Bundespräsident Joachim Gauck verurteilt Terroristen

„Eurer Hass ist unser Ansporn“

10.000 Berliner kamen zur Mahnwache ans Brandenburger Tor ...

Florian Thalmann
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Die Mahnwache für die Opfer der Anschläge in Frankreich in Berlin.

Die Mahnwache für die Opfer der Anschläge in Frankreich in Berlin.

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Eine Stadt steht zusammen. Tausende Menschen kamen am Abend zum Brandenburger Tor, um bei einer großen Mahnwache Gesicht zu zeigen – für ein weltoffenes Deutschland, gegen Terror.

„Die Terroristen wollten uns spalten, erreicht haben sie das Gegenteil“ – das sagte Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Ansprache an die Berliner. Und es stimmt: Laut ersten Schätzungen waren es rund 10.000, die am Abend zur Mahnwache ans Brandenburger Tor strömten.

Sie kamen in Stille, brachten weiße Rosen, Kerzen und Plakate mit, darauf Botschaften wie „Ja zur Toleranz“ und „Terror hat keinen Gott“. Sie verewigten sich mit Polaroid-Bildern auf einer Fotowand, schrieben ihre Wünsche darunter: „grenzenlose Freundschaft“ und „ein buntes Deutschland“, „Toleranz und Weltoffenheit“ und, hoffnungsvoll, „Wir sind eine Familie“.

Zur Mahnwache aufgerufen hatten muslimische Verbände, um ein Zeichen gegen den islamistischen Terror in Paris zu setzen. „Wir werden nicht zulassen, dass unser Glaube missbraucht wird“, sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime. „Die Terroristen wollten den Propheten rächen? Nein! Sie haben mit ihrer Tat die größte Gotteslästerung begangen.“

Daran erinnern sollten auch zwei Passagen aus dem Koran, die zu Beginn der Kundgebung auf dem Pariser Platz verlesen wurden. Darin heißt es: „Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne dass es einen Mord begangen oder auf der Erde Unheil gestiftet hat, so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.“

Politiker und Vertreter der Religionsgemeinschaften wandten sich mit ihren Ansprachen an die Berliner. Bischof Markus Dröge fand klare Worte: „Juden, Christen und Muslime sagen gemeinsam Nein zu jeder Gewalt, zu jedem Terror im Namen des Glaubens an Gott.“

Abraham Lehrer, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, warnte vor der stärker werdenden Radikalisierung und appellierte an die Muslime, gegen den Terrorismus vorzugehen.

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich beeindruckt von der Zusammenkunft. „Der friedliche Islam hat in Deutschland, hat in Berlin ein Zuhause“, sagte er. Die derzeitige Situation werde auch genutzt, um gegen Islam und Flüchtlinge zu hetzen. „Setzen wir dagegen eine Allianz der Menschlichkeit!“

Emotionaler Höhepunkt: Die Rede von Bundespräsident Joachim Gauck. Er verurteilte Fanatiker und Terroristen, schickte ihnen die Worte, die er zu Beginn seiner Amtszeit an Rechtsextremisten adressierte: „Wir schenken Euch nicht unsere Angst. Euer Hass ist unser Ansporn!“ Der Terror sei international, „aber das Bündnis der Freien und Friedfertigen ist es erst recht. Die Welt rückt zusammen.“

Das taten auch die Spitzenpolitiker auf der Bühne: Sie traten nach vorn, Arm in Arm, in Erinnerung an den Trauermarsch von Paris. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Gauck, sein Vorgänger Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert, dazu Abgeordnete, Minister, Gewerkschafts- und Religionsvertreter.

Und 10.000 Berliner taten es ihnen gleich. Eine Kette gegen den Terrorismus. Eine Kette für Freiheit und Toleranz.

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