Eindrücken Plan: Um 11 Uhr ging die Probewarnung über das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) hinaus – an Sirenen, Warn-Apps, Radio- und TV-Sender, digitale Anzeigetafeln und per Cell Broadcast direkt auf die Handys in der jeweiligen Funkzelle. 45 Minuten später, gegen 11.45 Uhr, folgte die Entwarnung.
Warn-Apps nicht immer pünktlich
In der Redaktion des Berliner Kurier klingelte ein Handy über die Warn-App KatWarn erst um 11.04 Uhr. Ob das ein Einzelfall war, lässt sich am Vormittag noch nicht sagen.
Dass eine Warnung auf dem Handy gar nicht ankommt, hat nach Angaben der Verbraucherzentrale meist mit den Einstellungen zu tun. Bei Apps wie „NINA“ oder „KatWarn“ greift auf Android-Geräten die Akku-Optimierung: Wird eine App in den Standby versetzt, sind ihre Hintergrundfunktionen eingeschränkt – neue Meldungen tauchen dann erst auf, wenn man die App selbst öffnet. Auf dem iPhone hat eine abgeschaltete Hintergrundaktualisierung denselben Effekt. Und wer einer Warn-App die mobilen Daten verboten hat, wird unterwegs ohne Wlan überhaupt nicht gewarnt.
Wer den Unterschied kennt, muss am Donnerstag nicht raten. Ein Ton, der immer wieder ansteigt und wieder abfällt, ist laut BBK das Signal für eine Warnung. Ein gleichbleibender langer Heulton bedeutet dagegen: Der Probealarm ist beendet – im echten Fall wäre die Gefahr vorüber.
Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport stehen derzeit 420 Sirenen im Stadtgebiet, und am bundesweiten Warntag laufen sie alle gemeinsam an. Gesprochene Ansagen können sie nicht ausgeben. Wer wissen will, was hinter einem Alarm steckt, ist deshalb auf andere Wege angewiesen: die Warn-App „NINA“, den Rundfunk und die Informationstafeln in der Stadt.
Eine Probewarnung auf einem Smartphone. Der bundesweite Warntag ist ein gemeinsamer Aktionstag von Bund, Ländern und Kommunen. Er findet jährlich im September statt.
© Bernd Weißbrod/dpa
Zum ersten Mal bei einem bundesweiten Test ging auch die Entwarnung per Cell Broadcast auf das Smartphone. Die Funktion hat das BBK Ende November 2025 freigeschaltet. Sie läuft in der niedrigsten Warnstufe und damit leiser als die Warnung – wer diese Stufe im Handymenü abgeschaltet hat, bekam von den beiden Meldungen nur die um 11 Uhr.
Ebenfalls neu ist die Warnung über das Digitalradio. Der sogenannte Automatic Safety Alert soll Hörer auch dann erreichen, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen, und Geräte im Standby-Betrieb bei Bedarf selbst einschalten. Nach BBK-Angaben startet das System in diesem Monat.
Warum der Staat wieder in Sirenen investiert
Nach dem Kalten Krieg galten Sirenen vielerorts als überflüssig und wurden abgebaut. Das hat sich geändert – spätestens seit der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Eine zentrale Übersicht über den Bestand gibt es bis heute nicht, weil Länder und Kommunen die Anlagen betreiben; dem BBK sind rund 48.000 aktive Standorte bekannt, dazu kommen mobile Geräte.
Der Bund fördert Aufbau, Reparatur und Modernisierung seit 2021. Im vergangenen Jahr wurden dafür laut BBK rund 11,87 Millionen Euro abgerufen, in diesem Jahr bislang rund 4,09 Millionen Euro.
Wie gut der Test in Berlin funktioniert hat, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Das BBK wertet den Warntag regelmäßig über eine Online-Umfrage aus; die Ergebnisse liegen üblicherweise nicht am Tag selbst vor. In der Innenstadt waren die Sirenen am Donnerstagvormittag jedenfalls deutlich zu hören.
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