Fußball ist auf den ersten Blick reiner Ergebnissport. Wer beim Abpfiff im Kasten des Gegners mindestens ein Tor mehr untergebracht hat, hat gewonnen. So einfach ist das. Nur: Allein deswegen laufen die Fans schon lange nicht mehr hin. Sie wollen unterhalten werden, und zwar sowohl spannend als auch bezaubernd. Es macht ihnen nicht mal was aus, wenn das nach einem längst bekannten Muster passiert. Dem zum Beispiel, dass ein alter Mann die fiese Masche liebt.
Manchmal genügt eine einzige Finte, um Geschichte zu schreiben. Die Voraussetzung: Der Fintenmacher beherrscht seinen Dreh aus dem Effeff und so gut, dass der Gegenspieler, obwohl er lange vorher haarklein seziert bekam, wie er vernascht, wieder und wieder vorgeführt wird. Der Prototyp dieser einzigartigen Finte: von der rechten Seite kommen, den Sprint nach rechts zur Grundlinie andeuten, mit einem Affenzahn doch nach innen gehen und in Höhe des Strafraumes voll abziehen!
Das ist kein Geheimnis und erst recht kein Zauberwerk. Das ist Arjen Robben.
Tausendmal gesehen
Tausendmal gesehen, tausendmal gewusst, (fast) tausendmal drauf reingefallen. Diesen Trick hat er einst beim FC Groningen geübt, in Eindhoven automatisiert und in ganz Europa – erst bei Chelsea, dann bei Real Madrid und seit 2009 beim FC Bayern – zur halben Zirkusnummer perfektioniert. Die meisten seiner 95 Bundesligatore hat er auf immer diese gleiche Art erzielt. Oder ist es gar doch Teufelswerk? Vielleicht auch hat ein schlauer Trainer nur erkannt, dass es nicht unbedingt an Wahnsinn grenzt, einen Linksbeiner auf der rechten Seite einzusetzen.
Vor ein paar Wochen noch drohten sie ihm mit Fußballer-Rente. Weil die Lebensarbeitszeit jedoch ohnehin steigend ist, denkt auch Robben mit 34 Jahren noch nicht an die Zeit danach, sondern hängt eine weitere Saison ran. Es wird seine zehnte in München und sie können auf einen Mittelfeldspieler seiner Art, der im Schnitt in jedem zweiten Spiel trifft, noch nicht verzichten, auch wenn die Nachfolger bereits in den Startlöchern stehen. Kingsley Coman ist so einer, der Franzose, auch wenn er, da auf der linken Seite eingesetzt, der spiegelverkehrte Robben ist.
Besondere Momente
Es sind ohnehin die Männer für die besonderen Momente, die bei den Fans am höchsten in der Gunst stehen. Es sei denn, sie sind Verteidiger und heißen Knoche und Hack. Da fällt es schwer, Übersteiger oder Lupfer anzumahnen. Bei diesen Namen denkt jeder ungewollt an gebrochene Schienbeine und blutende Platzwunden. Dabei verstehen sich der Wolfsburger Robin Knoche und der Mainzer Alexander Hack durchaus nicht als Wadenbeißer. Blöd nur, dass es Hack in der Vorbereitung selbst erwischt hat und er ein paar Wochen ausfällt. Er hat sich nämlich, kein Witz, den linken Fußwurzelknochen gebrochen.
Weiß schon, wie schöne Töre gehen: Leverkusens Leon Bailey
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Alle in dieser besonderen Elf sind einzigartig. So Leverkusens quirliger Verteidiger Wendell und sein Bayer-Mitspieler Leon Bailey, der gerade 21 geworden ist, aber schon ganz genau weiß, wie schöne und wichtige Tore gehen. Nicht zu vergessen Pablo de Blasis, der 1,65-m-Zauberzwerg aus Mainz, und Eintracht Frankfurts Stürmer Ante Rebic. Das ist genau der mit dem WM-Hammertor für Kroatien gegen Argentinien und der, der als Vizeweltmeister seinen Vertrag im Riederwald bis 2022 verlängert hat. Auch auf Nils Petersen, der den Turbo für seine Karriere einst bei Energie Cottbus zündete und jetzt für den SC Freiburg trifft, sollten die Fans achten. Keiner hat mehr Jokertore erzielt als er. Womöglich gelingt das mit dem Karriere-Turbo auch Valentino Lazaro. Einige starke Auftritte zeigte das Hertha-Mittelfeld-Ass bereits, nun soll Stabilität in seine Aktionen ziehen.
Weltklasse, dann Kreisklasse
Braucht die Elf für die besonderen Momente auch einen Torhüter? Wenn es einer wie Roman Bürki ist, dann unbedingt. Einmal Weltklasse, 90 Minuten später Kreisklasse – auch das ist eine Art Entertainment. Nur darf sich der Dortmunder die Kreisklasse nicht mehr gar so häufig leisten, mit Marvin Hitz hat der BVB einen eidgenössischen Landsmann als Konkurrenten geholt.
Zwei Schweizer Torhüter bei einem Verein – wenn nicht auch das nur die fiese Masche eines alten Mannes (Trainer Lucien Favre ist 60) ist …
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